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Sabbath-Blatt · 1843-08-05 · 31 (5.8.1843) · p. Seite 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
31 (5.8.1843)
Date
1843-08-05
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 tes, auch in unfern Gemeinden fehlt es an Frieden und Einhelligkeit; was die Einen bauen, wollen die Andern zerstören, was die Einen pflanzen, wollen die Andern Vernichten; und wo die Einen nach dem Lichte streben, da suchen die Andern Nacht und Finsterniß zu verbreiten. So lange aber nicht Alle durchdrungen sind von Einem Geiste des Friedens und des Wohlwollens; so lange noch bei den Berathungen über das Wohl des Ganzen — einzelne Personlichkeiten in Betracht kommen; so lange nicht ein Jeder geleitet wird von dem Geiste der Liebe, sondern Nebenrücksichten obwalten laßt — so lange kann sich auch das Volk nicht erheben von seinem Falle. Uebertretung der göttlichen Gebote war eine zweite Ursache, um derentwillen Jerusalem zerstört wurde. Israel war das erste Volk der Welt, welches reine und wahre Begriffe von Gott hatte. Der Ewige offenbarte sich seinem Volke, und gab ihm Gesetze und Rechte, verkündete ihm Glück und Segen, wenn es wandeln wolle in den Wegen des Herrn. Aber Israel wußte die Gnade Gottes nicht zu würdigen, wich ab von dem Wege des Rechts und der Tugend, und hauste Sünde auf Sünde. Wohl kamen die Propheten, und ermahnten sie durch ernste Reden, und züchtigten sie durch das Wort Gottes: aber das Volk sprach: ״ לא תחזו לנו נכחות דברו לנו חלקותSagt uns keine Wahrheiten! sagt uns Schmeicheleien," und so verblieben sie in ihrer Sündhaftigkeit bis das Unglück sie ereilte, das wir heute noch beweinen. Der Talmud führt die Sünden an, welche die Ursachen dieses Unglücks geworden sind. Es wird unter Anderm gelehrt: ״Jerusalem wäre nicht zerstöret worden, wenn man nicht den Sabbat entheiligt hättet). Daran mögen wir am heutigen Sabbate denken, und unfern Wandel bessern. Denn auch in unserer Zeit wird der Sabbat entheiligt, und der Tag des Herrn wird nicht geachtet. Man gehet am Sabbate um Nahrung zu suchen, obgleich der Segen Gottes so reich in sechs Tagen fließet, daß der Tag des Herrn nicht brauchte entweihet zu werden. Statt einen heiligen Umgang mit Gott zu pflegen, und am heiligen Tage das Herz zu׳ Gott zu erheben, gehet so Mancher auch am Sabbate, den ungenügsamen Wünschen seines Herzens nach, und statt nach dem Gotteshause, zieht es ihm nach dem Markte des Lebens. Möge der heutige Sabbat, möge die Strafpredigt, die der Prophet Jesaja in der Hafrara uns halt, nicht spurlos an uns vorübergehn, sondern in uns aufrichtige Reue er- .לא הרבה ירושלים אלא בשביל שחללו בה את השבת (2 wecken, wegen Uebertretung der göttlichen Gebote. Denn nicht nur allein die Entheiligung des Sabbats gehört zu den Sünden unserer Zeit, sondern auch die andern sittlichen Vergehungen, um derentwillen Jerusalem zerstört worden, fehlen leider nicht, und der Vater Schuld ist auch unsere Schuld. Ja, Gott, der Herr spricht: ״Ihr treibet es noch arger, als eure Vater" ואתם הרעתם לעשות מאבותיכם. Jerusalem hat sich versündigt! Jerusalem dachte nicht an das Ende und lebte in Sorglosigkeit und Sicherheit, wies zurück jede Mahnung, achtete weder Lehren noch Zurechtweisung. Da stürzte die Stadt so plötzlich und Keiner tröstete sie. — Doch wir wollen an das Ende denken, und es uns zu Herzen nehmen, denn Keiner weiß, wie nahe ihm sein Ende ist, und wie bald er abgecufen werde, um Rechenschaft zu geben von seinen Werken. Darum möge unsere Trauer am 9. des Ab nicht nur in der Beobachtung äußerer Formen bestehen, sondern vielmehr möge es uns klar werden, daß Gott nicht schauet auf das Trauergewand und das vom Fasten abgehärmte Antlitz, sondern auf das Herz, welches sich zum barmherzigen Vater im Himmel wendet, der unsere Sünden verzeiht, die wir aufrichtig bereuen, der uns heilet von allen Schmerzen, uns sättiget mit seiner Liebe, und uns tröstet durch seine Gnade und Barmherzigkeit. Amen. (S_f — d ) Die Bilder des Hebräischen Alfabets. Den Lesern dieser Blätter ist es unstreitig bekannt, daß die Namen der hebräischen Buchstaben eine Reihe von wirklichen Gegenständen angeben, daß א Alef: Rind, ב Bet: Haus, ד Dalec: Thüre, ו Waw: Haken bedeuten, u. s. w. Sollte dies nur Zufall sein, oder diese Namen hier eine wesentliche Bedeutsamkeit haben? Das Erstere läßt sich wohl nicht annehmen, da nicht blos die Bennenungen gerade der bekanntesten Gegenstände durch das ganze Alfabet gehen, sondern auch, offenbar absichtlich, zusammenhängende Dinge unmittelbar auf einander folgen, z. B. י Jod : (offene) Hand und ב Kaf: (zusammengebogene) Hand, מ Mem (מים): Wasser und נ Nun: Fisch, ע Ajin: Auge und פ Pe: Mund ק Kuf: Ohr, ר Resch: Kopf und ש Schin: Zahn. Es liegt also der Gedanke nahe, daß die ursprünglichen Zeichen dieser Buchstaben keine andere, als die Bilder der Gegenstände selbst waren, welche ihre Namen bezeichnen, daß man also z. B. um Alef zu bezeichnen, ein Rind malte, für Bet ein Haus, für Gimmel ein Kamee!, für Dalet eine Thüre u. s. w. In der That sind jene alten Bilder zum Theil noch in den jetzigen Zeichen, oder doch in den frühern Geftalten derselben, wie sie sich auf alten Münzen und Inschriften erhalten haben, einigermaaßen wiederzuerkennen, z. B. in dem alten Zeichen A für Alef, welches dem lateinischen

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