Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 33 (19.8.1843)
- Date
- 1843-08-19
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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130 die vierzigjährige Wallfahrt begleitet! Wozu all' der Mangel und die Prüfungen, die ertragen werden mußten? so waren sie oft geneigt zu fragen. Aber jetzt, im Angesichte des Landes der Verheißung, gefestigt im Glauben an die Gerechtigkeit Gottes, eben durch das was früher ihrer sündhaften Verblendung unrecht schien, gestählt durch die Entbehrungen in der Jugend ihres Volkslebens, zu unerschütterlicher Treue für alle Zeiten der Zukunft, begannen sie jetzt die Wege und die Liebe Gottes zu begreifen, und Moses konnte zu ihnen sprechen: "ועתה ישראל מה יי אלהיך שאל מעמך und nun Israel, was fordert der Ewige dein Gott von dir, als daß du den Ewigen deinen Gott fürchtest, nur in seinen Wegen wandelst und ihn liebest, daß du dienest dem Ewigen deinem Gott mit ganzem Herzen und ganzer Seele" לשמר את מצות יי ואת חקתיו אשר אנבי מעוך היומ למות ״ לךdaß du beobachtest die Gebote des Ewigen und seine Gesetze, die ich dir heute gebiete, zu deinem eigenen Wohle." Und sollte es mit uns nicht auch also sein? Sollten wir nicht auch in dem scheinbar strengen, oft strafenden Führer unseres Geschickes, unfern liebenden, für unser wahres Wohl besorgten Vater erkennen? מפי עוללים וינקים״" sagt der Psalmist, "יסדת עז להשבית אויב ומתנקם in den Kindern und Säuglingen hast du dir eine Macht geschaffen, um den zu schwichtigen, der gegen dich sich auflehnt und frevelt." Denn sollte die gläubige Hingebung, mit welcher das Kind der unverstandenen Strenge seines Vaters dennoch die sanfte Versöhnung der Liebe entgegenstellt, sollte sie uns nicht mahnen, als Kinder Gottes, gleiches Vertrauen zu üben/ ja sollte dies für uns beschämende Benehmen des Kindes, nicht in der tiefen Macht seiner überzeugenden Lehre geeignet sein להשבית אויב ומתנקם, den Trost des Frevlers zu schwichtigen? uns nicht zurückhalten, gegen die Fügungen Gottes, so wir sie nicht verstehen, uns tadelnd aufzulehnen?. Denn gewiß, all das Schlimme, das Gottes Hand uns zufügt, ist zu unserm Besten, und all das Weh unseres Geschickes, soll uns zum Wohle führen, und all die Leiden, die uns begegnen, sind entweder Strafen-, die uns mahnen und bessern, oder Prüfungen, die uns kräftigen, gleichsam von der Gewalt der Erde frei machen und über die Zeitlichkeit erheben sollen. Denn also sprechen unsere Weisen: ״Wenn der Mensch steht, daß Schmerzen über ihn kommen, so untersuche er seine Handlungen, indem es heißt: "נחפשה דרכינו ונחקרה ונשובה עד י״י wir wollen unsere Wege untersuchen und prüfen, und zu dem Ewigen zurückkehren.״ —- Findet er hier die Ursache seiner Leiden nicht, so suche er sie בביטול תורה in der Vernachlässigung des Torastudiums, denn es heißt: אשרי הגבר אשר תימרנו יה״ ומתורתך תלמדנו heil dem Manne den du, Gott! züchtigest, und den um deiner Tora willen du zurecht weisest!" תלה ולא מצא בידוע שייסורין של אהבה הן שנ' בי את אשר יאהב יי יוכיח hat er die Ursache seiner Leiden hieran zu knüpfen gesucht und sie da nicht gefunden, so ist es gewiß, daß es Leiden der Liebe sind, Leiden, die die Liebe des göttlichen Vaters sendet, welcher, um den bis jetzt Straflosen, auch vor künftiger Straffälligkeit zu sichern, ihn durch mannigfache schmerzliche Mahnungen hindert, sich nicht der Vergeßlichkeit des Glückes hinzugeben und sich nicht stolz über seine Pflichten zu erheben, wie es in der Parascha heißt: "ורם לבבך ושכחת אח יי אלהיך dein Herz könnte sich überheben, daß du vergessest den Ewigen, deinen Gott." Und ferner lesen wir im Jalkut: אשרי הגבר ונר מתורתך תלמדנו״ דבר זה מתור׳ תלמרנו קל וחומר משן ועין heil wird dem Manne widerfahren, dem du Gott Leiden sendest, denn im ' Gesetze deutest du ihm solches an." Denn gleichwie der Knecht, dem sein Herr einen Schaden anthat, durch denselben seine Freiheit erhielt, so erhalten wir auch, als Knechte Gottes, durch die Schmerzen und Leiden dieses Lebens, die Bürgschaft dereinstiger Freiheit von allen Uebeln im Reiche der Seligkeit. Darum grüßt jener Rabbi einen blinden Frommen mit den Worten: ״Friede mit dir, du Sohn der Freiheit!" Ec zwar antwortete: ״Du solltest lieber sprechen: Mann der Knechtschaft;" jener Rabbi aber tröstete ihn und sprach: "שאתה בן חורין לעולם הבא durch dein Leiden wirst du würdig gemacht der Freiheit im jenseitigen Leben, nach den Bestimmungen des göttlichen Gesetzes, daß der Knecht durch die Uebel, die er erduldet, seine Freiheit erlangt." Ja, wie durch Feuer das edle Metall von seinen Schlakken geläutert wird, also wird auch durch das herbe Geschick des Lebens das menschliche Herz geläutert von allen seinen Fehlern und Gebrechen, erhoben über jede Täuschung des zeitlichen Daseins, befreiet von jedem Wahn der Erde, veredelt, gesänftiget, Gott näher gebracht durch die unter Schmerzen gewonnene Ueberzeugung, daß Nichts dauernd sei, als er, unser allwaltender Vater, Nichts zuverlässig, als seine ewigen Verheißungen. Darum אשרי הגבר תימרנו יה״ heil dem Manne, den- Gott züchtiget" und wohl dem, der sprechen kann, wie der Prophet spricht: ״Der Herr der Ewige hat mir die Lehre mitgetheilt, und ich war nicht widerspenstig und zog mich von ihm nicht zurück, גוי נתתי למכים ולחיי למרמים mich selbst bot ich den Schmerzen preis und meine Wange den Schlägen, und mein Angesicht verbarg ich nicht vor unverdientem Schmach, denn der Herr der Ewige stehet mir bei, darum