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Sabbath-Blatt · 1843-09-09 · 36 (9.9.1843) · p. Seite 143

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
36 (9.9.1843)
Date
1843-09-09
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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U3 Zeichen der <Aeit. Die Verhandlungen des rheinischen Landtags über die Gleichstellung der Juden haben einen so allgemeinen Anklang gefunden, daß wir nicht anstehen, hier unfern Lesern eine Reihe der darauf bezüglichen Zeitungsartikel mitzutheilen. Köln, 15. Juni (Köln.Z ) Gestern wurden hier die Beschlüsse des rheinischen Landtags bekannt, welche derselbe Tags vorher in Betreff der Emanzipation der Juden gefaßt hatte: Se. Maj. den König um Hinwegräumung aller noch bestehenden Hindernisse zur völligen Gleichstellung der Juden mit Dero christlichen Unterthanen zu bitten, wurde von der hohen Ständeversammlung mit einer Mehrheit von 54 gegen 19 Stimmen genehmigt. Außerdem wurde noch speziell in Vorschlag gebracht, die sofortige Aufhebung des sogenannten kaiserlichen Dekrets an hoher Stelle zu beantragen, da dieses Ausnahmegesetz auch nur speziell die Juden der Rhein- Provinz belästige. Dieser letztere Vorschlag wurde mit 68 gegen 5 Stimmen angenommen. — Kaum war die Nachricht von diesen Beschlüssen eingetroffen, so beeilte sich der Vorstand der israelitischen Gemeinde unsrer Stadt, eine Dankadresse an unfern Landtag abzusenden. Köln, 14. Juli. Wie es heißt werden die Israeliten unserer Stadt, zur würdigen Feier einer für sie so ehrenvollen Manifestation der rheinischen Bevölkerung und ihrer Vertreter, sofort eine nicht unbedeutende Anzahl von Brodten unter die hiesigen Stadtarmen vertheilen lassen, so wie andere wohlthatige Stiftungen vorbereiten, an welchen sämmtliche Bewohner der Rheinprovinz Antheil nehmen können. Aachen, 16. Juli. (Aach.Z.) Auf die Nachricht von dem erfreulichen Votum der hohen Ständeversammlung, Se. Maj. den König zu bitten, die Beseitigung aller noch bestehenden Hindernisse zur völligen Gleichstellung der Juden in bürgerlicher und politischer Rücksicht mit den christlichen Unterthanen Allergnädigst herbeiführen zu wollen: hat die nur wenig zahlreiche jüdische Gemeinde in hiesiger Stadt dem Präsidenten der Armenkommission 150 Thlr. übersandt, mit der Bitte, dieselben zu einer außergewöhnlichen Vertheilung von Brodt an die christlichen Armen unsrer Stadt zu verwenden. Aachen, 16.Juli. (Aach.Z) Der Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetze ist so tief in die Brust eines jeden echten Rheinländers eingegraben, daß alle Folgerungen desselden nothwendig bei ihm gleiche Unterstützung finden müssen. Jeder Bürger war bisher nach unfern Institutionen gleich vor dem Gesetze, nur der Jude nicht. Das Dekret vom Jahre 1808 unterwarf ihn in einzelnen Departements des Kaiserreichs einer traurigen, exceptionellen Lage. Aber diese niederdrückende Bestimmung sollte nur zehn Jahre dauern und die Restauration hob in Frankreich zur Stelle diese Beschränkungen auf. In unserer Provinz blieben sie selbst noch nach der gestellten zehnjährigen Frist bestehen, eine traurige Erinnerung an eine Zeit, die mit der Gegenwart sonst keine Berührung hatte. Ueberall erhob sich einmüthig die Stimme des Volkes in seinen Petitionen gegen diese Verletzung unsres heiligsten Rechtsbegriffes, und der Landtag war nur das Drgan des allgemeinen Wunsches, als er den König um die Aufhebung dieses Dekretes bat. Mit dem Grundsätze der Gleichheit vor dem Gesetze steht aber der andere in enger Verbindung, welcher gleichen Pflichten auch gleiche Rechte zuerkannt. Der legale Zustand bedingt den politischen. Und es ist ein schönes Zeichen des hohen Bewußcseins, der Bildung unserer Provinz, daß sie nicht blos die Abschaffung jenes Dekretes, sondern überhaupt um die Aufhebung aller politischen Beschränkungen für die Juden gebeten, daß der Landtag sie jetzt befürwortet hat. Der Rheinländer ist stolz darauf, daß er sich der Freiheit würdig halt, und ec verdient sie, weil er gerecht ist. Er ist duldsam, weil er wahrhaft religiös ist und in seiner Religiosität jeden wirklichen Glauben achtet. Er verlangt für jede Lei: stung die Anerkennung, die sie verdient. So ist er human im socialen Leben und gerecht im politischen. Der Juden sind nur wenige, und doch will er auch diese Wenigen nicht ausgeschlossen wissen von der allgemeinen Wohlthat der Gleichheit vor dem Gesetze und vor dem Staate. Er spricht so nicht für den Dank dieser Wenigen, sondern um seinem eigenen Bewußtsein zu genügen. Darum verdient er so hohes Lob, darum verdienen es seine Vertreter, welche diesem Grundsätze treu, auf diesem Landtage sich schon so viele Anspräche auf die Dankbarkeit der Provinz erworben haben. Von den meisten Seiten beeifert man sich, besonders in den Städten, die Abgeordneten, welche so würdig deren Wünsche und Gesinnungen vertreten haben, festlich zu empfangen. Wenn unter diesem Jubel auch die Juden eine Thräne des Dankes weinen, wird diese stille Thräne nicht so schwer wiegen, als die laute aber gerechte Freude der Uebrigen. Köln, den 18. Juli. (K.Z) Der Vorstand der hiesigen iscaelit. Einwohner hat der hiesigen Armenverwaltung aus Dankbarkeit über die Stimme der Gerechtigkeit, welche sich auf dem rheinischen Landtage erhoben, 100 Thaler zugesandt, welche unter den in Köln wohnenden Israeliten durch freiwillige Beiträge gesammelt wurden, wovon die Hälfte baar unter die hiesigen Armen vertheilt und die andre zum Brodankauf für dieselben verwendet werden soll. Düsseldorf, den 15. Juli. (Privatmitth.) Kanonikus Benzing, der neue rheinisch-jüdische O'Connell, hat einen schönen Triumph gefeiert und den Antrag für die Emancipation der Juden von dem versammelten Landtage beinahe einstimmig erwirkt. Die Rheinpreußen benutzten die von dem hochherzigen Könige geschenkte Freiheit ganz des hohen Königs würdig, indem sie die Freiheit der Brüder, auf denen noch Schmach und Verachtung lastet, erbitten, indem sie dieselben zu sich aufziehen. Düren, den 19. Juli Auch die wenigen Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde haben auf die erfreuliche Nachricht der von dem rheinischen Landtage beantragten Emancipation der Israeliten, dem Präses unserer hiesigen Armen-

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