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Sabbath-Blatt · 1843-07-22 · 29 (22.7.1843) · p. Seite 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
29 (22.7.1843)
Date
1843-07-22
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 y chen, als Moses, der Mann Gottes? Von der Heerde abgerufen, ward er der Hirt eines großen Volkes, und führte, unter Gottes Schutz, Israel aus der Sklaverei, befreiete seine unglücklichen Brüder von den Fesseln der Schmach und der Schande, von den Banden des Götzendienstes und des Aberglaubens. Nachdem er von Gott berufen ward, ein solches Werk zu beginnen, da achtete er nicht mehr auf sein Lebensglück und seine Lebensfreude, sondern trachtete nur danach, wie er sein Volk beglücke und erfreue. Und dieses Volk, das er beglücken wollte, murrte so oft gegen ihn und überhäufte ihn mit Kränkungen, aber er ertrug alles Ungemach mit Geduld und Ergebung, und war ein treuer Diener des Herrn. Nachdem er nun alle die Leiden in der Wüste mit seinen Brüdern getheilt hatte, nachdem er erduldet, was nur ein Sterblicher erdulden kann, nachdem er in seinen Lebenstagen Nichts wie Mühe und Arbeit gehabt, da ward ihm der Tod angekündigt. Er hatte die reichste Saat ausgestreut, aber die Ernte sollte er nicht erleben; er hatte sein Volk geführt bis an die Grenze des gelobten Landes, ader sein Fuß durfte die Grenze nicht überschreiten; er hatte ausgetheilt einem Jeden ein Erbtheil im Lande der Verheißung, nur ihm blieb das Grab in der Wüste. Denn also sprach Gott zu ihm: ״Steige auf diesen Berg Abarim und siehe das Land, das ich gegeben habe den Söhnen Israels. Und wenn du dasselbige gesehen hast: so sollst du versammelt werden zu deinem Volke, auch du, so wie versammelt wurde Aaron, dein Bruder." In diesen Worten liegt die trübe Todesbotschaft, die schwer auf sein Herz fallen mußte, das erfüllt war mit der innigsten Sehnsucht nach dem Lande, wo die Früchte der reichen Saat erblühen sollten. Und dennoch, obgleich Moses keinen heißern Wunsch hatte, als mit seinem Volke nach Kanaan zu ziehen, und für dieses Werk seine Zeit und seine Kraft geopfert hatte, so hörte er dennoch ruhig an die Todesbotschaft, und ergiebt sich schweigend in Gottes Willen. Der einzige Lohn, auf den ec gehofft im Leben, der wird ihm versagt, die einzige Freude, die den Abend seines Lebens erheitern konnte, ward ihm nicht gegönnt. Moses muß sich begnügen, von der Bergeshöhe aus in das Land seiner Sehnsucht zu blicken. Und warum ward dem Manne Gottes dieser Lohn versagt; warum ward der, der ein ganzes Volk beglückt, dieses Glückes verlustig erklärt? warum ward Moses, das Muster der Frömmigkeit und Gerechtigkeit, so hart gestraft? Weil er als der Frömmste und Gerechteste einmal gesündigt, darum mußte er die härteste Strafe erleiden. Denn wer Gott am nächsten Hebt. von dem wird am meisten verlangt, und wer Gottes Werk zu vollführen und Gottes Wort zu verkünden hat, muß seinem Herrn am treuesten sein, und nur die höchste Strafe kann seine Sünde sühnen. Nach Erduldung dieser Strafe aber tritt er auch rein und heilig vor Gottes Thron, und wird jenseits des vollen Glückes theilhaftig, welches der Antheil der Gerechten ist. Wohl war für Moses die Todesbotschaft eine schmer: zensreiche Kunde, aber er murrt und klagt nicht. So fest er das Leben umklammert hält, er will es gerne hingeben, weil Gott es verlangt, und wahrend der Tod mit seinem bleichen Angesicht vor seine Seele tritt, öffnet sich ihm das himmlische Kanaan, und er schaut von der Höhe des Berges in das wahre Land der Verheißung, wo er zu seinen Vätern versammelt, umgeben von den Himmelsschaaren, den Lohn, auf den er gehofft, empfangen sollte. Amen. (8—f-cl.) Jüdische Lebensbilder. Moses Moser. (Schluß.) Die Semitischen Sprach-Studien unseres gelehrten Freundes, Dr. Aunz, und dessen Forschungen im Gebiete der biblischen und talmudischen Literatur regten nicht weniger seine Wißbegierde und seine volle thätige Theilnahme an. Poetische Freunde, wie Daniel Lessmann und insbesondre Heinrich Heine, den ec früh als ein ungewöhnliches Talent erkannte, lenkten seine Studien eine Zeit lang auf literargeschichtliche Gegenstände und namentlich auf die Deutsche Volks-Poesie des Mittelalters und der späternZeit. Heine hat ihm in dieser Beziehung viele Winke zu verdanken, die den ersten Erfolgen des Dichters ungemein ersprießlich waren, und es ist nur zu bedauern, daß der nach Paris verschlagene Poet nicht auch dort einen ähnlichen Freund, wie Moser, zur Seite hatte. Die letzte und dauerhafteste Verbindung dieser Art, hat der Verstorbne endlich mit den beiden Brüdern und Professoren Benary gehabt. Seine Vorliebe für das Sanskrit- und das darauf sich gründende vergleichende Sprach - Studium ist wohl zunächst als eine Frucht dieser Verbindung zu betrachten. Doch verschmähte er es dabei auch nicht, einer politischen Sympathie folgend, noch in seinen letzten Jahren eine Sprache, die eben so aller gelehrten Ausbeute, wie seinen bisherigen Studien fern lag— das Polnische nämlich — zu erlernen und mit Eifer zu treiben. Wie disparat sind nicht schon die wissenschaftlichen Disciplinen, deren ich hier gedachte, und doch habe ich damit nur einen schwachen Begriff von seiner umfassenden Thatigkeit geben können. Wer aber hiernach der Meinung wäre, daß Moser mit einem blos encyklopädischen Um:

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