Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 44 (4.11.1843)
- Date
- 1843-11-04
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Kraft den Schmerz z« tragen, und uns leitet noch immer durch ein fremdes Land das Wort Gottes. Ernst ist noch immer der Ruf in's Leben. An uns Alle ergehet diefer Ruf, aber Wenige kennen, da sie ihn vernehmen, seinen Ernst und nicht Alle, die in's Leben eintreten, werden sich des Willens ihres Gottes bewußt. Wie das Kind, das durch ein Spiel hinweggelockt ward von der Eltern Haus. Noch eine Weile zwar ergötzt es seine Freiheit, den bunten Schmetterlingen nachzueilen, die frischen Blumen sich zum Strauß zu pflücken. Aber bald blickt es sinnend umher, sieht sich in fremden Raumen, fern von denen, die ihm sonst schützend nahe sind, und mit einem Male überfällt es all der Jammer seiner Lage und in einem Thränenstrom erliegt es dem Schmerz der Trennung, die es noch nicht gewöhnt ward, zu ertragen. Und also auch die, welche gedankenlos den ersten Schritt in's Leben thaten. Zwar die Lust der Freiheit ergötzt sie einen Augenblick, aber ihre Gefahren werden sie bald erschrecken. Noch zu schwach, um ihre Stütze in sich selbst zu finden, noch zu schwach für ihre Freiheit, beben sie zurück vor dem, was sie sich ersehnten, und die Verwirklichung ihres eigenen Wunsches füllt sie mit Grausen. Denn der Ruf in's Leben ist ein ernster Ruf, es ist ein fremdes Land und es ist schwer, sich in demselben heimisch zu finden. Darum wohl dem, der den Ernst des Lebens, wie Abra- Ham wohl erwogen hat, bevor er dem Rufe folgend, sich iym mit seiner Zukunft Preis giebt, auf daß er nicht bestürzt, überwältigt durch die Täuschungen die ibm geworden, im tödtenden Mißtrauen, die Menschen zu lieben verlerne, wenn er, wie bei Sodom, den Garten Gottes durch die Sünden der Menschen in ein flammendes Grab verwandelt sieht, auf daß er nicht, den süßen Frieden allein erwartend, unvorbreitet sei, wenn es den Kampf gilt, um die Seinigen, wie Abraham den Lot, zu schützen, und auf daß er nicht etwan nur Scherze suchend, verzage wenn eine Leidensstunde ihn heim gefunden. Denn noch immer herrschet der bittre Schmerz durchs Leben, Und Jahrtausende konnten seinen Thron nicht stürzen. Du rettest dich vor ihm nicht, wenn du ihn fliehest, aber du überwindest ihn, wenn Lu dich ihm unterwirfst, du erhebst dich über ihn, wenn du ihn auf deinen Schultern trägst. Denn der Schmerz ist dem Leben unentbehrlich, darum gab ihm Gott solche Gewalt, darum verhärtete der gütige Schöpfer unser Her; nicht gegen ihn, ja er gehört zum Leben, wie der Schatten in das Bild des Künstlers, oder wie die Nachte in die Reihenfolge der Tage, oder.auch wie das bittre Salz in den fröhlichen Tanz der Meercsfluthen. Denn ohne dies Salz würde die frische Fluth zum Sumpfe und ohne den aufregenden Wechsel des Schmerzes würde das Leben erschlaffen, die Sehnsucht nach einer höhern Welt in uns ersterben, der ewige, stille Friede unseres Geschickes alle unsere Kräfte lähmen und nimmer wahre volle Freudigkeit uns wiederkehren. " Darum können wir dem Schmerz nicht immer entfliehen, aber wir sollen uns gegen ihn waffnen und wie das schwankend Reis, ihm sanft nachgebend, ihn unschädlich machen, um uns mit unseres Geistes Federkraft, so bald der Sturm vorüberging, bald wieder empor zu heben. Und auf daß auch uns Solches möglich werde, so laßt uns, wie Abraham, durch das unbekannte Land unseres Lebens, geleitet von dem Worte Gottes, hingehen, denn den Glanz dieses leitenden Sterns verhüllen die Nebel des Lebens nimmer, und den süßen Klang seiner Tröstungen überrauschen nicht die stürmenden Wogen des Geschickes, und ein ewiger Sieg ist ihm verliehen gegen die bittern Pfeile des kurzen Lebensschmerzes. Ja, Allgütigetl ein fremdes Land ist dieses Leben, ein unwegsames, ohne die leitende Stimme deines Wortes. Wir können seine Schmerzen nicht begreifen, und seinen Freuden wagen wir nicht zu trauen, bis wir in deine Heiligthümer eingedrungen und der Ereigniffe Zusammenhang durchschauet. Nur dann erblühet uns selbst aus dem Leid die Lust, und aus der Trauer der heilge Seelenfriede. Amen. 8 — z. Zur Geschichte -er Juden Ln Spanien. (Fortsetzung.) Auf keine Weise ist die Lauigkeit seines Herrschers daran Schuld gewesen; da sie, von der Zeit des heiligen Ferdinand an, der eigenhändig Reisbündel zu dem brennenden Scheiter- Haufen trug, bis zu der von Johann II., dem Vater Jsabella's, der auf die unglücklichen Ketzer von Biscaya, wie auf wilde Thiere in den Bergen Jagd machte, von jeher einen lebendigen Eifer, für die Rechtgläubigkeit an den Tag gelegt haben. Um die Milte des fünfzehnten Jahrhundert's wurde die Ketzerei der Albigenser fast ganz durch die Inquisition von Aragonien vertilgt; so daß man dieses höllische Werkzeug aus Mangel an Feuerung hätte ungestört ruhen lasten können, als man neuen und reichhaltigen Stoff dazu in dem unglücklichen Geschlecht« Israels entdeckte, an dem die Sün-