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Sabbath-Blatt · 1843-07-15 · 28 (15.7.1843) · p. Seite 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
28 (15.7.1843)
Date
1843-07-15
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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Verkettung von Wirkungen und Ursachen in den großen Begebenheiten drr Völker mit einem forschenden und theilnehmenden Blick zu durchschauen. Aus den verschiedenen Charakteren ihrer Helden schuf ich mir Ideale wahrer menschlichrr Größe und Glückfeligkeit. Ebenso verband ich bei meinem Studium derphilosophischen Wissenschaften eigenes Meditiren mit der Lektüre der besten Werke, deren ich Hab- Haft werden konnte." — So schrieb der 16 jährige Moser, bevor er Berlin gesehen, bevor er den von allem wissenschaftlichen Verkehr isolirten Aufenthalt in einem kleinen Märkischen Städtchen verlassen harte. In Berlin, wo die Zerstreungen der großen Welt, die Versuchungen gewinnversprechender Handels-Spekulationen schon manchen tüchtigen Kopf von früh gefaßten edleren Vorsätzen abbrachten, blieb er den seinigen unerschütterlich treu. Er hatte das Glück, in dem Hause seines Freundes nicht blos neue Anregungen, sondern auch, was oft mehr als alle irdische Güter sagen will, Muße zu finden, Muße, die dem Strebenden zu seinen Studien freigebig gewahrt wurde. Von Hause hatte er eine Vorliebe für die Wissenschaften Euklid's, Kepplec's, und Laplace's mitgebracht; sie sagten am meisten seiner Verstandes Klarheit zu, und ihnen hat er auch die Sicherheit zu verdanken, mit der er in seinem Geschaftsleben Chancen zu berechnen und vielverzweigte Finanzplane zu entwerfen verstand. Uebrigens aber nahm sein Bildungsgang eine universelle, keinen einzigen Zweig der Gelehrsamkeit ausschließende Richtung. Allerdings übte der nähre Umgang mit Freunden, die sich dieser oder jener Wissenschaft besonders zugewandt, einen so überwigenden Einfluß auf ihn, daß er sich für einen Augenblick derselben Disciplin mit Eifer zuwandte; doch konnte er bald darauf auch eben so leicht zu andern Arbeiten wieder übergehen. Hatten ihn anfangs die Nahe und die an das erste Erwachen des Mitgefühls für das unterdrückte Iudenthum sich knüpfenden Erinnerungen des edlen Greises David Friedländer zu ähnlichen humanistischen Bestrebungen hingezogen, wie sie das Zeitalter Lessing's und Mendelssohn's, Dohm's und Herder's auszeichneten, so führte ihn seine frühe geistige Verbindung mit unserm gelehrten Freunde, Professor Gans,,zunächst dem philosoxhischen Geschichts: und-Rechts Studium und später dem Systeme der Hegel'schen Philosophie zu. - (Schluß fgt.) Kult - und Schul - Werrcht. Neben dem ruhigen Fortschreiten in Schule und Kulms, das sich in den meisten kleinern Städten Deutschlands kund giebt, bieten uns die Hauptstädte, durch Einwirkungen verschiedener Art hervorgerufen, eine bedauerliche Zerrissenheit und Zerfahrenheit dar, einen Kampf der religiösen Ansichten und Meinungen, der in der unheilvollen persönlichen Erbitterung das eigentliche Ziel unseres Strebens verrückt. Ein solches unheimliches Gemälde sehen wir in Breslau, Posen, Prag und Frankfurt am Main. In Br es: lau hat der unselige Rabbinenkampf die einst so friedliche und einige Gemeinde in zwei Hälften getheilt und die Kluft zwischen den Anhängern des Ueberlieferten und den Fortschreitenden ungemein erweitert. Selbst jetzt, nachdem das Stichwort des Kampfes alle Bedeutung verloren hat, nachdem die Gluth des Fanatismus von beiden Seiten erloschen zu sein scheint, dauert der innere Groll der Parteien noch fort, und die heilige Begeisterung für Veredlung des Kultus und Hebung des Schulwesens, die nur ein normaler, ruhiger und friedlicher Zustand in uns anfacht, findet in den grollgetrankten Herzen keine geeignete Stätte. In Posen stehen, nicht wie in Breslau, die Anhänger des Alten an der Spitze der Gemeinde — denn dadurch, daß die Freunde des Fortschrittes sich bis auf die neueste Zeit dem Jndifferentismus in die Arme geworfen, haben sie allen Einfluß auf die Verwaltung der Gemeinde verloren —; aber indem in der jüngsten Zeit aus den Indifferenten sich Anhänger des Neuen herausoebildet, die gesonnen und entschlossen sind, mit den Orthodoxen den Kampf zu führen und um jeden Preis die Verwaltung und die Oberleitung an sich zu reißen, wird von beiden Seiten der Blick von Kultus und Schule entrückt und auf die Herrschaft dieser oder jener Meinung gelenkt. Beide Parteien vernachlässigen die Veredelung des Kultus und Ausbildung des dort sehr daniederliegenden Schulwesens. Schroffer als sonst anderswo, wie auch in anderer Weise, stehen sich die Parteien in Frankfurt am Main gegenüber; die fuperstitiöseste Orthodoxie und die alle Schranken überspringende Neologie finden sich in dieser Gemeinde beisammen, und in dem Maaße als von beiden Seiten nach der alleinigen Oberleitung der ganzen zahlreichen Gemeinde angekämpft wird, in demselben Maaße bereitet sich dort ein Kampf vor, wie er vielleicht in keiner andern Stadt je Platz gewonnen. Um Schule und Kultus an sich wird bei einem Meinungskampfe der Art gar nicht mehr gefragt. F. Lese-Zimmer. o. Der Unterricht in der jüdischen Religion nach der Bibel, von Lehrer I. L. Ehren fr red. Mit Moses Bildniß. Breslau, 1843. 8. Selbstverlag des Verfassers. 6. Synagogen-Ordnung für die Synagogen des Großherzogthums Meklenburg - Schwerin, unter allerhöchster Genehmigung festgesetzt von dem Großher. Oberrath in Schwerin. Schwerin, 1843. 8. bei E. Kürschner. 7. Lebens-- Tugend- Klugheits- und Bildungsregeln. Ein Sittenspiegel für Jedermann, zunächst aber für junge Leute beiderlei Geschlechts. Von S. L. Liepmannssohn. Essen, 1842. 16. Eigenthum des Verfassers und zu beziehen durch G. D. Bädeker in Essen. 8. Ueber Sabbath- und Feiertagsschulen und deren Einrichtung. Von EmmanuelHecht. (Verfasser des: ״Handbüchlein für h. Leseschüler" und der ״bibl. Geschichte für Kinder von 6—9Iahren.") Fulda, 1843. 8. Müller'sche Buchhandlung. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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