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Sabbath-Blatt · 1843-10-28 · 43 (28.10.1843) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
43 (28.10.1843)
Date
1843-10-28
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 LU spät geschwunden? Hat der Mond je aufgehört zu leuchten, standen die Planeten je stille in ihrem Laufe, hat je das Feuer seinen Dienst versagt und das Wasser seine Kraft verleugnet? Will der Baum nicht mehr seine Früchte und die Erde nicht mehr geben ihren Ertrag? Wie der Herr gesprochen, so bleibet es für und für: ״So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht!" Gott erhält die Welt aus Liebe zu seinen Geschöpfen. Das große Erdenhaus stürzt nicht ein, so lange der Mensch darin wohnen soll in Frieden. Und damit wir ein Zeichen haben, daß Gott mit der Erde einen Bund geschlossen, leuchtet der Bogen des Friedens am Firmament, und erfüllet uns mit Ruhe und Zuversicht. Und ob auch die Elemente toben, die Wasser ihre Stimme erheben, die Berge Flammen erzeugen, wir vertrauen dennoch unsrem allgütigen Vater, welcher also gesprochen: ״So wie ich geschworen in den Tagen Noah's: nie wird eine Fluth die Erde wieder überströmen, so schwöre ich jetzt, dir nie wieder zu zürnen. Es mögen Berge weichen und Hügel wanken, meine Gnade soll von dir nie weichen, und der Bund meines Friedens nie und nimmer mehr aufhören." So schöpfen wir aus den ewigen Gesetzen der Natur zugleich für uns diejenige Beruhigung, deren wir bedürfen in unserm Pilgerleben. Denn ärmlicher ausgcstattet wie das Thier, welchesdoch den Trieb erhalten, sich Nahrung zu suchen, und seine Kleidung mit sich führt, noch ärmlicher als die Pflanze, die ihre Nahrung aus der Erde saugt, kommt der Mensch in dieses Leben. Doch der Schöpfer, der uns diesem Erdenthale überwiesen hat, verlaßt uns nicht. So groß anch der Bedarf des Menschen ist, so oft auch Millionen Wesen gesättigt werden wollen, die Nahrung bleibt nicht aus, in jedem Frühlings nimmt die Erde das Saatkorn auf, in jedem Herbste schüttet sie das Füllhorn des Segens aus. Und wenn uns auch bange wird um Nahrung und Kleidung, wenn auch zu Zeiten das Brot kleiner und der Bedarf größer wird, und wenn die Sorge auch schwer auf unserm Herzen lastet, wenn die Kinder Brot verlangen und keines in der Hütte ist, wir verzweifeln und verzagen dennoch nicht, denn der Allmächtige, dem die Welten nicht zu groß sind, sie zu erhalten in Liebe, dem können auch seine Kinder nicht zu gering sein, sich ihrer anzunehmen nach seiner ewigen Erbarmung. Amen. (S-f-d. Die Enrancipationsfrage. (Schluß.) 7) Erschwerung der jüdischen Niederlassungen und Ehen. 8) Verweisung der Juden in besondere Juden-Quartiere. In den alten preußischen Provinzen, sagt der Verfasser Seite 78, sind diese, so wie manche kleinere drückende Besiimmungen, durch das Gesetz vom 11. Marz 1812 abgeschafft, ohne daß den Christen irgend ein Nachtheil dadurch zugefügr worden wäre. Nur Eins bleibt hier Pen Juden noch zu wünschen übrig, nämlich 9) die Aufhebung der Ausschließung vom Staatsdienste und der ständischen Repräsentation. ״Was aber die Gesinnung und Bildung der preußischen Juden im Allgemeinen anlangt, so sind diejenigen, die den Zustand derselben vor dem Edicte gekannt haben und den jetzigen mit unbefangenen Augen betrachten, darüber einig, daß derselbe mit dem vorigen nicht zu vergleichen sei. Schon ein Jahr nach Erlassung des Gesetzes, in dem großen Jahre 1813, haben viele Juden bewiesen, daß sie fähig sind, M echte Kinder des Landes sich zu fühlen und zu handeln, wenn die Christen ihnen gestatten, ihre Heimarh auch als ihr Vaterland zu erkennen, im höchsten Sinne des Worts, nach welchem väterliches und kindliches Gefühl sich gegenseitig bedingt. Viele Vater haben ihre Söhne freiwillig zum Kriege gerüstet — viele derselben haben den rühmlichen Tod vor dem Feinde gefunden, andere leiden noch jetzt an den Folgen der damals empfangenen ehrenvollen Wunden und tragen auf ihrer Brust den Schmuck des eifernen Kreuzes. In dem ganzen innern Wesen der Juden ist ein Aufschwung eingetreten, welcher diejenigen, die nach äußern Verhältnissen und innerer Befähigung^« einer höhern Bildung zu gelangen bestimmt sind, als vollkommen ebenbürtig mit den gleichbefähigten Christen zeigt. Schon jetzt wird es Jedem, welcher sich bemüht, redlich zu suchen, leicht werden, dergleichen Männer zu sinden. Und in jedem Jahre wird die Zahl derselben in steigendem Fortschritte wachsen und die Einwirkung derselben auch auf den jüdischen Pöbel, welcher, wie der christliche, eben ein Pöbel ist, nicht ausbleiben." Auch die Erfolge, welche die bessere Stellung der Jsraeliten in andern Staaten hatte, sprechen nach dem Verfassec deutlich für die Zulässigkeit und das Recht einer vollkommenen Emancipation. Uebec das was namentlich in England geschehen, lesen wir Seite 101 ff: ״In England genießen die Juden alle staatsbürgerlichen Rechte mit Ausnahme der Wählbarkeit zu Stellen der Deputirten im Ilnterhause. Diese ist ihnen nicht durch ein Gesetz abgesprochen, sondern geht ihnen nur deshalb ab, weil sie den vorgeschriebenen Eid, der sich auf den christlichen Glauben bezieht, nicht zu leisten vermögen. Selbst Katholiken waren nach der frühern Fassung desselben ausgeschlossen, und sind erst neuerlich nach der Emäncipation zugelassen werden. Dessenungeachtet ist auch die Verleihung dieses den Juden allein noch mangelnden Rechts neuerlich

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