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Sabbath-Blatt · 1843-07-15 · 28 (15.7.1843) · p. Seite 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
28 (15.7.1843)
Date
1843-07-15
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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111 Aus niederem Stande ward er auf dm Königsthron erhoden, und dennoch warf er si'ch in Demuth vor seinem Gotte nieder und sprach: Wer bin ich, o Herr Herr, und wer ist mein Haus, daß du mich bisher gebracht hast. In welcher genauen Verbindung standen die Propheten mit Gott, welches Ansehen genoffen sie in der Welt und vor den Konigen ihres Volks, und dennoch sind sie voll frommer Demuth und bereit, für Wahrheit und Recht auch zu leiden. So tritt denn, o Mensch, in die Fußtapfen jener frommen, gotterleuchteten Männer, gedenke oft des unermeßlichen Abstandes, der dich von Gott trennt, der Hülse, die er dir leistet, der Gaben, die du aus seiner milden Hand empfangen, der Schwachheit, unter der du seufzest, und wandle demüthig vor dem Herrn, auf daß du von ihm einst geschmückt werdest mit der Krone unvergänglicher Ehre. Amen. Jüdische Lebensbilder. Moses Moser. (Fortsetzung.) ״Es erscheint," sagte er, ״in der Geschichteunserer Gesellschaft ein Bild des Lebens, das nicht ohne Rührung angesehen werden mag; Glück und Unglück, frische Jugendkraft und hinfälliges Alter gehen wechselnd vorüber, in besonders großen Zügen aber jene irdische Vergänglichkeit überhaupt, die allgemeine Flucht des Daseins, die uns bei jeder neuen Zusammenkunft Freunde vermissen läßt, die wir zuletzt noch in unfern Reihen erblickten. Aber auch wie das allgemeine Leben siegreich über den Tod, wie auf den Gräbern eines untergegangenen Geschlechts ein neues fröhliches erblüht, bezeugen die 46 jährigen Register unserer Gesellschaft." Diese Worte, die eine so sinnvolle und traurige Bedeutung für uns erhalten sollten, können wir zugleich als einen treuen Spiegel seines ganzen Denkens betrachten. Wie ihm in unserer Gesellschaft ein Bild des Lebens sich darstellte, wie er in der stets sich verjüngenden Kraft des Gedankens, der sich belebt, den schöpferischen Gedanken Gottes erkannte, so wußte er auch immer in dem Besonderen das Allgemeine und in den vorübergehenden Ecscheinugen der Zeit ihre Beziehungen zur Ewigkeit, ihre Anknüpfungspunkte mir einer höhern Welt, aufzusinden. Der Sphäre eines praktischen Geschaftsleben angehörend, blieb Moses Moser, wie jener andere Moses, der im vorigen Jahrhundert eine Zierde dieser Stadt und der Stolz unserer Glaubensgenoffen war, dem Kaufmannsftande treu, während er der Wissenschaft in allen ihren Richtungen huldigte. — Früh schon und noch im väterlichen Hause hat er sich Selbstständigkeit des Geistes und Freude an Wissenschaftlicher Forschung zu gewinnen verstanden. Wir besitzen darüber ein ungemein schätzbares Dokument, ein Schreiben, das Moser im November des Jahres 1813 an unfern Freund Moses Friedlander, seinen nachmaligen Prinzipal, Associv und treuesten persönlichen Freund gerichtet hat. Der damals 16 jährige Jüngling, der bis dahin in einem Landstädtchen gelebt, wo es an allen wissenschaftlichen Anregungen und höhern Bildungsmitteln fehlte, wollte die Kenntnisse, die er, lediglich einem innern Antriebe folgend, sich erworben hatte, in der großen Stadt und in der Nahe geistig hochstehender Männer erweitern. Das Haus David Friedlanders, mit dessen Namen sich alle Traditionen von Mendelssohn und seiner schönen anregenden Zeit verbanden, eröffnete sich ihm, und mit dem ganzen Feuer eines lebhaften jugendlichen Gemüths ergriff er die ihm sich darbietende Gelegenheit. Ein Jtaliänec in Napoleons Diensten, der unfern Moser in Dciesen, wo er sich damals zum Besuche bei seinem Großvater aufhielt, kennen gelernt, war von dem Geist und den Kenntnissen des jungen Mannes so überrascht, daß er, mit Rücksicht auf dessen Wunsch nach Berlin zu kommen, das Fciedländer'sche Haus hier auf ihn aufmerksam machte. Auf die sodann an ihn ergangne Auffordrung schrieb Moser jenen Brief, in welchem er sich über den bisherigen Gang seiner Bildung aussprach. Ich erlaube mir, Ihnen daraus einige Stellen mitzutheilen, die bereits den seltenen Menschen, als der er sich später in unserer Mitte gezeigt, im Voraus erkennen lassen. Er schreibt: ״In der ländlichen Einsamkeit einer sehr kleinen Stadr geboren und erzogen, waren die Umstände meiner Geistesbildüng nichts weniger als günstig. Die Lehrer, denen mein Vater, dem seine Geschäfte sehr wenig Muße übrig lassen, die er der Erziehung seiner Kinder, deren ältestes ich bin, widmen könnte, den Unterricht meiner frühern Jugend anvertraute, waren theils pflichtvergessen, theils ungeschickt genug, um meine Geistes-Entwickelung vielmehr zu hemmen, als zu befördern. Vermöge der schon in mir rege gewordenen Wißbegierde und meines Strebens nach Vollkommenheit, durchbrach ich endlich eigenhändig die engen Schranken, brachte einiges Licht in das Chaos meiner Begriffe und öffnete mir das Feld der Wissenschaften. — Ohne Führer, wie ich da war, und da es mir überdies noch an vielen Mitteln, meir nem inneren Andrang zu folgen, gebrach, war ein glühende- Eifer und unermüdeter Fleiß nöthig, um nicht unter den manigfaltigsten Schwierigkeiten vollends zu erschlaffen. Was ich bisher an subjektiver und objektiver Bildung gewonnen habe, so winzig es auch sein mag, ich darf es als die Frucht meiner angestrengten Bemühungen ansehen. — Mit fremden Sprachen, vorzüglich der lateinischen und französischen, suchte ich mich frühzeitig vertraut zu machen, und durch die Lektüre ihre besten Schriften meinen Geist aufzubauen und meinen Horizont zu erweitern. Diese hatte auf meine moralische und ästhetische Bildung vielen Einfluß, und die Stunden, da Virgil, Horaz, Racine und Florian auf einsamen Spaziergängen mich entzückten und meine Phantasie bezauberten, gewahren mir noch jetzt sehr süße Zurückerinnerungen. In. der Mathematik vergnügte es mich, der reinen Vernunft auf die Spur zu kommen, einem Newton zuzusehen, wie er die Welten mißt und ihre beengenden Kräfte gegen einander abwägt; in der Geschichte die ganze

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