Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 27 (8.7.1843)
- Date
- 1843-07-08
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8620046-8635247-8636245--279-8620267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
106 sinnungen und Gedanken zu bewahren, und jeder einzelne Israelit hat die Aufgabe: in seinem Kreise dafür zu sorgen, daß Nichts geschehe, was die Ehre seines Volks beflecken und eine Entweihung des offenbarten Gesetzes und seines göttlichen Urhebers, oder ein חלול השם sein könnte. Unser Volk, so lange es noch sein eignes Land bewohnte, also durch ungefähr fünfzehnhundert Jahre, trieb, als seine eigenthümliche Beschäftigung, Ackerbau, überhaupt alle Zweige der Landwirthschaft und Heerdenzucht. Jndrß nach seiner Zerstreuung wurde es allmälig, durch vielfache Bedrückungen und Ungerechtigkeiten, gezwungen, sich einem als Hauptbeschäftigung ihm bis dahin fremden Erwerbszweige zuzuwenden, nämlich dem Handel; denn jeder andere bürgerliche Erwerb war ihnen unmöglich gemacht worden. Es ist bekannt und eine sehr erfreuliche Erscheinung, daß es vielen Israeliten gelungen ist und gelinget, auch in dieser, ihren Ur - Vätern fremden Erwerbsthätigkeit sich ihr mit tiefem, rechtlichen Sinne hinzugeben, und indem sie den Handel in seinen großen, wichtigen Intereffen zu erfaffen und sich anzueignen wissen, sich in solcher Weise zu einer ehrenvollen Höhe eines makellosen Rufes, ja selbst bürgerlichen Ruhmes zu erheben. Aber es ist auch nicht zu leugnen, daß dieselbe Beschäftigung des Handels, mit unbedeutenden Mitteln in einem kleinem Kreise getrieben, daß sie dann sehr geeignet ist, kleinliche Gedanken, einen kleinlichen Eigennutz in dem Menschen wach zu erhalten. Ja, wenn wir gerecht sein wollen, so müssen wir die schwierige, angstvolle, unglückselige Lage des Armen würdigen, und statt ihn zu verdammen, ihn bemitleiden, der darauf angewiesen ist, mit dem kleinen Gewinn eines heißen Tages die Bedürfnisse einer Familie zu befriedigen und den Hunger der Seinen zu stillen. Wir müssen begreifen, wie schwer es ihm unter diesem niederdrückenden Joche des Lebens sein muß, seinen Geist zu höhern Gedanken und Entschlüssen zu erheben. Aber dennoch Unglücklicher, der du noch schwer an der Last trägst, welche die Unbill, der Haß vergangener Iahrhunderte deinem Volke auflud, vergiß nicht, daß du bei der beschwerlichen Wanderung deines Tages unter dem Himmel Gottes dahin gehest, vergiß nicht, daß dies Leben nur kurze Zeit währet, und daß du dann bist, als Kind Gottes, wür: big zur Ewigkeit einzugehen. Zu einer untergeordneten Stellung unter deinen Mitmenschen angewiesen, suche dir durch unerschütterliche Rechtschaffenheit und Redlichkeit, durch ein anstandsvolles Benehmen ihre Achtung zu erwerben und namentlich auch die eigene Achtung vor dir selbst zu bewahren. Dies ist das einzige Mittel, um deine innere Zufriedenheit, dein inneres Glück zu sichern, und auch dein äußeres Leben, wenn es Gottes Wille ist, besser, glücklicher zu machen. Denn, leidenschaftliches Haschen nach Gewinn trägt selten die gewünschten Früchte: ״ .איש אמונות רב ברמת ואץ להעשיר לא ינקהDer redliche Mann gewinnt reichen Segen, und der da rennt nach Reichthum bleibt nicht sündenrein." Ein achtungsvolles, ehrenwerthes Benehmen ist ein hoher Schmuck, den sich auch der Aermste verschaffen kann, und das Vertrauen, das du dir durch Redlichkeit erwirbst, wird dir bessern Gewinn bringen, als der ist, den du durch unedle Benutzung eines augenblicklichen Vortheiles gewinnest, durch welchen du den einmal Getauschten für immer von dir hinwegtreibest, dich der Gnade Gottes und seines Beistandes unwürdig machest und den einzigen Schmuck deines ohnedies unglückseligen Lebens zu Grabe trägst. Vor Allem aber bedenke, was du den Deinigen, was du deinen Kindern schuldig bist. Sprichst du nicht täglich, wenn du aufstehest und wenn du dich niederlegst: ושננתם ״ לבניךlehre und schärfe die Gesetze Gottes deinen Kindern ein," die Gesetze der Niedlichkeit, der Heiligkeit, die Lehren der Gottesfurcht. Was soll aus ihnen werden, wenn du ihnen nicht Erkenntnisse und Empfindungen, wie du sie in der Religion, in der heiligen Schrift findest, und wenn du ihnen nicht höhre Vorsätze für ihr Leben einflößen kannst? Sollen sie auch in deinen Fußtapfen gehen, auch ihr Leben lang die schwere Kette deiner beweinenswerthen Noch und Widerwärtigkeit nach sich ziehen? Willst du sie schon früh gewöhnen, unter einem Berge von Trödelwaaren hinter dir her zu keuchen und deine Wege, die Wege der Armuth und der Dürftigkeit, zu lernen? Freilich ist es dir eine wünschenswerthe Erleichterung, an ihnen eine Stütze zu finden; die Last deines Hauses wird dir, wenn deine Kinder heranwachsen, zu schwer, sie sollen sie mittragen helfen. Aber dem ohngeachtel bringe noch das letzte Opfer, eröffne dir noch diese letzte Hoffnung deines Lebens. Willst du deine Kinder nicht glücklicher sehen, als du wärest? Dereinst geachtet und im Wohlstände, durch eine Kunst, durch ein Handwerk, eine Wissenschaft, durch irgend einen bessern Erwerb des Lebens, den sie gründlich erlernten? Daß auch du in deinen alten Tagen bei ihnen eine Ruhestätte finden und den Trödel und den Jammer deines Lebens abwersen mögest! Darum, wenn du von deinem schweren Tagewerke heimkchrest, gedenke Gottes und dessen, was du als Mensch,