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Sabbath-Blatt · 1842-12-31 · 27 (31.12.1842) · p. Seite 108

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1842
Issue
27 (31.12.1842)
Date
1842-12-31
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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108 zu seiner Seite. Wie duWelle, die daherrauscht und verrinnet, wie das Mor^nroth, das aufflammt und dahin ist, also sind oft unsere Hoffnungen, unsere Wünsche. Aber wie die Snne, die am Himmel bleiber, wie der mächtige Stror, der seit Jahrtausenden dem Meere zueilt, also ist dr Glaube an Gott, den Unwandelbaren, also ist die Sehnsucht des Herzens, das sich in die ewige Quelle seines Lebens versenkt. Wenn die Blätter des Herbfts fallen, wenn das Grün der warmen Sonnentage erbleicht und sich unter dem Leichentuchs des Winkes verbirgt, wenn die Jahre wechseln und schwinden, das ist es dann, was uns so mächtig ergreift, was unsere Seele mit Schwermuth erfüllet, was, als der Ged.nke an die Unhaltbarkeit und Flüchtigkeit der Zeiten und jeder Lebensfreude, die mit ihnen kommt und fliehet? Zwar du fchwichtigest Lein Herz und sagst dr: der Frühling wird wicderkommen! Aber weißt!u, ob er dir wiederkommt, oder, wenn du noch stnen jungen Hellen Tag erblickest, ob es in deiner Sele noch so hell seyn wird, als ehedem? Gewiß er koumt wieder und bringt alle Blüthen und warmen Stmden mit, die uns der Herbst geraubt, aber nur nicht die Blüthen so mancher Lebensfreude, die dir seirdeu hingewelkt, aber nur nicht die warmen Stunden des Entzückens, das in der grausamen Enttäuschung des Lebens unterging. Wehe uns, wenn der Glanz des Erdenfrühlings unsere Hoffnung ist, wenn, was aus dem Grabe der Vergänglichkeit erblühet, uns deL Verlangens werth scheint, und wenn, was flüchtig ist, uns zum bleibenden Ziel unserer Wünsche, unserer Hoffnungen geworden. Wir bauen auf unsere Kraft, aber eine Stunde des Unglücks und sie ist gebrochen, wir rechnen auf unsere Güter, aber eine Anfeindung des Geschickes und sie sind geschwunden, wir bauen uns in unserm Geiste die liebliche Hütte unseres Glückes; alle die freundlichen Gestalten unseres Lebens ziehen mit uns ein, alle, die uns theuer sind, bilden den Kreis, in welchem wir mit freudigen Blicken umherschauen. Aber was der Erwartung gclächelt, wird oft thränenvoll bei der Erfüllung, und was farbenreich erblühet, sinkt oft bleich und welk darnieder. ' - Nur Eines ist bleibend, und ihm vertrauend konnen wir genießen, was uns zu Theil ward, Eines ist bleibend, es ist Gott, der Unwandelbare. Er hat unfern Vätern zugesagt, und hat es vollbracht. Sitz vertraueren ihm noch vor der Erfüllung, ihr Glaube war stark, noch bevor sie die Werke seiner umvandelbaren Treue gesehen, und sollten wir, an denen alle jene Wunder bereits vorübergingen, sollten wir je kleinmüthig werden, könnten wir je unsere Hoffnung setzen auf das, was nichtig ist, und dm Trost, die Seligkeit vergessen, die in dem Gedanken liegt, daß es ein Bleibendes giebc, die unwandelbare Liebe und Treue Gottes? Was willst du hoffen, irrender Pilgcr der Erde, wenn der leitende Stern des Lebens deinem Blick entschwunden, und wie magst Lu fürchten, wenn der leuchtende Himmel des Glaubens sich über deinem Haupte wölbet. Zn wie reichen Lehren stellet die Schrift dies falsche Erdenvertrauen dem ewigen Gottesvertrauen entgegen. »Trauet nicht, sagt der Psalmist, auf Mächtige, auf den Erdensohn, in dem keine Hilfe ist, תצא רוחו ישב לאדמתו ביוב ההוא אברו עשהנתיו - (Pf. 146) es entflieht sem Geist, er kehrt zum Staube wieder, und mir dem Tage sind alle seine Pläne hin." Und wer unter uns hätte Solches noch nicht empfunden und erfahren! Wem unter uns wäre nicht schon so manche heitere Hoffnung des Lebens zu Grabe getragen worden! Zhre Liebe, die auch uns geweihet war, hätte so Manches in unserm Leben freundlicher gestaltet. Zhre Vorsätze, ihre Pläne, die unser Glück mit umfaßten, versprachm uns so viel, ließen uns so sicher hoffen. Doch ihre letzte Stunde kam, ehe wir gefürchtet, und wo wir ein Glück erwartet, thürmt sich ein Grabeshügel. Traue dem Menschen nicht, dem flüchtigen Erdenleben, es schwindet nur zu leicht und mit ihm alle deine Hoffnungen. Aber, sagt der heilige Sänger ferner, ה' אא־זיו hv אשרי שאל יער!' בעזרו שברו, -,Heil ihm, der in dem Gotte Jakobs seine Hilfe sucht, der sein Hoffen auf den Ewigen setzet, seinen Gott." Und wie wir unsrer selbst auch , nicht gewisser sind, und wie wir unfern Erdenjahren auch nicht vertrauen können, und ihr Ziel und letzte Stunde uns verhüllet ist, so bleibt auch hier, wie die Schrift uns mahnet, der unwandelbare Schöpfer nnd Erhalter unseres Lebens unsere einzige Zuversicht und Hoffnung: .כלה שארי ולבבי צור לבבי וחלקי אל' לעולם »Mag auch vergehen mein Fleisch und mein Herz, meines Herzens Fels und mein Antheil, Gott, er bleibt mir für Ewigkeiten."

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