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Sabbath-Blatt · 1843-10-04 · 39 (4.10.1843) · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
39 (4.10.1843)
Date
1843-10-04
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 und dem Schuldner seine Schuld erlassen sei, sie entläßt euch wiederum aus diesen Raumen, und sagt dem Knechte der Sünde, und dem Schuldigen vor Gott, daß er in den Gaben der Reue seine Schuld gebüßt und gezahlet. Ja, an diesem Tage höret der Dienst der Welt auf, der Götzendienst der Eitelkeit und Leidenschaft, es sind die Tage des Herrn, die Tage des Gottesdienstes, und wir sprechen zu Gott: ״ וטהר לבנן לעבדך באמתLäutere unser Herz, dir in Wahrheit zu dienen." Wir flehen Gott selbst an, uns zu leiten und zu erleuchten, daß unser Gottesdienst der rechte sein möge, ein Gottesdienst in Wahrheit und mit laute rm Herzen. So lasset uns, an dem hohen Tage der Sühne, entsagen vor Gott jeder Täuschung, der wir uns so gern hingeben, lasset uns entsagen jeder falschen Beschönigung unseres Wandels, und uns fragen, ob, wie wir thun, wirklich heiße Gott dienen in Wahrheit und mit lauterm Herzen, und was dazu gehört, um uns zu solchen Dienern Gottes zu erklären. Was ist Gottesdienst? Daß man Gott dieselbe Gesi'nnung zeige, dieselbe Treue und Anhänglichkeit, denselben Gehorsam, dieselbe Hingebung, wie der gute Diener seinem Herrn, daß wir uns von ihm in jeder Beziehung unseres Lebens abhängig fühlen, unser Glück von seiner Macht, unfern Trost von seiner Liebe allein erwarten, und daß wir dies Gefühl vor ihm bezeugen, das ist Gottesdienst in dem weitesten Umfange seiner Bedeutung. Und um so mehr sind wir zur Bezeugung solcher Dienstbarkeit verpflichtet, da der Dienst Gottes so ganz anders ist, als der Dienst der Menschen. Wer dem Menschenherrn dient, dessen Dienst ist für diesen Herrn, nützet ihm, aber wer Gott dienet, der nützet nur sich, denn Gott können wir nicht nützen und nicht helfen, np״ אם צדקת מה חתן לו או מה מידך ׳wenn du gerecht bist, was giebst du ihm, oder was würde er von deiner Hand wohl nehmen." Bei dem Menschendienste ferner ist es ganz besonders auf die Handlungen abgesehen, daß der Diener ausführe, was der Herr ihm aufgetragen hat. Es ist zwar gut, wenn er dies auch in der rechten Gesinnung der Treue thut, aber großentheils wenn der Herr nur siehst, daß das was er gewünscht, ausgeführt sei, so kümmert er sich nicht viel um die Gesinnung, mit der es geschah, ob der Knecht es gern, oder ungern, freudig oder verdrossen rhat, oder nur um den Tagelohn mit der Arbeit zu verdienen. Ganz anders aber ist es im Dienste Gottes. Hier ist die Handlung eigentlich Ausdruck, Zeugniß der Gesinnung, hier wird vor Allem verlangt, daß wir Gottes Willen freudig und בלבב שלם, mit ganzem Herzen ausüben, daß wir, was er uns aufcrägt, nicht um bloßen Lohnes willen thun (אל תהיו כעבדים המשמשין את הרב על מנת ״ לקבל פרםseid nicht wie die Knechte, die dem Herrn dienen um des Lohnes willen." Sprüche d. Vät.), sondern uneigennützig, לשמו, um Gottes willen, um Dankbarkeit und Liebe. Auch der Prophet in der heutigen Hastara, führt uns ganz besonders diese Wahrheit vor, wenn er sagt, daß das Fasten nicht allein genug sei, ja, daß es Gott mißfällig werden könne, wenn es nicht zugleich als ein Ausdruck desjenigen Gehorsams für sein Gesetz gelten kann, der auch im Leben kein Gebot der göttlichen Liebe unbefolgt läßt. (Jesaja 58, 4 ff.) Daß wir solche Gesinnungen bezeugen und sie in unserm Herzen befestigen, erscheinen wir im Hause Gottes, vor seinem Angesichte, zum heiligen Gottesdienste, wo, abgeschlossen von dem Geräusche und dem Eindruck der Außenwelt, gleichsam jede Scheidewand zwischen unserer Seele und ihrem göttlichen Schöpfer gesunken ist. So lasset uns nun auch in Aufrichtigkeit und heiliger Selbstprüfung uns fragen: Wenn unser Gottesdienst ein Gottesdienst in Wahrheit sein soll, genügen da einige wenige Stunden im ganzen, langen Jahre, einige Stunden zu denen wir uns ein» finden? Wenn unser Gefühl der Gottesdienstbarkeit, unser Gefühl der Abhängigkeit von ihm, und somit das Gefühl, daß wir Alles von ihm haben, und Alles von ihm erwarten, wenn dieses Gefühl wahr und tief ist, können solchen Gefühlen die wenigen Stunden, in denen wir kaum zu einer ersprießlichen Selbstbeschauung, zu einer heiligen Besinnung vor Gott kommen, können ihnen diese spärlichen Stunden genügen, für einen Gottesdienst in Wahrheit, in Wahrheit und mit lauterm, vollen, ungetheilten Herzen? Ist es recht getheilt zwischen der Welt und zwischen Gott, wenn wir ihren Festen so viele Zeit, so viele Mühe und Vorbereitung, so viele Aufmerksamkeit und Zuneigung widmen, und den Festen Gottes nur hin und wieder im Jahre, und auch dann nur flüchtig, unsere Gegenwart schenken. Gewiß, auch diese Minuten sind nicht verloren, und die kurze Zeit da ihr des Dienstes eures Gottes gedenket, wird ec in Liebe euch gedenken am Tage des Gerichts. Aber warum hier einzelne Minuten, wo dort Tage und Wochen? warum fast ein ganzes Leben der Zeitlichkeit, und nur flüchtige Augenblicke der Ewigkeit weihen? Wenn euer Dienst ein Gottesdienst in Wahrheit sein soll, Israeliten! dann muß er euch nicht nur wenige Male im Jahre, sondern fort und fort zu euerm Gott zurückrufen.

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