Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 45 (11.11.1843)
- Date
- 1843-11-11
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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178 dem Opfer vor. So innig Abraham seinen Sohn liebte, welcher seine Freude und sein Trost gewesen, die Liebe zu Gott siegt dennoch, und der Gehorsam gewinnt die Oberhand. Er geht mit festem Schritte einen Weg von dreien Tagereisen, und das namenlose Weh, das sein Herz durchschneidet, macht ihn nicht wankend und nicht weichend. Schon ist der Ort erreicht, wo Abraham sein Theuerstes auf Erden verlieren soll, schon ist der Altar aufgerichtet, gebunden liegt der Sohn, und das Messer blinkt in des Vaters Hand — dennoch bleibt Abraham fest im Glauben an Gottes Weisheit, fest im Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit und Liebe. — Solche Selbstverleugnung, solche Hingebung muß selbst die Engel im Himmel rühren, deren Thränen auf das Messer fielen, daß es stumpf geworden. *) Gott aber, der nicht das Blut der Menschen, sondern nur Gehorsam und Vertrauen verlangt, wandelte Weh in Wonne um, und ließ dem Patriarchen den Sohn, vergalt ihm reichlich die überstandene Prüfung, durch die Fülle des Segens, der über ihn ausgeschüttet wurde. Auch uns ist oft der Rathschluß Gottes chnerforschlich, auch wir fassen oft des Herrn Willen nicht, ׳begreifen nicht, warum dieses oder jenes Opfer von uns verlangt wird — da möge Abraham unser Muster und Beispiel sein, und uns lehren, mit Besonnenheit, Muth, Vertrauen und Erzebung zu ertragen, was Gott uns auserlegt. Wie Abraham, setze auch du, dem Schmerzgefühle die Kraft des religiösen Sinnes entgegen, und deine Thränen stille durch den Glauben an Gottes Weisheit und Liebe. Wo du Gottes Rathschluß nicht verstehst, bleibe dennoch im festen Vertrauen, daß der himmlische Vater, der über den Sternen thront, nur dein Wohl begründen wolle, und daher besser weiß, was zu deinem Glücke diene, als du, der du im Staube lebst, und dessen Auge schwach und blöde ist. — Du stehest die Ereignisse wohl kommen, beweinest und betrauerst sie, aber du weißt weder Ursache, noch kannst du die Folgen ermessen; darum wird die Ergebung in den Willen Gottes deine Weisheit sein, und ruhiges Dulden dein Leiden mildern, bis du die Ursache klar erkennst, und die heilsamen Folgen dein Auge öffnen. — Bei solchem Gottvertrauen folgt Segen auf Prüfung, gleich wie Abraham von Gott gesegnet ward. Gott ist gnädig und barmherzig, und laßt dich nicht länger unter der Wetterwolke des Trübsals stehen, er sendet seine Engel dir zur Rettung, und wandelt deine Trauer in Freude um. Dein Auge, womit du weinend zu Gott emporgeblickt, wird erleuchtet, daß du schauest, was zu deinem Frieden *) Wgl. Bereschit rabba. dienet; die Hand, die du zitternd zum Himmel erhoben, wird gestärkt, daß du ergreifest, was zu deinem Glücke gereichet. Der allliebende Gott, der dich verwundet hat, heilet dich wieder, der dich geprüfet hat, tröstet dich wieder, auf daß du preisest seine Güte und sein Erbarmen. Amen. (8-k-ä.) Zur Geschichte -er Juden Ln Spanien. (Fortsetzung.) Nachdem diese Menschen die beiden Herrscher gegen die beunruhigende Verbreitung des jüdischen Aussatzes in Andalusien aufgebracht hatten, verlangten sie laut als einziges Mittel zur Heilung desselben, die Einführung des Heiligen Amtes. Hierin wurden sie von Nicolo Franco, dem damaligen päpstlichen Nuntius am castilianischen Hofe, kräftig unterstützt. Ferdinand lieh einem Plane wohlgefällig sein Ohr, der eine reiche Einnahmequelle erwarten ließ,' durch die damit m Verbindung stehenden Vermögenseinzie- Hungen. Doch nicht so leicht war es, Jsabella's Widerwillen gegen Maßregeln zu überwinden, die dem natürlichen Wohlwollen und dem Edelmuth ihres Charaiters wiedecstrebten. Ihre Bedenken waren indeß mehr auf Gefühl als auf Vernunft begründet, dessen Stimme in Glaubenssachen zu jener Zeit wenig berücksichtigt ward, wo der gefährliche Grundsatz ״der Zweck heiligt das Mittel", allgemein angenommen war, und wo unterrichtete Gottesgelehrte ernstlich darüber stritten, ob es erlaubt sei, mit den Ungläubigen Frieden zu schließen, ja selbst, ob ihnen gegebne Versprechungen, für Christen bindend feien. Die Politik der römischen Kirche zu jener Zeit, zeigte sich nicht nur in ihrer Verdrehung einiger der einleuchtendsten Moralgrundsätze, sondern auch in der Abmahnung von jeder freien Erforschung derselben, wegen deren man'sich ihrer Weisung gemäß, in Gewissenssachen unbedingt auf ihre geistlichen Rathgeber verlassen solle. Der in dieser Absicht klüglich eingeführte Richterstuhl der Beichte, warf, so wie er war, die ganze christliche Welt der Geistlichkeit zu Füßen, die, weit entfernt stets vom milden Geiste des Evangeliums beseelt zu sein, Voltaire's Vorwurf wahr machte, daß Beichtväter die Quelle der gewaltsamsten von Fürsten katholischen Gaubens getroffenen Maßregeln gewesen sind. Jsabella's ernster Sinn sowohl, wie ihre frühere Erziehung, machten sie religiösen Einflüssen von selbst zugänglich. Ungeachtet der Unabhängigkeit die sie in allen weltlichen Angelegenheieen zeigte, bekundete sie jedoch in geistlichen überall die größte Demuth, und pflichtete in Allem, was sie für höhere Einsicht oder Heiligkeit hielt, ihren geistlichen Rächen nur allzu unbedingt bei. Ein Beispiel von dieser Demuth verdient erzählt zu werden. Als Fray Fernando de Talar vera, spater Erzbischof von Granada, der zum Beichtvater der Königin ernannt worden war, in dieser Eigenschaft zum erstenmal« zu ihr kam, blieb er sitzen, nachdem sie schon nie