Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1843-08-05 · 31 (5.8.1843) · p. Seite 124

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
31 (5.8.1843)
Date
1843-08-05
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/8620046-8635247-8636249--301-8620285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

124 das Griechische und Egyptische wirklich einerlei Inhalts sei? Ein Umstand kam hierbei zu Hilfe. Auf dem hieroglyphischen Theile der Inschrift wiederholte sich eine Gruppe von Bildern, die in einen Ring eingeschlofsen waren. So ausge, zeichnet konnte etwa der Name eines Königs werden. Nach der griechischen vermuthlichen Uebersetzung mußte man hier den Königs-Namen: Ptolemäus suchen. Nach mancherlei Versuchen erst ging man zu der Voraussetzung über, daß die Bilder eigentliche Buchstaben andeuteten. Und man kam hierüber zur Gewißheit, da sich die Gelegenheit ergab, noch einen andern in einen Ring eingeschlossenen Namen, der zum Theil dieselben Buchstaben enthielt und muthmaaßlich der Name Kleopatra war, mit jenem zu vergleichen. Denn hier ließ sich die Probe anstellen, ob die dort für Buchstaben genommen Bilder es wirklich seien. Waren sie es, sa mußte das Zeichen für P, welches bei Ptolem äus im Anfänge erschien, im Namen Kleopatra gleichfalls, und zwar als das fünfte Zeichen Vorkommen. Das Bild des Löwen für L, welches in dem einen Namen an der vierten Stelle stand, mußte bei dem andern das zweite sein u. s. w. Dies bestätigte sich auch vollkommen. Von diesem Anfänge ausgehend, schritt man nun immer weiter vor. Der Umstand, daß die Königsnamen stets in einen Ring eingeschlofsen sind, gewahrte hierbei eine große Erleichterung, man kam bald dahin, die Namen der Egyptischen Pharaonen auf den Monumenten mit Leichtigkeit zu lesen, und man wagte sich mit diesen Kenntnissen auch an die Entzifferung des Uebrigen. Noch ist man natürlich nicht so weit, größere egyptische Inschriften mit Sicherheit und Leichtigkeit lesen zu können, hierzu wäre vor Allem eine vollständigere Bekanntschaft mit der alten egyptischen Sprache nöthig. Aber den Bemühungen der Gelehrten gelingt es immer mehr, die Schwierigkeiten hinwegzuraumen. Schon hat man auch Mancherlei gefunden, was die biblische Geschichte erläutert, und noch nähere Aufklärungen über diese sowohl als namentlich auch über die hebräische Sprache sind von dorther zu erwarten. Denn wiewohl Josef, da er mit seinen Brüdern Egyprisch sprach, sich eines Dolmetschers bediente, so haben doch beide Sprachen offenbar viel Gleich: artiges und namentlich viele Wörter gemeinschaftlich. Auch die Rabbinen erkennen dies an, und man findet z. B. auffallender Weise im Jalkut die Bemerkung, das das erste Wort der zehn am Sinai geoffenbarten Lehren Egyptisch sei (אנכי ל׳טון מצרי הוא : אנוך). Wir lassen dies dahingestellt sein, aber bemerkenswerth ist es unfern Lesern vielleicht, daß der Name Moses, welcher nach der biblischen Erklärung den ״aus dem Wasser Gezogenen" bedeutet, auch nach dem Egyptischen dasselbe heißen würde. Aber schon das einander Entsprechende in beiden Alfabeten, wie dies von dem Verfasser dieser Zeilen an einem andern Orte vollständiger nachgewiesen wurde, ist gewiß kein ganz unwichtiges Ergebniß. S-z. Kult- und Schul-Pericht. In dem religiösen Leben der Juden Deutschlands, in dem was, wenn auch nur äußerlich, damit zusammenhangt, gehen jetzt so manche Dinge vor, die als Zeichen der Zeit die größte Beachtung verdienen. Wenn jemals Erscheinungen innerhalb des Judenthums als Zeugnisse unserer Zerrissenheit und unseres Kampfes auf reliösem Gebiete gelten dürften, so sind es die der Gegenwart, die überall mit Gluth und Eifer, mit Fanatismus und Leidenschaftlichkeit sich hervordrangen und die Gemüther mit unwiderstehlicher Gewalt erregen und entzünden, wenn auch gerade das Feuer nicht immer ein heiliges ist. Während in Breslau, dem Heerde des kleinlichen religiösen Kampfes, auf Veranlassung der sogenannten Altgläubigen von der Behörde die Amtstracht der modernen Rabbiner verboten wird, weil die christlichen Geistlichen auch die Tracht zu ihren geistlichen Pcärogativen rechnen, taucht in Frankfurt am Main eine neujüdische Sekte auf, die nicht blos den Talmud mit seinen tausendfachen Verschlingungen mit dem innersten Kern und Wesen des jüdischen Volkes, sondern auch den ganzen Mosaismus, so weit er dem gesellschaftlichen Leben nicht bequem ist, verwirft und ein Gebilde des Zeitgeistes, aus miskanntem Bücgerthume und einer kritisch zerstörenden Philosophie geformt, als letzten Zweck der Religion hinstellc. Wären die Sätze dieser Sekte Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung, wie sie jetzt bei den Nachgeborenen eines philosophischen Systems wirklich sind, waren die Mitglieder nicht mit den kaum als gewonnen ausgegebenen Ergebnissen gleich ins praktische Leben getreten: so würde es eine Niedrigkeit gegen die Würde der Wissenschaft erscheinen, dieser Sekte auf anderem Gebiete zu begegnen. Sie hat aber selbst das Verhältniß umgekehrt. — Zu diesen Extremen innerhalb des Judenthums kommt noch die mannigfache Wissenschaftliche Aufregung der jüdischen Gelehrten gegen furchtbare Angriffe, die von verschiedenen Seiten her auf das Judenthum gemacht wurden. Ein Prof. Ghillany in Nürnberg gab ein großes und starkes Werk heraus, das den Titel führt: ״die Menschenopfer der alten Hebräer", worin das Judenthum unter der Maske der Gelehrsamkeit der furchtbarsten Gräuel bezüchtigt wird. Ein junger Philosoph Bruno Bauer ist zum Kampfe gegen das Judenthum gekommen, weil er auch gegen das Christenthum in dieser Weise gekämpft. Gegen den Erstem sind in Schranken getreten der Rabbiner M. Löwen gard, in einer Schrift: Jehova, nicht Moloch, der Gott der alten Hebräer" (Berlin 1843. 8.) und Rafael Kirchheim in einer jetzt erscheinenden Abhandlung, gegen Letzteren sind unsere geachteten Männer, wie Rießer, Hirsch, Salomon u. A. aufgetreten. Aber dieser Kampf ist einflußreicher und wissenschaftlicher und dient dazu, das Judenthum in seiner Lauterkeit und Reinheit zum Bewußtsein zu bringen. F. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.