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Sabbath-Blatt · 1843-10-04 · 39 (4.10.1843) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
39 (4.10.1843)
Date
1843-10-04
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 wer stand nicht an einem frischen Grabe, an welchem ein ruhig gewordenes Herz, still hinabsinkend, uns die Zeitlichkeit im Spiegel der Vergänglichkeit schauen, die Vergänglichkeit an dem Maaße der Ewigkeit messen lehrte! Sprach sie nicht, die scheidende Seele, die alle ihre Schmerzen ausgeduldet, alle ihre Leiden ausgelitten, von all' ihrer Lebenslust sich abgewendet hatte, sprach sie nicht, ein Engel des Todes, d. i. des seligen Lebens, zwar unsichtbar und lautlos und doch so hörbar und vernehmlich durch alle die Seufzer und Klagen, die das letzte tiefe dunkele Lager umgeben, sprach sie nicht, die Seele, die Geweihete der Verklärung: mit euren Thränen, wie mit eurer Lust dienet ihr der Zeitlichkeit, es ist der Staub, der weinet und beweint wird, erhebet euch zu Gott, zu dessen wahrem, freudigen Dienst die frei gewordene Seele eingehet, erhebet euch zu ihm in heiligem Glauben, dienet ihm in Duldung und Ergebung, und den Einen anbetend werdet ihr die Trennung minder bitter fühlen, den Einen Anbetend, zum Gottesdienste des Einen hier in Zeitlichkeit und dort in Ewigkeit uns verbindend, werden wir über die Räume der Welten hin einander angehören, und in jeder ahnungsvollen Friedensstunde solch heiliger Erhebung wird Seele mit Seele sich vereinigt fühlen. Ja, ein Gottesdienst in Wahrheir leuchtet uns entgegen von den seligen Höhen des Lebens, an der Spitze der Himmelsleiter, die zu Gott, zur Ewigkeit führet, und Engel des Friedens gingen uns dahin voran, sie steigen empor und steigen in der Erinnerung wieder zu uns nieder, um uns zu mahnen an jenen Gottesdienst, der aber nur mit lauterm Herzen wahrhaft selig gefeiert werden kann. So lasset den Tag der Sühne nicht vergebens an uns vorübergehen, lasset uns ablegen unfern Menschenstolz, unsere Menschenscheu, die in mannigfacher Weise unser Herz beherrschen, lasset uns vor Gott nicht blos Gebete sprechen, lasset uns beten, lasset uns in der heiligen, nicht sobald wiederkehrenden Stunde einen Bund schließen אגרה אחת לעשות רצונו בלבב שלם, einen Bund der Eine mit dem Andern, einen Bund Jeder mit seinem eigenen Herzen, daß wir ungetheilten Herzens Gottes Willen thun und ihm dienen, ja lasset uns gelautert, entsühnt, mit geweihetem, verklärtem, Gott für immer und in Wahrheit angehörenden, Herzen uns erheben zu einem Gottesdienst in Wahrheit. Amen. S—z. Lese-Zimmer. 33. Die früheren und gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in den sämmtlichen Landestheilen des Preußischen Staates; eine Darstellung und Revision der gesetzlichen Bestimmungen über ihre staats- und privatrechtlichen Austände. Mit Benutzung der Archive der Ministerien des Innern und der Justiz. Von Ludewig von Rönne, Kammer - Gerichts - Rathe und Heinrich Simon, Ober-Landesgerichts-Assessor. Breslau, 1843. 8. Georg Philipp Aderholz. Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß Männer vom Fach, die als Beamte selbst an der Verwaltung Theil nehmen, die Gebrechen der in Hinsicht der Juden geltenden Gesetze vollständig und aus dem eigentlich rechtlichen Gesichtspunkte darzulegen sich bemühen, wie solches in dieser vollständigen, mit erläuternden und würdigenden Bemerkungen und Notizen versehenen Darstellung des betreffenden Theiles der Landesgesetze der Fall ist. Wir theilen hier Einiges aus der Vorrede mit: ״Die Zeit liegt nicht gar fern, als in Deutschland Thom asius mit angestaunler Kühnheit zu beweisen wagte, daß es keine Hexen gebe, daß man Tausende den Flammen mit Unrecht geopfert; daß in Deutschland die Kinder der Zöllner, Schäfer, Müller und Wundärzte als unehrlicher Abkunft der Ausnahme in Zünfte für unfähig galten — und doch steht heute selbst der Ungebildeste über derartigen Wahngebilden." ״Noch aber erkennt erst der Durchgebildete das auf gleicher Stufe stehende Vorurtheil, welches den Juden wegen seiner abweichenden Religionsan sicht als einen Fremden und deshalb minder Berechtigten dem Eingebornen gegenüberstellt, den Juden dem Deutschen. Als ob von einem so eben aus Palästina Einwandernden und Aufnähme Begehrenden die Rede sei und nicht von alten, seit Jahrhunderten im Staate lebenden, Eingebornen, die nur seit Jahrhunderten als die europäischen Paria's herabgewürdigt, denen nur seit Jahrhunderten ,gesetzlich alle Mittel für ihre geistige und sittliche Ausbildung abgeschnitten wurden." ״Ein Stamm, aus dem der Erlöser, die Madonna, die Apostel hecvorgegangen, der nach tausendjähriger Verfolgung dem Glauben und den Sitten seiner Väter treu geblieben, nach tausendjährigem Drucke noch hervorragende Größen für Wissenschaft und Kunst erzeugt, muß jedem anderen ebenbürtig sein." ״Dessenungeachtet ist dem christlichen Staate durch fünfzehnhundert Jahre das einfache biblische Wort in seiner Anwendung auf die Juden unbekannt geblieben: ״Gott siehet die Person nicht an, sondern in allerlei Volke, wer ihn fürchtet und recht Lhut, der ist ihm angenehm." (Schluß folgt.) Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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