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Sabbath-Blatt · 1843-10-04 · 39 (4.10.1843) · p. Seite 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
39 (4.10.1843)
Date
1843-10-04
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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r 155 Ihr entbehret, ihr traget so viel für euern Glauben und euern Gott, und er wird euch auch dies anrechnen in erbarmungsvoller Gerechtigkeit. Warum wolltet ihr es ihm aber nicht sagen, daß ihr ihm dienet, und zu solchem Dienst seinen Segen und seinen Beistand suchen? Wenn es ein Gottesdienst in Wahrheit sein soll, ihr Väter und Mütter in Israel! dem ihr dienet, wenn ihr eure Kinder auch zu solchem Dienste, zu einem Gottesdienste in Wahrheit und mit laucerm Herzen einführen wollet, so müsset ihr sie öfter zu eurem Gotte führen, so müsset ihr sie von frühester Kindheit an gewöhnen, in ihm ihren göttlichen Freund, ihren liebevollen Vater, aber auch den strengen und heiligen Richter aller ihrer Handlungen und Gedanken zu erkennen. Welche andere Bürgschaft habet ihr, sie gut und glücklich zu machen? Irren wir uns nicht, indem wir glauben, daß man gut sein könne, ohne die Religion im Herzen zu tragen, laßt uns nicht die Erscheinung täuschen, daß eS viele Menschen giebt, die ohne viel um bestimmte Satzungen der Religion sich zu kümmern, dennoch recht und gut handeln. Das ist der göttliche Sieg der Religion, daß gewisse Grundsätze des Rechten und Guten ein Gemeingut der Völker geworden sind. Wir sehen am wolkigen Tage die Sonne nicht, und dennoch ist sie es, die uns leuchtet und uns wärmt. Wir sehen die Quelle nicht, aus der der Strom hervorbricht, und dennoch ist sie es, welche die Welle hinsendet, die die Flur feuchtet, den Baum tränket, und Millionen, die an den Ufern wohnen, nähret. Und so entgehet es uns auch, daß das Wort Gottes, das Moses am Sinai empfangen, daß es die Quelle ist, von jenem bestem Sinne, von jener höhern Sittlichkeit, von!euer allgemeinen Gesetzlichkeit, die jetzt unter den Völkern eingeführet, und der sich keine Macht entziehen kann, ohne sich als die Ausnahme von dem zur Regel gewordenen Guten darzustellen. Und dennoch genügt dies nicht für den Einzelnen. Es ist nicht genug gut zu sein, in Mitten Anderer, getragen von der allgemeinen Ansicht, die sich einmal für das Gute ausgesprochen hat. Nehmet einen solchen heraus aus feiner Umgebung, stellet ihn in irgend eine Einsamkeit des Lebens, ׳ wo er ohne Scheu und unbemerkt sündigen kann, wie fest wird noch seine Tugend, wie sicher seine Gerechtigkeit fein? Nein, wir müssen in uns selbst die Stütze, die Bürgschaft des Guten tragen, und für uns allein stehen, um nicht nur mit der Umgebung, sondern selbst trotz der Umgebung gut zu sein, und dazu ist nölhig, daß der Keim des Guten, den wir allerdings in der göttlichen Seele tragen, befruchtet, genährt werde von dem Wort Gottes, wie es auch heißet: אהיה כטל לישראל יפרח כשושנה ״Ich werde Israel wie der befeuchtende Thau sein, dann wird es aufwachsen wie die Lilie", welche das Bild der Unschuld ist. Wenn der Keim der Tugend, den ein Jeder in seinem Herzen trägt, die Blüthe der Unschuld genährt wird, von dem Thau des göttlichen Wortes, dann allein kann die Lilie eines reinen, unschuldsvollen Lebens sich in ihm sicher und makellos, unbefleckt von der Sünde, entfalten. Wollt ihr also eure Kinder gut in Wahrheit, und wollet ihr dazu sie mit euch leiten zu einem Gottesdienste in Wahrheit, so wartet nicht, bis euch der Ton des Schofar zum Hause des Herrn rufe, sondern es werde euch und euren Kindern zur heilsamen, erhebenden Gewohnheit des Lebens, Feste Gottes zu feiern, Feste Gottes im Hause des Herrn. Ihr Führer und Aeltesten Israels! was ihr gethan habet, um euren Gemeinden einen würdigen Gottesdienst wiederzugeben, was ihr solchergestallt gewirkt habt im Dienste des Herrn, Gott wird es euch gedenken und euch anrechnen am Tage des Gerichts. Aber wollet ihr nicht dazu beitragen, daß euren Gemeinden der Gottesdienst, den ihr überwachet und geschmückt habet, daß er ihnen ein Gottesdienst in Wahrheit werde? Ihr selbst ■— ihr habt die Quelle des Segens eröffnet — wollet ihr nicht für euch und die Eurigen aus derselben schöpfen? Wollet ihr nur für Andergegründet haben, was ihr gründetet? Sollen sich nur Andere an dem erbauen, was ihr bauetet? Nein, gebet euch selbst hin einem Gottesdienste in Wahrheit. Gehet denen, die euch erwählet, die euch ehren und gerne folgen würden, gehet ihnen voran mit eurem edlen Beispiele, seid ihnen Führer zum Hause des Herrn. Ihr habet ein heiliges Amt übernommen vor eurem Gotte, in welchem göttlichen Sinne könnet ihr die!פרנסי, die מנהיגי הקהלה, die geistigen Ernährer und Führer der Gemeinde werden! Au einem Gottesdienste in Wahrheit sind sie ringegangen, deren Namen wir heute nennen, deren wir mit Thränen und einmal unfern Blick zu einer überirdischen Welt emporrichtend, heute vor Gott gedenken. Ein Gottesdienst in Wahrheit ist das ewige Ziel des Lebens! Welch' heiligeres Bild giebt es von den Seligkeiten jener höhern Welt, als wenn wir uns die Schaaren der Engel und seligen Geister denken, wie sie in heiligen Gesängen Gott preisen und, entzückt von seiner Herrlichkeit, ihn anbeten! Und wer von uns hätte nicht eine geliebte Seele dorthin vorangesandt! Wer von uns stand nicht schon einmal, eine Stunde wenigstens theilnahmlos für alle Lust der Welt,

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