Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 31 (5.8.1843)
- Date
- 1843-08-05
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 A ähnlich, aber gekrümmter ist, und an welchem der durchgehende Strich zu beiden Seiten hervorragt, erscheint noch ungefähr der Kopf eines Rindes mit seinen Hörnern. Bet auf jdie Spitzen gestellt giebt das einfache Bild eines Hauses, ו Waw ist noch immer ein Haken, ט Tet gleicht einer gewundenen Schlange, י Jod, welches früher ein senkrechter Strich war I (woraus das lateinische I entstand), ist ein Finger als Theil und Zeichen der Hand; in Pe פ mag man den Mund und die Lippen erkennen. Natürlich sind im Laufe der Zeiten diese Bilder stets flüchtiger und undeutlicher geworden. Fragt man, was den ersten Zeichner des Alfabets bewogen haben kann, solche Bilder für die Buchstaben zu wählen, so ist die Antwort darauf leicht. Wünschte ec nämlich, daß Jedermann leicht behalten sollte, welcher Buchstabe durch das Zeichen angedeutet sei, so gab es gewiß kein besseres Mittel, als Gegenstände zu wählen, deren Benennung mit diesem Buchstaben ansing (als etwa im Deutschen z. B. für H: ein Haus, einen Hasen oder einen Hahn) und das Bild des bekanntesten dieser Gegenstände hinzuzeichnen. Der Beschauer sah dann das Bild an, sprach sich den Namen desselben aus und wußte, daß der Anfangsduchstabe desselben z. B. bei Haus: H (Hebräisch bei Bajit כ :בית) bezeichnet werden soll. Gewiß würden unsere Kinder auch ihr ABC viel leichter lernen, wenn solche Bilder mit entsprechenden Namen sie über die Bedeutung des Buchstaben-Zeichens nicht im Zweifel ließen, wenn z. B. für A ein Adler, für H ein Haus, für K ein Kopf, für O ein Ohr u. s. w. sich darstellte. Um so merkwürdiger ist es, daß eine der wichtigsten Entdeckungen der neuern Zeiten uns von der Richtigkeit der obigen Annahme überzeugt. Wir kennen jetzt nämlich in der That ein anderes altes Alfabet, welches wirklich noch aus eigentlichen Bildern besteht, und zwar zum Theil aus denselben, welche die hebräischen Buchstaben-Namen an: deuten; das ist nämlich das egyptische Alfabet, und zwar ist das Merkwürdigste, daß dieselben Bilder dort und hier für denselben Buchstaben Vorkommen, als: ein Haken für 1, ein Scepter oder Schwerdt für! Sajin (Waste), eine Schlange für ט Tet, eine Hand, oder auch nur einige verbundene oder einzelne Finger, oder auch nur einen, für 'Jod, einen Gegenstand umfassende Arme für ב Kaf (zusammengehogene Hand), ein Gesäß mit Wasser für v Mem, ein Auge für ע Ajin, u. s. w. So muß es denn den Lesern dieser Blatter einigermaaßen angenehm sein, zu erfahren, wie man dahin gekommen ist, das egyptische Alfabet, welches für die Erklärung des Hebräischen so wichtig ist, zu entdecken. Es läßt sich voraussetzen, daß Jeder einmal von Hieroglyphen, namentlich auch von egyptischen habe sprechen gehört Dies Wort bedeutet eigentlich heilige Zeichen; man verstand unter demselben in neuerer Zeit allgemein: Bilder, die irgend einen Gedanken oder eine Eigenschaft ausdrücken sollten, daher auch Mendelssohn bei 1 Mos. 41, 8 חרטמים (Leute, die mit dem Griffel, חרט, umzugehen wissen): Bilderschuft-Kundige übersetzt. Da nun dasselbe Bild Mehres andeuten konnte, z. B. eine Schlange: List oder Verfüh. rung oder Giftigkeit oder auch Heilung u. s. w., ein L ö w e, königliche Gewalt oder Kraft oder Blutdurst u. s. w., und man nun unmöglich mit Bestimmtheit zu entrathseln wußte, welchen von den verschiedenen annehmbaren Gedanken, in einer vorliegenden Reihe von Bildern, ein jedes bezeichnen sollte, so wurde Hieroglyphe der allgemeine Ausdruck für unverständliche Zeichen und Bilder. Ganz anders aber gestaltet sich die Sache nach jenen neuern Untersuchungen. Da erfahren wir nämlich, daß unter den egyptischen Zeichen sich allerdings auch manche sinnbildliche befinden, daß sie es aber lange nicht immer sind, sondern bei Weitem öfter, ja wahrscheinlich in der Regel eigentliche alfabetische Zeichen (Buchstaben), daß man also bei dem Bilde eines Löwen nicht auf Königthum oder Macht oder dgl. zu rathen habe, sondern daß es einfach den Buchstaben L bedeute, weil das egyptische Wort Labo, das mit L anfängt, Löwe heißt (vgl. לביא), und so auch die andern Bilder, wie oben bereits bemerkt. Es sind uns von keiner alten Schrift mehr Denkmäler erhalten worden, als gerade von der egyptischen. Die Wände der vielen, zum Theil noch wohlerhaltenen alten Gebäude, jener erstaunenswerthen Trümmer egyptischer Tempel und Paläste, sie sind mit solchen Schriftzügen bedeckt, die, zum Theil riesengroß, in den Stein gehauen sind. Jahrhunderte lang schienen sie aller Versuche, sie zu ent- Ziffern, gleichsam in ihrer stummen Größe spotten zu wollen; der erste glückliche Erfolg dieser Bemühungen knüpft sich an die Erinnerungen aus den Tagen Napeleons. Als er seine Expedition nach Egypten unternahm, ward dafür gesorgt, daß eine Gesellschaft von Gelehrten und Künstlern mitging, um die Alterthümer des Landes unter dem Schutze des französischen Heeres zu untersuchen und abzuzeichnen. Sie haben die reichen Ergebnisse ihrer Bemühungen in einem der prachtvollsten Werke, das die ״Beschreibung Egyptens" enthalt und auf das Gebot des ,,Kaisers Napoleon" erschienen ist, niedergelegt. Unter Anderm fand man damals einen Stein in der Nähe von Rosette, welcher endlich der Schlüssel zu werden versprach zu einem so lange verschlossenen Schatze des Wissens. Es enthält nämlich dieser seitdem so berühmt gewordene Stein eine Inschrift in drei Abtheilungen, jede von verschiedener Schriftgattung, die erste in jenen eigentlich sogenannten Hieroglyphen oder Bildern, die zweite in einer andern, gleichfalls egyptischen Schrift, die dritte in griechischer Sprache und Schrift. Man konnte vermuthen, daß das Letztere eine Uebersetzung des Egyptischen sein werde, und begriff sogleich die hohe Wichtigkeit dieses Monumentes. Aber ohne die alte egyptische Sprache zu kennen, wie sollte man einen Anfang mit der Entzifferung machen? Zwar vermuthete man schon früher, daß das alte Egyptische sich einigermaaßen in der koptischen Sprache erhalten habe, in welcher man noch die Uebersetzung einiger biblischen Schriften besitzt. Aber wie sollte man in den nicht getrennten Reihen des Egyptischen einzelne Worte oder Gedanken herausheben können, oder auch nur zum sichern Verständnisse eines einzelnen Zeichens gelangen, wie also selbst die Ueberzeugung gewinnen, daß