Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 41 (16.10.1843)
- Date
- 1843-10-16
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Wenn wir die Gebirge der Erde betrachten, die sich bis zu neunzehn tausend Fußen über die Fläche des Meeres erheben, so erscheint es uns wie eine Unmöchlichkeit, daß die Gewässer der Erde je mit diesen Gipfeln in gleicher Höhe gestanden haben sollen, und doch sagen uns die Beobachtungen der Naturforscher, daß dem also sei. Auch die zerrissenen Zacken der hohen Gebirgskämme tragen alle Spuren an sich, daß sie ihre Gestaltung und Schichtung im Wasser gewonnen haben, von demselben einst überströmt waren*) Die Ansicht des Psalms also, daß sich ״Tiefen gesenkt", d. i. die lockeren oder hohlen Theile der Erdrinde eingesunken wären, wodurch tiefe Thäler für den Zusammenfluß der Meere und die wasserfreien Höhen der Berge entstanden, entspricht ganz dem, was die Natur uns selbst über ihre erste Geschichte sagt. Sammtliche Gewässer mußten durch ihre Schwere, oder durch ihre reißenden Strömungen sich allmählig tiefer in den Boden eingraben, bis sie auf durchaus festen Grund kamen, der sich nicht weiter abspülen ließ, und so, von dem sich immer tiefer senkenden Wasser, immer mehr des trockenen Landes zum Vorscheine kommen. In der Thal wohnten auch die ersten Menschen nach der Erzählung der Schrift auf einem hochgelegenen Theile der Erde; denn dort waren die Quellen von vier Hauptströmen, welche bekanntlich immer in hohen Gegenden entspringen. Möglich, daß ein großer Theil der übrigen, noch unbewohnten Erde damals noch unter Wasser stand. ' Auch deuten sehr merkwürdige Erscheinungen darauf hin, daß die an jene höchsten Berggipfel zunächst sich anschließenden niedrigern Gebirgsmassen lange Zeit, und zwar, nachdem schon Lebendes geschaffen war, unter Wasser standen. Denn diese zweite Gebirgsart, die sogenannten Flötzgebirge, enthalten in sich in allen Gegenden der Erde eine Menge Ueberreste von ehemals lebenden Geschöpfen des Meeres, als ganze Bänke von Muscheln, Seethieren, rheils von solchen, die noch existiren, theils von andern, die nicht mehr gefunden werden und also gänzlich untergegangen sind. Das Vlwkommen von Seeproduklen auf so hohen Gebirgen, die jetzt Tausende von Fußen hoch und weit vom Meere entfernt sind, zeigt deutlich und anerkannt unwidersprechlich, daß das Meer sich wirklich einmal so weit erhoben habe, ehe es sich allmählig in seine Tiefen senkte. Und zwar muß dieser Zustand lange gedauert haben, da es Zeit erforderte, bis eine solche ungeheuere Masse von Muscheln sich ablagerte, eine solche unglaubliche Menge von Seeerzeugnissen, bis zu solcher Nähe, in allen Gegenden der Welt sich anhäufte und diese Schichten bilden half. Dies ist aber eine wesentliche Verschiedenheit dieser zweiten Gebirgsart, der Zlötzgebirge, von der zuerst genannten, nämlich den Urgebirgen. Es sind dies die zugleich am höchsten emporsteigenden und zugleich am tiefsten in das Innere der Erde eindringenden Gebirgsmassen, die in ihrem harten, meist aus Granit bestehenden Material, das eigentliche feste, zusammenhaltende Gerippe der Erde bilden. Diese Urgebirge aber enthalten durchaus keine erkennbaren Ueber: reste von lebenden Geschöpfen oder Pflanzen. Das Wasser das sie bedeckte, war also noch nicht belebt und wir erkennen hier offenbar zwei verschiedene Perioden der Schöpfung, einen zweiten verschiedenen Aurücktritt des Wassers. Der erste, den der Psalmist und das erste Kapitel Mosis uns beschreibt, und der vor der Schöpfung lebendiger Wesen vorherging, hat die himmelhohen Urgebirge, als seine ewigen Zeugen, die in ihren zackigen, zerrissenen, von plötzlichen Umstürzen zeugenden Gestaltungen uns die gewaltige Arbeit jener wild fluchenden Gewässer des Tohu wabohu vergegenwärtigen, die ״vor dem Schelten des Ewigen flohen" und, nachdem sich in ihnen Leben zu regen begann, nie wieder bis zu jenen höchsten Gipfeln emporstiegen, um die Spuren dieses Lebens dorthin mit sich zu führen. Die zweite Periode bezeichnet eine ruhigere und stetige Wirksamkeit der Wasser, die noch immer auf einer sehr bedeutenden Höhe standen, ab- und zufließend ihre Erzeug- Nisse in den Flötzgebirgen ablagerten und nach und nach sich weiter zurückzogen und mehr bewohnbares Land trocken legten. Diese Periode liegt etwa zwischen der Schöpfung lebendiger Wesen und der Sündfluth. Man findet unter demjenigen, was sie uns hinterlassen ha?, nicht die Spuren großer Landl-Hiere, noch weniger die von Menschen, was zum Theil andeutet, daß bis dahin über den bei weitem großten Theil der Erdoberfläche das Wasser allein, mit seinen Geschöpfen hinfloß und herrschte, theils aber auch, daß in jener Periode das Meer noch nicht das bereits mit großen Thieren bevölkerte Land, in einem plötzlichen Einbruch überschwemmt hatte, daß noch nicht jenes Ereigniß eingetreten war, welches die Schrift als Sündfluth bezeichnet, da alles Lebende des Landes vertilget, in den Fluchen begraben und von ihnen weggeführt wurde. Auch von dieser Periode sind uns deutliche und überraschende Spuren unter den Denkmalen der Erde aufbewahrt worden, wie aus der nächstfolgenden Schilderung hervorgehen wird. *) Cuvie r's Ansichten von der Urwelt.