Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 24 (10.12.1842)
- Date
- 1842-12-10
- Page
- Seite 96 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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96 mit dm Einwohnern von Sichem in Streit gerathen waren, bereiteten, und woran er selbst auf dem Sterbebetre noch gedachte. Auch Rahel, sein geliebtes Weib, der einzige Helle Strahl in seinen trüben Lebenstagen, starb ihm unterwegs, und zu allem Jammer gesellte sich noch die Trauer um seine Gattinn, für die er auf der fremden Straße ein Grab bestellen mußte. Endlich hatte er sein väterliches Haus erreicht, aber — La fand er seinen Vater alt und lebenssatt, und er war nur noch Zur Zeit gekommen, um denselben zu begraben und zu betrauern. — Die Trauer um den Vater hatte kaum aufgehört, da traf ein neues Unglück den schon so hart geprüften Patriarchen und es wurde ihm gesagt, sein Sohn Joseph sei der Raub eines wilden Thieres geworden. Da zerriß Jakob seine Kleider und trauerte um seineu Sohn lange Zeit, und obwohl die Seinigcn ihn trösten wollten, so verschmähte er dennoch jeden Trost, und sprach: » Ich werde mit Gram hinabfahren zu meinem Sohne in die Gruft!" So war denn für Jakob das Leben so freudenleer geworden, so gramerfüllt, daß nur die Liebe zu Benjamin, seinem jungsten Sohne, ihn aufrecht erhielt und mit mattem Schimmer seine Schmerzensnacht erleuchtete. — Da kam Hungersnoth ins Land, und es blieb dem Patriarchen nur die Wahl, entweder seinen Sohn Benjamin nach Ägypten mitzuschicken, oder sich und sein Haus dem Hungertode preis zu geben. Jakobs Herz ward wieder verwundet, als er seinen jüngsten Sohn dahin gehen sah, und er sprach: »Kinderlos muß ich bleiben!" So blieb der Greis allein in seinem Elende; alle seine Kinder hatten ihn verlassen. Da warf er einen prnsenden Blick auf die Vergangenheit und er fand nichts wie Jammer und Elend. Doch nun, als dcr Patriarch im Meere des Leidens alle Tiefen gemessen hatte, — da hörte das Geschick zu toben auf, cs begann ihm, dem Gerechten, das Licht der Freude zu leuchten, und eine schöne, Frieden verkündende, Abendsonne stand am Horizonte seines Lebens, denn die Söhne kehrten Alle heim und brachten die Nachricht, daß Joseph lebe. Da lebte auf der Geist Jakobs und der Patriarch sprach: »Genug! mein Sohn lebt, und ich will hinabziehen, und i^tt sehen, ehe ich sterbe! Aus diesem Überblicke geht zur Genüge hervor, daß Jakobs Lebensjahre trüb waren und freudenarm. Welcher Gedanke aber hielt den Patriarchen aufrecht in seinem kummervollen Leben? Es war der Gedanke an die Ewigkeit, es war der Gedanke daß das Leben nur eine Pilgerfahrt sei, und das Ziel der Reise — das Himmelreich. Darum spricht Jakob: ימי שני מגומי weil er die feste überzeugung hatte, daß der Mensch hier auf Erden nur ein Pilger, ein Fremdling sei, und nach der mühevollen Wallfahrt eingehe in das Land des Friedens, nach dem schmerzensreichen Erdenleben eines ewigen Frre- Leus theilhaftig werde. So möge auch dich, Unglücklicher! der Gedanke an die Heimath aufrecht halten, wenn du auf der Reise durchs Leben an dorncnreiche Wege, an steile Berge, an Klippen der Gefahr und Noch gelangest. Jede Reise hat ein Ziel, so kommt auch für dich Zeit und Stunde, wo du ausruhen wirst in der Pilger- Hütte, die Gott selbst für dich bereitet. Findest du hier keine Hütte, in der Lein Herz Ruhe gewinnen kann, so wisse, um ein Klcines noch, und das unruhige Herz hat ausgcschlagen, der Kampf ist zu Ende, die Waffen ruhen, und Cherubim reichen dir die Siegcskrone. Wenig sind die Lebensjahre des Menschen, es währt nicht lange, so bist du am gewünschten Ziele, darum kämpfe muthig, so lange dir Gott den Kampf ans Erden auferlegt, nimm alle deine Kräfte Zusammen und pilgere mit festem Mnthe, ergreife deinen Pilgerstab, halte fest am Glauben und weiche nicht vom Wege des Rechts. Dann bist Lu gewiß, daß du des Zieles nicht verfehlest; laß die Religion der leuchtende Stern sein, der dich geleitet Lurch die Pilgerbahn, Laß du nicht versinkest in Nacht und Grauen. Sprich wie David: *) גר אנכי בארץ.אל תסתר ממני 3$« מצרחך. &m ein Fremdling auf Erden, aber entfremde mir nicht deine Gebote." Ein Fremdling bist du wohl auf Erden, aber ein Fremdling sei nicht in Bezug auf das Gebet des Herrn. Denn das Wort Gottes stammet aus der Heimath, aus dem himmlischen Vaterlande, das Gesetz ist der Segensgrüß aus dem ewigen Vaterhause. Daran halte, und weiche nicht weder zur Rechten noch zur Linken, alsdann hast du einen Quell des Trostes gewonnen für deine trüben Lebensjahre, gleichwie Jakob in seine» 1) Ps. 119, 19.