Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 37 (16.9.1843)
- Date
- 1843-09-16
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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146 hier nicht auch verschiedene Völkerstamme? Keiner derselben möchte seinen Namen, seine großen Erinnerungen, seine geschichtliche Besonderheit aufgeben, um sich in dem Ganzen zu verlieren. Sind hier nicht auch verschiedene religiöse Bekenntnisse? Keines derselben will dem andern weichen. Und doch feiern Alle diese durch Geschichte und Glauben getheilte Stämme heute gemeinschaftlich ein Fest vor dem Herrn, in dem einigenden dankenden Aufblick zu Ihm, in dem einigenden Gefühle vaterländischer Begeisterung, das sie bei aller ihrer Verschiedenheit doch schon ein Jahrtausend hindurch in Vielem ein Ganzes sein laßt. Und so dürfen auch wir wohl auch heute Anspruch machen, daß man uns als zu diesem Bunde gehörig betrachte, gleichwie das eigene Gefühl der Vaterlandsliebe uns drängt, das heutige Fest, gleich unfern Landern zu feiern, obschon unsere historischen Erinnerungen zu einem andern Ursprünge zurückgehen, unser religiöses Bekenntniß etwas anders lautet. Denn gehören wir nicht diesen Ländern an mit den theuersten Interessen unseres Lebens? Seitdem sie dem Götzendienst entsagten, so lange sie den einen Gott bekennen, die Wahrheit, die von Israel ausging, so lange und noch früher sind wir bereits in ihnen heimisch. Hier haben wir unfern Heerd erbauet, in diesem Boden wurzelt unser Familienglück. In der Sprache dieses Landes lallen unsere Kinder den ersten Ausdruck ihrer Liebe. Alles Unglück, das über diese Länder kam, haben wir mitgetragen, alle Segnungen, die ihnen zuTheil wurden, mitempfunden. Durch ihre Einigung gewannen sie höhere Kraft, durch den festen Widerstand, den sie nun zu leisten vermochten, viele Jahre des Friedens, daß sich alle seine reichen Blüthen entfallen konnten, Kunst und Wissenschaft, Betriebsamkeit und Wohlstand. Alles dies genossen wir mit, bei diesem Allen blieben auch wir nicht müßig. Auch wir leisteten wohl Manches im Bereiche der Kunst und des Wissens, und zwar, oftmals zurückgestoßen, durch Nichts ermuntert, mit dem Kampfe einer innigen Hingebung, einer Alles opfernden Liebe. Auch wir legten mit den Grund zum Wohlstände unseres Vaterlandes. Und, bei seinem letzten Befreiungskämpfe, ergriffen wir freudig und zahlreich, als ständen wir schon lange in seinen Heeren, die uns zum ersten Male dargebotene Gelegenheit, mitzukämpfen, erstritten wir auch mit unfern Waffen den kostbaren Frieden mit alle dem, was er uns gebracht hat. Ja, wir nahmen Theil an allen Segnungen der begonnenen Einigung unseres deutschen Vaterlandes. Und je mehr diese Einigung sich entwickelt und wirket, um so mehr haben auch wir zu hoffen. Denn je größer ein Volk, zu desto großem Gedanken vermag es sich zu erheben, die kleinliche Engherzigkeit und Selbstsucht weiter hinter sich zurücklassend, der es bisher so schwer wurde, uns gerecht zu werden. Je mehr also Deutschland, von edlen Fürsten beherrscht, seiner Einheit, seiner Größe sich bewußt wird, je weniger Hindernisse werden sich seinen Fürsten enlgegenstellen, den innigen Wunsch unseres Herzens zu erfüllen, dem Vaterlande mit allen unfern äußern und geistigen Mitteln, mit allen unfern Kräften nützlich zu werden. Ja noch mehr, wenn Deutschland, in dem lebendig durchdringenden Gefühle seiner Einheit, wahrhaft geistig zu einem Ganzen wird, dann wird in ihm um so mehr das Bedürfniß erwachen, alle Bestandtheile seiner Bevölkerung sich wirklich anzueignen, sie zu den Seinigen zu machen, sie mit seiner einigenden Kraft zu durchdringen. Gleichwie die Wärme, wenn sie auf einen Körper zu wirken begonnen hat, in dem Fortschritte ihrer Kraft nicht ruhet, bis sie jeden Theil, jedes Atom desselben umwandelnd durchdrungen, also wird auch hier die Einigung, die wesentlich Liebe ist, mit ihrer wärmenden, wohlthuenden Kraft, auch bis zu denen durchdringen, die Deutschland eben erst angefangen hat, als die Seinen zu erkennen, auch Israel wird dann durch gleiche Rechte und Pflichten dem Ganzen wahrhaft angeeignet werden. Und um so rascher wird dieser Fortschritt des einigenden Werkes der Liebe sein, da auch wir ihm schon längst mit entsprechenden Gefühlen und Wünschen entgegen kommen, mit dem begeisternden, Alles gern opfernden Wunsche, Söhne des Vaterlandes zu sein. Ja, wie Flamme sich zur Flamme wendet, ihre Gluthen lodernd zusammenschlagen, also wird Liebe der Liebe begegnen und ihre Gluthen werden heiligend einander durchdringen. So segensreich ist uns, so lebendig nahe der Gedanke der wahren Einigung unseres Vaterlandes, so beglückend kann er auch uns in seinem Fortschritt werden, so Vieles giebt er uns zu hoffen. Wie sollten wir also nicht, den Schmerz trüber Erinnerungen beschwichtigend, das Fest unserec Brüder mitfeiern! An den Weiden Babels ließen unsere Väter ihre heiligen Harfen hangen, ״wie sollen wir," so sprachen sie klagend, ״auf fremden Boden singen, das Lied des Herrn!" Doch uns ist der Boden nicht fremd, auf dem wir stehen, es ist das Land, dem wir uns eigen fühlen mit all der Fülle inniger Empfindung, mit Gut und Blut, mit That und Hoffnung. Nicht länger schweiget das Lied dem Herrn geweihet, der heilige, frei gewordene Klang des Psalters, wir treten hin zu den Chören unserer Brüder und auch unser Dank mischet sich in ihr festliches Danklied, vor