Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 38 (25.9.1843)
- Date
- 1843-09-25
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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150 ren, gottähnlich zu sein und zu wirken, Werke göttlicher Liebe in's Leben zu rufen, sich nun geltend mache und erfülle, daß sie namentiich ihrer Beziehungen zu Gott, sich in jedem Augenblicke, im höhecn, wachen Lebensgesühle sich bewußt sei, und dadurch sündenlos und geheiligt bleibe. Wenn irgend eiwas, so müßten wir doch das Bildung nennen, Bildung des Menschen zu dem, wozu ec geistig den Keim in sich trägt. Ob ein in diesem Sinne und Maaße gebildeter, noch jener äußerlichen Vorschriften der Religion bedürfte, können wir wohl unbeantwortet lasten, denn wir würden eine Regel für den Fall geben, den es unter uns nicht leicht giebt; denn wie wollten wir uns vor Ihm solcher Bildung rühmen, vor dem ״die Engel nicht lauter genug" sind! — Die Frage ist also, ob das, was uns, im gewöhnlichen Sinne des Worts, Bildung ist, ob das schon hinreicht, uns unserm Gotte naher zu stellen, uns über den gewöhnlichen Mann aus dem Volke zu erheben. Vergleichen wir nur einmal den Gelehrten, den sögenannten Gebildeten, mit dem Mann aus dem Volke. Steht jener wirklich in Rücksicht des Rechten, in Rücksicht der heiligen Anschauungen des Lebens so viel höher? — Findet man nicht Bauern, findet man nicht Tagelöhner, die edler fühlen, richtiger handeln, ja die des Gedankens ihres Gottes voller sind, als mitunter Männer, von vieler Gelehrsamkeit und sogenannter Bildung? Und wo es also religiöser Erinnerungen an Gott, religiöser Uebungen, religiöser Feste und Sinnbilder für den Einen bedarf, wie sollte der Andere sie so ganz entbehren können. Denn mögen sie sich fragen die Gebildeten unseres Zeitalters, die es ihrer Bildung schuldig zu sein glauden, jeder religiösen Festel sich zu entreißen, mögen sie sich fragen, wie es mit ihrer Behauptung bestellt sei, daß der Gebildete sich geistig zu Gott erhebe. Was ist Erbebung zu Gort Anderes, als daß wir uns in das Bewußtsein seiueS Wesens vertiefen, daß wir uns zu ihm erheben mit der ganzen Kraft unseres Geistes, unserer Erkennlniß, daß wir in uns anfachen das tiefe lebendige Gefühl seiner Herrlichkeit, daß wir unfern Zusammenhang mit ihm, den Zusammenhang unseres Glückes mit seiner Liebe wahrhaft fühlen. Nun fraget euch, wie oft euch eure Bildung solche Augenblicke gegeben hat, die doch allein Augenblicke wahrer Bildung, wahre menschliche Empfindung genannt werden können! Bedürfen wir also, in unserer sogenannten Bildung, weniger jener äußerlichen Erinnerungen an Gott? Nein! gerade was wir Bildung nennen, oder was doch hiermit zusammenhängt, das Versenken in die Ereigniste, der umgebenden äußern Welt, das Hingeben an das Leben der Gesellschaft, führt oft manche Zerstreuung mit sich, die der schlichte Landmann in seiner Hütte, der Handwerker, der Arbeiter, den man nur einmal gelehrt hat, an Gott zu denken, nicht fürchten darf. Also die sogenannten Gebildeten bedürfen noch stärkerer Anregung, häufigerer Ermahnung an jene höhere unsichtbare Welt. Der Geschäftsmann ist in Gefahr von den Gegenständen des Weltverkehrs zu sehr in Anspruch genommen zu werden, der Gelehrte, sich in seine einzelnen wistenschaftlichen Untersuchungen so sehr zu versenken, der Künstler, der Sinnenlust seiner Kunst so sehr anheim zu fallen, daß sie alle den Menschen in sich, über den Geschäftsmann, den Gelehrten und Künstler, aus den Augen verlieren. Ja, wahrlich den sogenannten Gebildeten, wenn sie sich mitten unter dem Glanz und Rausche und der Zerstreuung ihres Lebens an Gott erinnern sollen, ihnen thut vor Allen der wiederkehrende Zuruf Noth: Höre Israelit, es ist ein Gott! Aber vielleicht gehen die Forderungen der Bildung noch weiter, vielleicht ist alles Denken an Gott und jene höheren Dinge nur eine krankhafte Neigung schwacher Seelen, noch mehr aber Bibel und feste Religionsform. Es ist vielleicht nur ein empfindsamer Müsst'ggang, zu dem diejenigen nicht Zeit haben, die ein Amt verwalten, ein Geschäft eingerichtet, einen Orden erstreben. In der That begegnet man Solchen, die uns so etwas sagen zu wollen scheinen. Sie geben uns zu verstehen, daß sie über diese Dinge längst hinaus sind. Sie haben zwar viel zu thun, aber doch auch mitunter, von den Tagesmühen, in einer Nachmittagsstunde ruhend und halb schlummernd, einige Augenblicke gefunden, in welchen sie über Religion nachdachten. Da sind sie denn mir ihr fertig geworden, sie haben sich schnell ein System ersonnen, das, in seiner klassischen Natur, Alles, was man wünschen mag, in sich aufnimmt, und bequem genug ist, Laß man, alle Weltenlust mit sich führend, in demselben sich ergehen kann. Sie haben auch einmal mit Leuten gesprechen, die einmal in Büchern geschrieben haben, deren Verfasser Manches, was in Schrift und Religion uns sicher dünkt, bezweifeln. Sir bemitleidigen also den Gläubigen, achselzuckend, um seines starken Glaubens willen, der ihnen aber viel mehr als Schwäche erscheint. Die Bildung der neuesten Zeit also bedarf vielleicht Gottes und seines Himmels nicht mehr, es ist vielleicht genug, daß man sich selbst vergöttere, in feinem Erdenglücke seinen Himmel findendl aber nein, so weit gehet euer Zwei-