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Sabbath-Blatt · 1843-07-22 · 29 (22.7.1843) · p. Seite 115

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
29 (22.7.1843)
Date
1843-07-22
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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115 blick in den verschiedenen Gebieten sich begnügte, der würde eines großen Jcthums sich schuldig machen. Ueberall wußte er vielmehr ein Urtheil sich anzueignen, das selbst denjeni: gen, die sich einem der besonderen Fächer ausschließlich gewidmet, eine schätzbare Autorität war. Aber dieser seiner Universalität ist es vielleicht beizumessen, daß ec, ungeachtet vielfacher Aufforderungen, zu einer Niederlegung seiner Gedanken in einem ausgeacbeiten Werke, nicht zu bewegen war. Sobald er sich über einen Gegenstand klar gemacht — und dies ward ihm nur gar zu leicht — trieb es ihn sofort wieder zu einem andern. Gerade die Anstrengung, die manchen Gelehrten seine Wissenschaft kostet, veranlaßt diesen oft, entweder um sich selbst noch klarer darüber zu machen, oder um seine Mühe durch öffentliche Anerkennung belohnt zu sehen, in einem Buche die ganze geistige Arbeit zu rekapiculiren, die er in einsamen Stunden durchgemacht. Moser aber, dessen übersichtlichem Blicke der Begriff so bald sich darstellte, und der nicht erst mit falschen Vorstellungen zu kämpfen hatte, kannte weder das eine noch das andere Bedürfniß, dem Publikum gegenüber aus seinem Jncognito hervorzutreten. Fast muß man es also bedauern, daß ihm ein solcher Blick gegeben war, denn wohl nur diesem haben wir es zuzuschreiben, daß sich in seinem schriftlichen Nachlasse nur einzelne fragmentarische Denkmale seines Geistes gefunden, die jedoch hoffentlich diejenigen seiner Freunde, denen diese Pflicht obliegt, sammeln und einem größern Kreise zugänglich machen werden. Wie aber unser Moser einerseits den ganzen Begriff der Wissenschaft in sich ausgenommen, so gehörte er anderseits auch dem Leben in dessen vollster Bedeutung an. Er schloß sich keiner Freude, keinem Leid der zahlreichen Familien aus, die ihn, wie einen ihrer Angehörigen, liebten. Unserer Gesellschaft konnte er in beiderlei Eigenschaften, die den wahren Freund bezeichnen, ein Muster sein. Die Freundschüft soll der Freund, als ein Heiligthum, im Innern seines Herzens bewahren; sie bewährt sich meistens in der Noch und in solchen Fallen, die, dem Himmel sei Dank, nur die Ausnahmen unsrer Erlebnisse bilden. Aber nicht blos im Innern seines Herzens, sondern auch im alltäglichen Umgang soll der Freund, als solcher sich, zeigen. Und diese Freundlichkeit ist es, die unser Moser auch in so hohem Grade besaß. Freundschaft ist eine menschliche Tugend, Freundlichkeit aber eine Eigenschaft Gottes. Mögen Beide, wie sie bei der Begründung unserer Gesellschaft, den edeln Stiftern vorgeschwebt, und wie sie die treuen Leitsterne derseben geblieden sind, auch in dem Andenken Moser's ein beständiges Beispiel zu neuer Anregung finden! Kult- und Schul-Bericht. Wie der österreichische Kaiserstaat überhaupt den Fortschritten anderer Staaten nur langsam nachkommt, so sind auch die Fortschritte der jüdisch - österreichischm Unterthanen in Schule und Kultus, im Vergleiche mit denen ihrer Glaubensgenossen in Deutschland, nur gering. Daher unter den vielen Berichten über den politisch trüben Himmel, unter dem die Juden jenes Kaiserstaates leben, nur einzelne Nachrichten hier und da über Verbesserungen in Schule und Kultus, wie schwache Lichtstrahlen hindurchleuchten. Prag, die Hauptstadt Böhmens, welche mehr als 8,000 Juden zählt, hat blos einen Tempel, in dem ein regelmäßiger Gottesdienst abgehalten wird. Das Gemüth der Zuhörer wird nicht jede Woche durch eine Predigt erbaut, sondern stets nach vierzehn Tagen. Mit welchem Heiligenschein das Alte dort umgeben ist, beweist ferner die Opposition gegen die Abschaffung eines sinnlosen Gebetes, das bunte Engelnamen herzahlt (יהי רצון לאחר תקיעת שופר). — Die israelitisch-deutsche Hauptschule erfreut sich zwar eines gedeihlichen Fortganges — besonders durch die umsichtige und segenreiche Wirksamkeit des Hrn. Dr. Wessely, der, dem Vernehmen nach, auch an der Prager Universität als Lehrer der jüd. Religion angestellt werden soll —; allein die Schule für den hebräischen Unterricht steht verlassen da, verlassen sowohl von einem tüchtigen Lehrer im kräftigen Mannesalter, als auch — was eine Folge der ersten Verlassenheit ist —von zahlreichen Schülern. In den übrigen Gemeinden Böhmens herrscht, mit Ausnahme einiger, der alte und veraltete Schlendrian in Schule und Synagoge. Werfen wir nun unfern Blick in die angranzende Provinz Mähren, so zieht die Proßnitzer Gemeinde zuerst unsere Aufmerksamkeit auf sich. Nicht weil sie die größte ist — da die Gemeinde zu Nicolsburg dreimal stärker ist — sondern, weil, trotz des schweren politischen Druckes, sie durch das unermüdete Streben ihres geistlichen Vorstehers, des Hrn. Hirsch Fasse!, sowohl in Kultus als in Schule kräftig fortschreitet. Hr. Fasse! gehört nicht zu jenen Bilderstürmern, die in ihrer Wuth Alles niederreißen, sondern zu den weisen und vorsichtigen Reformern, die blos alte Formen abstreifen und zeitgemäßere an die Stelle setzen. (Schluß folgt.) Ueber die irothwendigsten Lehrgegenr stände der Volksschule. (Aus einer Schulrede.) Entstehet die Frage, was in einer Elementarschule gelehrt werden soll, so ist man vor Allem darüber einig, daß es Lesen und Schreiben sein müsse. In einer über die ersten Elemente hinausgekommenen Schule, nimmt man keinen Zögling auf, der nicht bereits sprechen, lesen und schreiben kann. Und dennoch, so allgemein die Voraussezzung ist, das im S p r e ch e n, L e se n und Schreiben, das erste und nothwendigste Element alles Wissens bestehe, so muß es doch geradezu eingestanden werden, daß es Viele giebt, die, nachdem sie lange einen kostbaren und vielfachen Unterricht genossen haben, zuletzt weder sprechen, - lesen noch schreiben können, und jene gute Israelitin, die vor einem deutschen Gerichte ihren Mann bei einer Gelegenheit damit

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