Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 35 (2.9.1843)
- Date
- 1843-09-02
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Hier bin ich! Wie lieblich schallt es von den Bergen, es nahen die Tritte fröhlicher Boten, die da Frieden verkünden und Wonne, Heil und Segen verbreiten, und zu Zion sprechen: Dein Gott ist König! Fröhlicbe Stimme der Wächter! Schallende Freude, jauchzender Ruf! Man sieht, man sieht, Gott kehret nach Zion zurück! Jauchzet und frohlocket, ihr Trümmer Jerusalems, der Ewige tröstet sein Volk, und erlöset Jerusalem. Sichtbar ist Gottes heilige Kraft, sichtbar vor den Augen aller Völker. Die Enden der Erde schauen die Hilfe, die Gott uns sendet. Aus dem Wege, aus dem Wege! Weichet von dannen ihr Unheiligen! Rühret nicht an, weichet hinweg! daß rein bleiben die da tragen des Ewigen heilige Geräche. — Ihr aber wandelt nicht in Eile, ihr ziehet dahin nicht wie Flüchtlinge — sondern vor euch ziehet der Ewige, es beschließet den Zug Israels Gott!" ,/Ich selbst, ich selbstwilleuerTröster sein!" Wo liegt mehr Beruhigung, wo ist ein wirksameres Mittel für Unglückliche, ein kräftigerer Balsam für Leidende zu sinden, als in diesem Worte unseres Gottes: ״Ich selbst, ich selbst will euer Tröster sein." Dieses Wort, wenn es mit Flammenschrift in unserm Herzen geschrieben steht, nimmt von uns jede Furcht und jedes Grauen; wir fürchten nicht mehr der Elemente Gewalt, wir zittern nicht mehr vor des Menschen Macht; wir blicken empor, wenn auch weinend, dennoch vertrauensvoll zu unserm Tröster im Himmel, dessen Jahre kein Ende nehmen, dessen Güte keine Grenzen hat. Was vermag der Elemente Gewalt, wenn Gott in seinen Schutz uns nimmt, der das brausende Meer besänftigt und die Wuth der Wellen stillet! Was vermag des Menschen Macht, wenn Gott uns nahe ist mit seiner Hilfe. Ec, vor dem der Erdensohn dahin schwindet wie Gras, und der Mächtige hinsinkt in Staub! Seine Hilfe hat der Herr uns zugesagt, darum bauen und trauen wir auf den heiligen Gott, und halten uns versichert, daß unser Kummer ihm nicht verborgen ist, daß er auf unser Elend schaut. Seinen Trost hat der Herr uns zugesagt, auf daß wir nicht verzweifeln und verzagen in der Erdennorh. Wenn auch alle Stützen brechen, alle Pfeiler sinken, Gott bleibet uns ein liebender Vater, ein treuer Versorger der Wittwen und Waisen, ein Tröster der Unglücklichen und Elenden. Viel haben wir geliten, sehr gedrängt sind wir worden von Jugend auf, Zions Trümmer schaut unser weinendes Auge, auf das Grab unsrer Freiheit fällt unser trüber Blick. Wir haben den Leidenskelch bis zur Neige getrunken, alle Tropfen des Elends haben wir geleert. Unsere Wunde ist groß wie das Meer, und keiner trägt Leid um uns; unser Schmer; findet keine Grenze und Keiner tröstet uns; aber dennoch bleibt Verzweiflung von uns fern, dennoch hoffen wir auf Hilfe und Heil, auf Rettung und Erlösung, denn wir haben das Wort unseres Gottes, der da spricht: ״Ich selbst, ich selbst will euer Tröster sein!" Amen. (8-k-ä.) Der Frankfurter Verein. Nr. 30, der allgemeinen Zeitung des Judentbums enthält einen guten Aufsatz über den Frankfurter Verein. Mir Hinweisung auf 1 Mos. 17, 10 —14. Jos. 5, 5. 2 Mos. 4, 24-26. 3 Mos. 12. 3. 2 Mos. 12, 43 — 48. wird die Beschneidung, die jener Verein abschaffen möchte, als mosaisches Hauptgebot bezeichnet und in kurzen Werren einleuchtend gemacht, baß man da nicht eigentlich von ״Reformen" des JudenthumS sprechen könne, wo man seine religiöse Basis verläßt, um willkürlich eines oder das andere seiner vielleicht etwas unbequem-n Grundgesätze umzuwerfen. - Es ist sehr schmerzlich, daß wiffenschaftlich gebildete und erleuchtete Männer solche sich selbst, wie es scheint, nicht recht klare Bestrebungen unterstützen können, die sich eigentlich, ohne die Voctheile einer Konfessions: Vereinigung auszugeben, doch von den formellen Pflichten jeder positiven Religion losmachen wollen; die das Christenthum nicht mögen, ohne aber auch zum Judenthum gehören zu wollen, und also im Begriffe stehen sich, wie das Sprichwort sagt, zwischen zweien Stühlen zu setzen, was aber noch niemals wohl gerathen ist. Handelt es sich etwa nur darum, wie es in einem Zeitungs-Artikel heißt ״den reinen Mosaismus" herzustellen, so darf man sich gar nicht weiter bemühen, einen neuen Verein zu bilden, denn dieser ist längst durch die Ka!äer gestiftet, die es in dieser Beziehung wenigstens aufrichtig meinen und in der That bereit sind, jedes durch Moses gegebene Gesetz streng zu beobachten. Aber der Kaiäismus würde gewiß den Mitgliedern des Frankfurter Vereins ziemlich lästig werden, und über- Haupt den liberalen Principien der neuern Zeit wenig entsprechen, denn nur der Rabbinismus trägt, wie dies Geiger irgendwo treffend ausgesprochen hat, die Idee des Fortschrittes und der Bewegung in sich, wahrend der Karäismus der religiöse Stillstand, ist. Der ältere Rabbinismus (der, seiner Aufgabe sich bewußt, noch jede Erstarrung von sich fern hi-lt) hat es vielfach verstanden, die fortschreitenden Forderungen der Zeit mit denen des Gesetzes zu versöhnen und in Einklang zu bringen. Seiner Auffassung des gläubigen Inhaltes verdankt man es, daß dieser sich nicht (wie in manchen andern Religionsformen) der lebendigen Theilnähme an allen wissenschaftlichen, geistigen Bestrebungen der Zeiten und Völker, feindlich und hemmend entgegenftellte.