Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 43 (28.10.1843)
- Date
- 1843-10-28
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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171 im kUnterhause in Antrag gebracht und mit wachsender Stimmenmehrheit beschlossen worden. Wer nun weiß, daß in England die Stimmung und Meinung des Volks durch das Unterhaus ausgesprochen wird ■— wem es nicht unbekannt ist, daß nur sehr wohlhabende Männer gewählt werden können, und daß daher bei der großen Zahl der Mitgliede-r kaum die ganze Judenschaft des Landes im Stande sein würde, diejenige Summe zusammenzubringen, welche zur Bestechung der Mehrheit, wenn diese aus sittlichen Gründen auch nicht unmöglich wäre, erforderlich sein würde — wer die Wichtigkeit kennt, welche die Engländer auf einen Sitz im Parlamente legen, und daher beurtheilen kann, mit welcher Sorgfalt jeder Deputirte Alles vermeidet, was seinen Wählern Anstoß geben und seine Wiedererwählung hindern könnte, — wer endlich den Einfluß der Hochkirche in Betrachtung zieht, die sich von jeher mehr durch ihren Reichthum und ihre Macht, als durch ihre Duldsamkeit ausgezeichnet hat, und welcher jeder Gedanke an den Eintritt eines Juden in's Parlament ihrer ganzen Natur nach ein Gräuel sein muß — der wird auch int״ Stande sein, das Zeugniß, welches den Juden durch diese Abstimmung im Unterhause ertheilt worden ist, nach seinem ganzen Gewicht zu würdigen. Es beweist mehr dafür, daß im mosaischen Glauben nichts dem christlichen Staate Gefährliches enthalten sei, als es dagegen beweisen würde, wenn die ganze Deputirten-Kammer in Paris einstimmig auf die Wiederaufhehung der Emancipation antrüge. Au Staatsämtern waren die Juden früher in England ebenfalls nur deshalb unfähig, weil sie den vorgeschriebenen Beamten-Eid auf den wahren Glauben eines Christen — upon the true faith of a Christian — nicht zu leisten vermochten. Wenn sich nun die englische Gesetzgebung im Jahre 1835 bewogen gefunden hat, in Beziehung auf die wichtigen Aemter der Sherifs die Eidesformel zu Gunsten der Juden zu ändern, und seitdem wirklich einige darin angestellt worden sind, so wird man auch hierin jenes Zeugniß bestätigt finden." Hoffentlich wird Niemand den Engländern den ausgezeichnetsten praktischen Takt in allen Angelegenheiten der Politik, des Gewerbes und des gesellschaftlichen Lebens bestreiten — einen Takt, welcher der ganzen Nation eigen ist, durch welchen sie so ungeheure Erfolge erreicht, durch welchen sie ihre bewunderungswürdige Verfassung begründet, und nach den gefährlichsten Schwankungen bis jetzt das Gleichgewicht immer in großartigster Haltung wieder zu finden gewußt hat. Wenn eine solche Nation nach den reichsten tausendjährigen Erfahrungen durch die That anerkennt, daß in der mosaischen Religion nichts sei, was ihre Bekenner zur Ausübung des vollen Staatsbürgerrechts unfähig mache, und daß es das Beste sei, sie mit den andern ruhig, ihres Weges gehen zu lassen, dann sollten am wenigsten diejenigen, welche nichts von der wissenschaftlichen Beweisführung hören, sondern sich nur durch den Erfolg überzeugen lassen wollen, noch auf ihren, nur auf Voraussetzungen beruhenden Behauptungen stehen bleiben." Wir glauben, daß das Mitgetheilte hinreichend sein wird, nun jeden Israeliten, der die geringe Summe, welche di« von den Verlegern würdig ausgestattete Schrift kostet, zur Verfügung hat, zu ihrem Ankäufe zu veranlassen. Durch eine Verbreitung derselben in tausenden von Exemplaren auch unter christlichen Freunden der Wahrheit würden die Israeliten ihrerseits die Erfolge dieser Schrift sichern und zur Aufklärung vieler irriger Ansichten, wie wir sie häufig auch unter edlern Christen antreffen, wesentlich beitragen. 8 — z. Zur Geschichte der Juden Ln Spanien. Vor ungefähr einigen Monaten wurde das Werk ausgegeben: ״Geschichte der Regierung Ferdinand's und Jsabella's der Katholischen von Spanien. Von William H. Prescott (Lpz. 1842. 8. F. A Brokhaus, in zwei sehr starken Bänden. Preis 6 Thaler.") und zwar als die erste Uebersehung des englischen Werkes : ״History of the Reign of Ferdinand and Isabella the Catholic of Spain,“ welches im Verlaufe weniger Jahre in Amerika und England fünf Auflagen erlebt. Schon eine flüchtige Durchsicht des In- Halts, der in beiden Bänden 32 enggedruckte Seiten einnimmt, der genaue Rechenschaftsbericht des englischen Verfassers über die benutzten seltensten Archive und Handschriften, so wie der fast eben so seltenen als mannigfachen gedruckten Werke, was die reichlichen und höchst werthvollen Noten unter dem Texte auch vollständig bestätigen: die Befonnenheit, Klarheit und Würde, die durch das ganze historische Werk, woran der Verf. zehn Jahre gearbeitet, sich zieht, zeigen uns, daß wir ein historisches Werk seltener Art vor uns haben, und ein tieferes Eingehen in dasselbe zeigt es uns, als das beste hiftorische Werk, was wir über jenen höchst' merkwürdigen Zeitpunkt besitzen, in welchem das maurische und kastilische Ritterthum blühete und die heilige Hermandad waltete, wo die Inquisition ihre höchsten Triumpfe feierte und die vielen Orden entstanden: das maurische Königreich Granada blühete, kämpfte und fiel und Spaniens Königreiche zu einem einzigen zusammenschmolzen, Kolumbus eine neue Welt entdeckte, und die Vertreibung der Juden und Mauern welthistorisch wurde. Dieses treffliche Werk, das eine Zeitepoche umfaßt, welche die wichtigste der Geschichte ist, und dieser Reichthum des historischen Stoffes, der mit ungemeinem Fleiße, Ausdauer und Geschick behandelt ist, enthält auch eine Skizze über die Juden in Spanien zu jener Zeit, über die Juden, die durch ihren ungemeinen Einfluß und ihr Eingreifen in die Geschichte jener Zeit, von keinem wahren und unpartheiischen Historiker übergangen werden sollten. Diese Skizze ist nur nach christlichen Quellen vom gelehrten Verf. entworfen, und zwar von judenfeindlichrn und durch