Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 28 (15.7.1843)
- Date
- 1843-07-15
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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110 neue Welten und Weltsysteme, und alte sinken in das Nichts zusammen. Und du bist ein Kind der Schwachheit und vermagst nicht einmal, dich gegen geringe Unfälle zu schützen. Er war, ehe die Berge waren und die Welt geschaffen worden, und seine Jahre nehmen kein Ende, und du gleichst der Blume des Feldes, die des Morgens blüht und des Abends dahin stirbt und verwelkt. In schnellem Fluge eilen deine Tage dahin, und bald umschließt auch dich wie deine Vater das enge Bretterhaus. Was sind alle Kenntnisse und Einsichten, die du dir mit so vieler Mühe und Anstrengung, mit so großen Opfern und Beschwerden erworben, gegen die Einsicht Gottes. Vor seinen Augen liegt Alles, was Himmel und Erde umfaßt, wie ein aufgeschlagenes Buch, auch die geheimsten Gedanken und Gefühle der Menschheit sind ihm nicht verborgen. Wer kann dies Alles mit seinem schwachen Geiste ersaffen! Wer muß nicht erstaunen und in Staunen versinken, wenn er Gottes Majestät betrachtet! Wer muß sich nicht vor ihm demüthigen und sprechen: Wer ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und das Menschen Kind, daß du auf ihn achtest! Und dieser Gott ist heilig; er ist unsträflich auf allen seinen Wegen und gerecht in allen seinen Werken. Licht ist sein Gewand. Selbst die Serasim (Jes. 6, 3.) bedecken vor ihm ihr Antlitz, wenn sie den Lobgesang anstimmen: ״Heilig, heilig, heilig ist der Herr Aebaot, alle Welt ist seiner Ehre voll." Und du bist ein sündhafter Mensch und mußt bei einer strengen Selbstprüfung bekennen, daß du noch mit so vielen Mängeln und Schwächen behaftet bist. Gestehe es nur ein, daß du so oft Gottes Wort nicht gehalten und nicht Liebe geübt hast. Gottes Wort wird dir unablässig verkündet, Gott läßt seine mahnende, warnende, strafende Stimme unablässig an dich ergehen. Wie oft hast du sie überhört, wie oft nicht beachtet. Es ist nicht genug, daß du die Gebote, welche dein äußeres Verhalten betreffen, sorgfältig befolgst, daß du deine Gebete täglich vor dem Herrn mit deinem Munde herfprichst, und fleißig im Gotteshause erscheinst. Durch solche äußere Gebräuche allein kannst du dir Gottes Wohlgefallen nicht erwerben. Denn der Herr hat, wie der Prophet in der Haftara sagt, kein Gefallen an viel taufend Widdern oder Oele, wenn es gleich unzählige Ströme wären. Du sollst Gottes Gesetz im Herzen tragen ותורתך בתוך מעי Ps. 40, 9. und dein Herz zu einem Tempel machen, in dem Tugend und Frieden wohnen, du sollst aus dir jeden unlautern Gedanken, jede sträfliche Neigung, jede sündhafte Begierde entfernen. Kannst Du nun die Falte deines Herzens vor dem, der Herzen und Nieren prüfet, durchmustern, ohne es mit tiefer Scham einzugestehen, daß du nicht also, wie du es wohl konntest und solllest, Gottes Wort gehalten und Liebe bewiesen hast. Aber auch mit dem guten Wecken, die du vollbrachtest, und die dir nicht nur den Dank, sondern auch die Achtung deiner Mitmenschen erworben, darfst du vor Gott nicht brüsten, sondern mußt vielmehr bei ihrer Betrachtung in das Bekenntniß Davids mit einstimmen: ״Nicht uns, o Herr, sondern dir und deinem Namen gieb die Ehre." Denn Gott bot dir nicht nur die Gelegenheit zu ihnen da!׳, sondern verlieh dir auch zu ihrer Ausführung die erforderliche Kraft. Er gab dir die Mittel, durch welche du dem Dürftigen aufhalfst, fremde Noch lindertest, fremde Thränen trocknetest. Er segnete das Werk deiner Hände mit solchem Erfolge, daß du noch andere mit dem Deinen unterstützen konntest. Du nahmst dich der Verlassnen an, die mit trübem Blicke in eine kummervolle Zukunft schauten, du thatest manche Fürbitte zu ihren Gunsten, machtest manchen Gang, der nicht zu den leichten gehörte und es gelang dir, sie auf den Weg hinzuführen, wo sie nicht nur ihr zeitliches Fortkommen finden, sondern auch zum Segen der Welt mit Freuden wirken. Willst Du nun dabei nur dich rühmen und Gottes vergessen, der dir einen Einfluß verlieh, und die Herzen der Menschen deinen Bitten und Rathschlägen öffnete!— Du standst Andern mit deiner Einsicht zur Seite, öffnetest bereitwillig den Schatz deiner Erfahrungen, und bewahrtest sie dadurch vor manchen Verlegenheiten und Unfällen. Wer gab dir die Einsicht, wer ließ dich die Ersahrungen machen, durch welche du Andern nützlich wurdest? Jst's nicht der Herr, von dem alle Weisheit zu den Menschen herabkommt! Darum blicke bei jeder guten That, die dir gelang, dankbaren Herzens zu Gott empor und erkenne es in Demuth, daß du nur wie Diener und Werkzeug warst, durch welche er über die Welt die Fülle seines Segens ausschüttet. Solche Demuth beweisen alle die Männer, die unS in der Schrift als Muster aufgestellt worden, und die sich deS Beifalls Gottes erfreuten. Wer war mehr ausgezeichnet, als Abraham, ein Fürst Gottes, der die Verheißung hatte, daß sein Same so zahlreich werden soll, als die Sterne des Himmels und der Sand am Meere — und wie demüthig war er vor seinem Gotte. Er sprach: (1 Mos. 38,27) ״Siehe ich habe mich unterfangen mit dem Herrn zu reden, wiewohl ich Staub und Asche bin." Wie hoch war Jakob von Gott begnadigt— und doch welche Demuth zeigte er, als ec sprach: fl Mos. 32, 10) ״Ich bin zu geringe aller Treue und Barmherzigkeit, die du an deinem Knechte gethan hast." Wie viele Beweise der göttlichen Huld hatte David erhalten.