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Sabbath-Blatt · 1843-09-09 · 36 (9.9.1843) · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
36 (9.9.1843)
Date
1843-09-09
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 Worte an dem Lage der Zerstörung Jerusalems und dem Feste der tausendjährigen Einigung Deutschlands in der Synagoge Königsbergs gesprochen. Von 8.tz. Der Trost Gottes sei mit uns, die Kraft Gottes sei mit uns, das Licht Gottes sei mit uns. Amen. Ungeachtet der schmerzlichen Erinnerungen dieses Tages, an welchem einst Jerusalem von Feinden erobert ward und Gottes Heiligthum in Trümmer fiel, dürfen wir doch wohl noch immer einstimmen in das Wort des Psalmisten, welches geschrieben steht im 31 Psalm: daselbst im 23 Vers und also lautet: ,-Ich sprach in der Uebereilung meines Schmerzes: ich bin verbannt, hinweg von deinen Augen; jedoch du hörlest die Stimme meines Gebetes, da ich zu dir flehete." Es ist ein großes, namenloses Unglück, das der heutige Tag über Israel brachte, da Tausende im wilden Kriege, Tausende in den Flammen starben. Zwar muß es uns erheben, in dem Schmerze dieser Erinnerungen, daß Israel damals nicht feige und muthlos unterlag, daß die da starden, den Tod des Helden starben, daß die Römer damals gezwungen waren, einen neuen Beistand anzurufen, ein Gefühl, das sie lange nicht mehr kannten, das Gefühl der Schande und der Schmach, einer so kleinen Schaar, einem scheinbar so schwachen Volke nicht obsiegen zu können, nachdem sie eine Welt besiegt hatten.*) Aber dennoch, wie sollten wir nicht klagen, wenn wir aller der Schrecken uns erinnern, von welchen der damalige Krieg begleitet war; Schwert, Hunger und zehnfacher Martertod, der auch Frauen und Kinder traf. Wie sollten wir nicht klagen, wenn wir der Kinder gedenken, die von ihren Müttern Nahrung forderten, um ihren Hunger, ihren Durst zu löschen, und denen ihr Wunsch nicht gewahrt werden konnte, den sie sterbend lallten! Wie sollten wir nicht klagen, wenn wir der Mütter gedenken, die über ibre Kinder gebeugt, den Tod des Grams und des Mangels starben, der Säuglinge, die an der Brust ihrer in Weh vergehenden Mütter verschmachteten! Wie nicht klagen in der Erinnerung an das unermeßliche Unglück" welches diesem Ereigniß voranging und folgte und die in alle Länder Auswandernden begleitete! Ueberall wurden sie wie Ausgestoßene, wie Fremdlinge behandelt, überall angefeindet, zurückgestoßen, erniedrigt, überall ließ man sie ungerecht und ') Siche die Rede des Titus, bei Iosephus Züd. Kr. -B. VI. Kap. 4. lieblos, als die Schwachem die Uebermacht fühlen, und erst in der letzten Zeit begann die Macht dem Rechte Raum zu geben. Wie rührend dagegen ist die Treue, mit der sie sich aller Orten dem Staate, der Gemeinschaft, anschlosien, unter der sie ihren Wohnsitz genommen hatten, wie rühr rend ihre Dankbarkeit, für den Frieden, für das wenige Recht, das man ihnen ließ, die Liebe mit der sie ihren Verfolgern selbst entgegen kamen, die religiöse Zuversicht und Freudigkeit, die sie sich zu bewahren wußten. Aber eben diese religiöse Treue für den Glauben ihrer Vater deutete man ihnen übel, die Innigkeit mit der sie den Erinnerungen ihrer Vorzeit anhingen, die ihnen di/' Denkmäler so vieler Gnaden oder Prüfungen Gottes waren. Man warf ihnen überall vor, daß sie sich von der Gesammtheit derer, unter welchen sie lebten, durch ihre religiösen Satzungen ausschlösien, daß sie fortführen einen eigeneu Kreis zu bilven, man trat ihnen mit dem religiösen Grundsatz entgegen, daß ״ein Hirte und eine Heerde" sein sollte. Um dieser Forderung Genüge zu leisten, sollten sie sich als ein Gemeinsames auflösen, sich verflüchtigen unter der Masse der Bevölkerung, ihren Namen verloren gehen lassen, ihrem Glauben entsagen, der sie geleitet und getröstet in den Jahrtausenden der Marter und Verfolgung. Aber ist jener Grundsatz, in dieser alle Völker - Sonderheit vernichtenden Strenge richtig? Gehen wir auf die Hauptquelle dieses Gedankens zurück, welche sich doch allein in den Büchern unserer Propheten findet. Schlagen wir Jesaja auf, vernehmen wir, was er hiervon in dem 2. Kapitel seiner Weissagungen verkündet: ״An dem Ende der Tage wird fest stehen der Berg von des Ewigen Hause an der Spitze der Berge und sich erheben vor den Hügeln, und es werden stürmen zu ihm alle die Völker. Es werden hingehen viele Nationen und sprechen: kommt, lasset uns hinaufziehen zum Berge des Ewigen, zum Hause des Gottes Jakobs, auf daß er uns lehre seine Wege und wir wandeln in seinen Pfaden, denn von Zion wird ausgehen die Lehre und das Wort des Ewigen von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Völkern und zurechtweisen viele Nationen, und sie werden umschmieden ihre Schwerter zu Pflugschaaren und ihre Sperre zu Sicheln, nicht mehr wird Volk gegen Volk das Schwert erheben, und sie werden nicht mehr lernen den Krieg." (Schluß folgt.)

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