Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 37 (16.9.1843)
- Date
- 1843-09-16
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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147 dem Angesichte des tröstenden, segnenden Gottes aller Zeiten und aller Völker. Amen. Allmächtiger Gott! du leitest und einigest die Völker, du vernichtest sie, oder lassest sie erstehen, du bist der Herr des Krieges und des Friedens, aus deiner Hand kommt Wehe und Gedeihen, Hoffnung und Entmuthigung, Fall und Erhebung. Deine Augen wachten durch ein Jahrtausend über diese Lande, in denen du auch die Sprößlinge des von deiner Huld geleiteten Volkes Israel eine Ruhestätte finden ließest, nachdem dein Heiligthum auf Zion zerstöret ward. Du ließest diese Völker, unsere Brüder, aus so manchem Kampfe gestählter an Kraft, geläuterter an Erkenntniß, reicher, an Duldung und Liebe hervorgehen. So erhalte uns ferner die Einheit und den Frieden, daß in dem großen Gedanken der Völkereinigung auch der Treue und der Wünsche Israels gedacht werde, daß, wie wir durch die Thränen schmerzensvoller Erinnerungen, an dem Tage, da so viele Edle starben und unter den Trümmern deines Hauses ihr Leben opferten, dennoch dankend zu dir emporblicken, dankend für alle die gegenwärtige Gnade, die du in mitten unserer Brüder uns angedeihen ließest, daß, wie unser Gottespreis sich mischet unter die Danklieder dieses Tages, fortan stets das Glück dieser Länder in vollem Sinne auch das unsrige sei, und jedes Morgenroth ihres Gedeihens auch über uns leuchtend aufgehe. Das gieb, Allgütiger! der du uns Zuflucht warst von Geschlecht zu Geschlecht, auf den wir hoffen fest und immerdar. Amen. 8 — z. Salomon v. Rothschild s Wirken Ln Wien. Längst ist der Wohlthätigkeitssinn dieses ausgezeichneten Mannes bekannt. Die Zeit seines Aufenthaltes in Wien bildet eine lange Kette von edlen Handlungen; er war und ist nicht nur der Vater von tausend Armen, die so häufig an seine Thüre klopfen; er spendet und hilft auch jenen Dürftigen, welche von falscher Scham zurückgehalten werden ihn hiezu aufzufordern. Es giebt kein öffentliches Unglückliches Ereigniß, bei welchem Frhr. Salomon v. Rothschild nicht als ein großherziger Menschenfreund erschiene; es tritt keine wohlthatige Anstalt, keine gemeinnützige Unternehmung ins Leben, bei welcher er nicht einer der ersten sich unterzeichnete. So hat er reiche Spenden bei Gelegenheit der großen Ueberschwemmung eines Theiles der Vorstädte Wiens im Jahre 1830 für die Verunglückten niedergelegt; so ist er der durch einen furchtbaren Brand verheerten Wiener Neustadt mit großen Summen beigestanden; so hat er die namhaftesten.Beiträge zur Gründung der Kaiser Ferdinands Wasserleitung gegeben; so hat ec die bedeutendsten Beiträge den im Jahre 1838 durch eine in den Annalen der Unfälle beispiellose Ueberschwemmung verunglückten Bewohnern von Pesth und Ofen gewidmet; so ist sein edelmüthiges Geschenk an die verarmten Bürger Wiens, welche sich im städtischen Versorgungshause bei St. Markus befinden, unvergeßlich. Allein nicht nur bei solchen Gelegenheiten hat Baron Salomon v. Rothschild seine persönliche Hinneigung für Wien bewiesen, er hat auch für die Gemein-Jnteressen dieser Restdenz wiederholt seine regste Theilnahme belhatigt; denn er war es, der bei dem Umstande, daß einer der belebtesten Plätze Wiens, der Graben, durch Hinwegräumung einiger die Passage hemmenden Häuser vergrößert werden mußte, den am 30. September 1840 noch bestandenen Rest für den Ankauf dieser Häuser in einem Betrage von 340,000 fl. C. M. dem städtischen Fonds von diesem Tag an bis Ende December Hypothek- und zinsfrei, von da an aber bis 1. Mai 1841, als dem Ziehungstage einer zu diesem Zweck angeordneten Geldlotterie und dadurch eingeleiteten Tilgung, zu dem geringen Zinsfüße von drei vom Hundert vorstreckte. Mit Berücksichtigung dieser eine so schöne, lautere und warme Liebe und Achtung für das wahrhaft Gute, Nützliche und Schöne beurkundenden Handlungen, und eingedenk, daß es Frhr. v. Rothschild war der, von seinem ächten patriotischen Sinn geleitet, die großartige Idee einer Lokomotiv-Eisenbahn in den österreichischen Staaten zuerst anregte und im uneigennützigen Verfolge derselben durch die Gründung der Kaiser Ferdinands: Nordbahn den Zeitgenossen den überzeugendsten Beweis seines verdienstlichen Strebens für das Beste des Landes und der Kaiserstadt lieferte, hat der Magistrat von Wien, um für Baron Rothschild ein bleibendes Merkmal seiner besondern dankbaren Anerkennung zu geben, ihm das Ehrenbürgerrecht der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien verliehen. Der Frhr. Salomon v. Rothschild benützte jedoch diese Auszeichnung nur zu neuen Wohlthaten. Wenige Tage nach Empfang des Ehrenbürger-Diploms (am 16. Junius) schrieb er an den Bürgermeister von Wien, Hrn. Regierungsrath Czapka Ritter v. Win stellen, und übersendete diesem 30 Stück fünfprocentige Metallique-Obligationen, jede zu tausend Gulden, zusammen 30,000 fl. mit dem Zinsgenusse vom 1. Mai 1843 als ein immerwährendes Stift tungskapital und zwar zu nachbenannten Stiftungen: ״Von dem Gesammtzinsenbetrage obgesagter 30,000 fl. in fünfprocentigen Metallique-Obligationen pr. 1500 fl. sollen jährlich zwei Dritttheile, somit 1000 fl. als Unterstützungsbeitcäge von wenigstens 50 fl. bis höchstens 200 fl. vertheilt werden, und zwar ohne Unterschied der Religion an solche Wiener Gewerbsleute und mit Kindern zurückgebliebene Wittwen derselben, die ohne ihr Verschulden in ihrem Gewerbsbetriebe mittellos geworden und daher ohne Hilfe außer Stand wären, ihr Gewerbe zur ferneren Erhaltung ihrer Familien fortzuführen. In je drei nach einander folgenden Jahren sollen diese 1000 fl. vollständig zu verrheilen sein.