Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 37 (16.9.1843)
- Date
- 1843-09-16
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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148 In jedem darauf folgenden vierten Jahre sollen für diesen Zweck nur 500 fl. verwendet, die zurückbehaltenen andern 500 fl. aber als Reisestipendium für einen in Wien gebornen, vorzüglich ausgezeichneten, mit besondern Fähigkeilen ausgerüsteten, absolvirten Techniker verwendet werden, welcher zu der Hoffnung berechtigt, daß eine Reise in das Ausland ihn zu einem vollkommenen Mann im tech- Nischen Fache zum Besten des Vaterlandes und zum Frommen seiner Mitbürger ausbilden werde. Sollen von dem Gesammtzinsenbetcage pr. 1500 fl. die noch jährlich erubrigenden 500 fl. zu fünfjährlichen Stipendien fünf unbemitteilen in Wien gebürtigen Studirenden am k. k. polytech- Nischen Institut in Wien zufließen. Bei allen diesen erwähnten Widmungen sollen stets Wiener Bürger oder deren Söllne Vorzugsweise berücksichtigt werden. Es ist Baron Rothschilds Wunsch, daß es nur dem tob t. Magistrat in Wien als Personal-Instanz der Wiener Bürgerschaft Vorbehalten und überlassen bleibe, die jährlichen Rechnungen über diese Stiftungen zu prüfen und genehm zu halten. Sollte der gegenwärtig in der österreichischen Monarchie bestellende Zinsfuß sich dergestalt vermindern, daß die jährlichen Zinsen zur Bestreitung der verocdneten Aus- Hilfen und Stipendien nicht mehr ausreichen würden, so soll der Wiener Magistrat sich, so lange Baron Salomon v. Rothschild lebt, an ihn, und wenn er nicht mehr sein sollte, an seinen Sohn mit der Anfrage wenden, ob sie nicht das Fehlende zu ersetzen geneigt fein möchten." Fürwahr, wer so denkt und fühlt und handelt, wie Frhr. Salomon v. Rothschild, hat sich nicht nur bei der Mitwelt, sondern auch bei der Nachwelt den unvergänglichsten Ruhm bereitet, und die Bürgerschaft Wiens kann mit Recht stolz sein, ein Mitglied gewonnen zu haben, das ihr ein neues, leuchtendes Beispiel gewährt, wie Menschenliebe und Mildthätigkeit nur großen Seelen eigen, und wie Verehrung und Liebe den Namen eines Mannes auch noch in spater Zukunft umstrahlen werden, den ganz Europa zu den edelsten Zeitgenossen zalllt. Der Magistrat von Wien hat diese Stiftungen bereits angenommen und ist deshalb bei der Regierung eingeschritten, um die Sanktionicung derselben bei Sr. Maje: stat zu erwirken. (A. A. Z.) Kult-, Schul׳ u. Justände-Pericht. Das Leben der Juden in den verschiedenen Staaten bietet seit Kurzem so vielen Stoff zu interessanten Mitrheilungen dar, daß das Interesse allein der verknüpfende Faden zwischen den mannigfachen Berichten fein kann. (Deutschland.) Auf religio sem Gebiete zieht der Frankfurter Reform-Verein -noch immer die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Eine, von den Häuptern des Vereins zwar desavouirte ״Erklärung" spricht sich dahin aus, daß der Verein 1. im Mosaismus die Möglichkeit einer unbeschränkten Fortbildung anerkennt; 2. die Autorität des Talmud und der auf denselben sich stützenden rabbinifchen Schriften aufhebt, und 3. einen Mefsias, der die Israeliten nach Palästina zurückführe, weder erwartet noch wünscht. Da aber nicht der Verein selbst seine Tendenz öffentlich ausgesprochen, wäre jedes Urtheil über denselben voreilig. Dennoch Kat das Frankfurter Rabbinat ein hebe. Cickulac an alle Rabbiner Deutschlands erlassen, worin dieselben um ein Gutachten über den Verein angegangen werden. Dr. S. Hirsch, Rabbiner zu Luxemburg, hat bereits sein Votum gegeben.— InWollstein ist ein bedeutender Fortschritt geschehen. Der Rabbiner daselbst hat nämlich am Sabbat Nachmu in der Synagoge konfirmirt. Man hofft, daß diesem Anfänge bald andere zeitgemäße Verbesserungen in Schule und Kultus folgen werden. — Auf politischem Gebiete nehmen die humanen Verhandlungen der rhein. Stande über die Emancipation die erste Stelle ein. Mehre Gemeinden haben sich bei dieser Gelegenheit durch milde Gaben und Dankadressen ausgezeichnet. Blos die Berliner Gemeinde kam mit ihrer Dankadresse sehr spät, weil nämlich der geheime Kommerzienrath Joel Meyer, aus Furcht vor der Regierung, auf der ersten ausgefectigten Adresse seinen Namen ausradirt und auch Andere zur Nachahmung aufgefordect. Der Berliner Volkswitz nennt ihn jetzt den geheimen Radirungsrath. ■— Die ״Gesellschaft der Humanität" in Kassel hat den Hrn. Kaiser in Pritzlac und Wolf Boley in Rothhelmshausen die Prämie von 124 , sowie dem Hm. NatanJsrael O^Thlr. rücksichtlich deren landwirthschaftlichen Betriebsamkeit auszahlen, und aufs Neue drei gleiche Preise an israelitische Einwohner gleichen Zweckes aussetzen lassen. — In Moisling ist der israelitischen Gemeinde die jährliche Miethezahlung von 240 M. an die Stadtkasse für die dortige Synagoge auf fernere fünf Jahre erlassen worden. — (D ä nemack.) Aus Kopenhagen klagt man über den vernachlaßigten Religionsunterricht in einer Gemeinde, die mehr als 2,500 Seelen zahlt. Vom achten Jahr an besuchen nämlich die jüdischen Kinder die christlichen Schulen, ohne einen besondern Religionsunterricht zu genießen. Doch hofft man, daß der Oberrabbiner Dr. Wolfs diesem Nebelstände abhelfen werde. — (Schluß folgt.) Anzeige. Zur Aufnahme noch einiger Pensionäre, die in religiöser und wissenschaftlicher Beziehung gewissenhafte Pflege erhalten, ist geneigt K u t t n e r, in Schwed t a. d. Oder. Verantwortlicller Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig. IJ>5e nsicliste Hummer des SabhatliMattes erscheint »um Feste Ros ela ha-Sehana.