Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 41 (16.10.1843)
- Date
- 1843-10-16
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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164 Die neuesten Moloch - Schriften. (Von 8—r.) Oie, wie man glaubte, schon verschollenen Lügen aus Damascus haben nicht verfehlt, die wissenschaftliche Betriebsamkeit auf diesen Punkt zu leiten. Es gab Gelegenheit, dicke Bücher zu schreiben, ein ganzes Pack vermeintlicher Gehrsamkeit an den Mann zu bringen, mit Benutzung des Reizes, den blutige Dinge stets für eine große Anzahl von Menschen hatten, so daß selbst der Ungläubigste, in diesem Bereiche, oft das Unglaubliche zu glauben bereit ist. Kurz, man bemühete sich zu beweisen, daß die in dem alt. Test, offenbarte und gebotene Religion der Hebräer, so recht eigentlich Molochsunkl Mord-Religion sei! — Die Propheten richten ihre zornvollen Reden gegen den Götzendienst, der sich oft auch in einem Theile von Israel einschlich; auch die geschichtlichen Bücher beklagen es, daß selbst der Baals - und blutige Molochs-Dienst, mit seinen Kinderopfern, namentlich von verblendeten Fürsten eingefühct, nicht immer ganz fern blieb. Die Sache ist ganz einfach; die ganze damalige Welt, die mächtigsten und weisesten Völker waren dem Götzendienste ergeben, sie betrachteten und schilderten den als einen Ungläubigen, ja als einen Wahnwitzigen, der das Dasein der Götter bezweifelte, der Götzendienst, der uns jetzt als Verrücktheit erscheinen müßte, galt damals allen Menschen der Erde, mit Ausnahme einer kleinen Schaar, als unumstößlichste Religion, als wahrste Philosophie, er wurde von den Priestern mit aller List, von den Weisen mit allen Mitteln damaliger Weisheit empfohlen: ist es nun ein Wunder,daß die Gewalt eines solchen Beispieles auch auf Israeliten wirkte? Schwache und doch zugleich tyrannische, schlecht erzogene Fürsten, von der Mode - Ansicht der damaligen Zeit, von den glänzenden Freuden des Götzendienstes, von den sinnlichen Genüssen, die er darbot, von der abergläubischen Angst, die er einflößte, irre geleitet, führten ihn, mit allen Mitteln ihrer Macht, in Jsrael ein: wie sollte ihr Beispiel die von ihnen erhobenen Höflinge nicht verlocken und andere nicht wiederum diesen folgen? (Schluß folgt.) Lese-Zimmer. 34. Das verklärte Bild der Freiheit. Ein Kanzelvortrag am Passahfeste des Jahres 5603. (am 16. April 1843) von Dr. Gotthold Salomon. Hamburg, 1843. Moritz Geher's Verlag. An Jesaja 52, 9 —12, knüpft der berühmte Verfass ser die Gedanken des Passah, des Fceiheitssestes, die gegenwattigen Wünsche und Hoffnungen Israels, und er spricht im letzten Theile seiner Betrachtungen: ״Denn alle die Edlen, die die Freiheit so aufgefaßt, m. Br., wie ich sie euch dargestellt; alle, die von hohen Gedanken und Gesinnungen beseelt, die Aussicht nach oben sich immer offen gehalten; alle, die auch an d.mVerzug der göttlichen Verheißüng keinen Anstoß genommen, fanden auch diesen von Gott eingeschlagenen Weg zu ihrer sittlich - religiösen Vervollkommnung angewender; die werden auch nicht irre, so sie von dannen scheiden müssen, bevor der heitere Morgen der Erlösung sie beseeligt; die sagen mit Vater Jacob: Wir starben, ihr geliebten Kinder un.d Brüder, die ihr uns überlebet; aber Gott wird euer gedenken und euchin das gelobteund geliebte Land der Freiheit bringen, in das wir nur hinein schauen können. Leben und streben ja die Bessern in Israel nie für sich allein, liegen ihnen ja die Nachkommen stets am Herzen!" ״Und weil sie für diese Nach kommen gesorgt und an deren Erlösung gearbeitet haben: darum erhebt sich ihre Seele noch im Scheiden an dem verklärten Bilde der Freiheit, die dem kommenden Geschlechte werden wird. Weit entfernt, sich darüber zu betrüben, daß sie selbst die Früchte nicht genießen von den Bäumen, die sie gewartet; daß sie selbst die Ernten nicht sehen, zu denen sie die Saaten ausgestreut, erhebt sich ihre Seele bei dem Gedanken, daß sie ja bei ihren Bestrebungen nicht ihr eigenes Ich, sondern ihr ganzes Geschlecht im Auge gehabt haben; daß für den einen Theil desselben der Morgen kommen müsse, da ja die Dämmerung schon längst angebrochen; daß für den andern Theil der Mittag nicht ausbleiben könne, da ja der Morgen schon längst zu leuchten begonnen, und nicht nur erleichtert — versü ßt wird Ihnen der Abschied bei der Aussicht: ״Was wir nicht erlebten, wird euch zu Theil, ihr Geliebten! was uns g׳-- quält, wird euch nicht treffen; was uns engte und fesselte, bleibt von euch entfernt; die Opfer, die wir bringen mußten, wird die Zeit von euch nicht fordern. — Vorurthe-le schwinden — beschämt sieht sich der Aberglaube — der Haß verstummt — Verfolgung kennt man nicht; die Wahrheit siegt; die Vernunft schreibt das Gesetz; das Band der Liebe umschlingt die Menschheit, das Jubeljahr der Freiheit beginnt und endigt!immer! ' — ״Wohl allen, m. B, die so gelebt und gewirkt, daß sie sich im Angesicht des Todes das Aeugniß geb«u können, sie haben an der Verwirklichung dieser schönen FMzeit mitgearbeilet! die hören es dann ruhig mit an, w.nn der Herr zu ihnen wie einst zu dem Hohen Priester sagt: In ihrem Lande erhalst Du zwar kein Erbe und Thul - aber ich, ich bin dein Theil und Erbe. — Denn Gott geht vor dir her undderGott Israels beschließt deinen Weg. Eine Freiheit, wie sie die Erde tm, und nimmer geben kann, Harrer dein. Hinweg, hinweg aus der Finsterniß zum Lichte, aus der Trauer zur Wonne, aus der Knechtsch aft zur ewigen Freiheit!" Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.