Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 23 (3.12.1842)
- Date
- 1842-12-03
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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93 Aber dieser Gedanke ist keine Erfindung, kein erstes Eigenthum der neuern Zeit, sondern, wie er schon in dem natürlichen Rechte gegründet ist, so hat ihn bereits in seiner ganzen Ausdehnung das Gesetz Mosis aufgeuommen. Auch unter den Israeliten war ein Jeder, und zwar vom LOsten Jahr an, kriegspflichtig, daher der oft wiederkehrende Ausdruck כל?כר מבן עשרי□ שנה ״ למעלה כל יצא צגאJeder Mann, vom zwanzigsten Jahr an und darüber, Jeder der zum Heeresdienste ausziehet." 4 Mos. J, 18 ff׳ Aus dieser Verfassung des Volkes, nach welcher Jeder die Waffen zu tragen, nicht allein verpflichtet, sondern auch von Jugend auf gestimmt und geübt wurde, aus ihr erklären sich die merkwürdigen Erscheinungen in den Zeiten der Richter, einer Periode der Hebräischen Geschichte, die gar oft falsch ausgefaßt und beurtheilt wurde. ״Zu jener Zeit war kein König in Jsrael, Jeder konnte thun, was er wollte," Lies ist der stehende Ausdruck zur Eharakterisirung jener Zeiten. Und doch, wie kam es, daß wenn damals irgend ein Mann sich erhob, der den rechten Geist im Volke zu wecken wußte, daß sich um ihn stets so große Schaaren kriegerischer Männer zu oft glänzenden Siegen sammelten? Wie kam es, Laß Jsrael damals, wiewohl oft (doch zum Theil nur in einzelnen Grenzstämmen) unterdeückt, dennoch in bei weitem großsrn Zeiträumen frei blieb? Denn obschon der Druck zwei mal 20 Jahre, einmal, durch die Philistäer, sogar 40 Jahre dauert, so waren doch die Zeiträume ihrer Unabhangigkeit bei weitem größer, indem sie durch Othniel, Deborah, Gideon je für 40 Jahre, zusammen also für 120 Jahre, unter Thola und Jair 45, durch Ehud 80 Jahre befreit blieben, so daß die Zeiten der glücklichen Freiheit ganze zwei Drittheile jenes, als so arg betrachteten, Zeitraumes, nach den eignen Angaben des Buches der Richter, einnahmen. Wie sind diese Erscheinungen, oder jene hartnäckigen, durch Jahrhunderte sich hinziehenden Kämpfe und Aufstände gegen die Römer, deren Übermacht Israel endlich, wie so viele Völker, aber gewiß nicht rühmlos unterlag, wie sind sie anders zu erklären, als aus dem, durch seine Verfassung im Volke genährten, männlichen Geiste, einem Geiste der Freiwilligkeit und des Muthes, bei welchem sich ein allgemeiner Volksausstand, wie wir ihn in unserrn Vaterlande gesehen, auch dort gar leicht Hervorrufen ließ! (Schluß folgt.) wwww*• vwhww Literatur. Das Duch der Sagen und Legenden züdikcher Norpit. Nach den W-uellen bearbeitet nebtt Anmerkungen und Erläuteruugen von Abraham M. Tendtau. Stuttgart, Catt'kche Buchhandlung. 1842. Herr Lendlau hat in diesem Büchlein diejenigen jüd. Sagen und Legenden, welche reich an ethischem Werthe und poetischem Gehalte sind, in einer fließenden, gefälligen Sprache, theils in Prosa, theils metrisch wiedergegeben. Wir müssen das Streben, jüd. Volkssagen an das Licht zu fördern und in Las Gewand deutscher Sprache zu klei» Len, um so eher anerkennend würdigen, da die Schwierigkeiten bei solcher Wiedergabe nicht zu verkennen sind. Wir theilen Len Lesern unseres Blattes eine Probe aus dem Buche der Sagen mit, und wünschen dadurch eine rege Lheilnahme zu erwecken. Die früljretfen Feigen. (Nach Sc'ialscli. Halvk• fei. 30. 601. 1.) Nicht immer war Hispaniens Land Judäas Stamm verschlossen, Und mancher Geist wird uns genannt, Der herrlich dort gesprochen; Zu Nutz' und Fromm' der Wissenschaft, Den Seinen auch zu Ruhm und Kraft. Vergönne mau dem Geiste nur, Die Schwinge frei zu heben, Und zeigen wird sich Gottes Spur, In jedes Volkes Leben. Doch wenn sich häufe! Druck und Noch, Erschlafft der Geist und scheinet todt. Nicht nur als noch der Mauren Stamm Den Halbmond hoch geschwungen; . Auch unter Christi Kreuzssflamm' War Juda's Nam' erklungen. Als Alphons herrscht' zu Arragon, Ein Jacob auf Castiliens Thron. Da sah man auch manch herrlich Wort Des Dichters Brust entquellen; Das klang begeistert weiter fort, Der Hörer Herz zu schwellen; Was Hohes uns der Dichter beut. Hat stets ja menschlich Herz erfreut. Sie sangen Gottes Ruhm und Macht, Wie er sich kund gegeben, In Erden und in Himmelspracht Und in des Menschen Leben, Sie sangen auch manch tröstend Wort Und kündeten Jeschuruns Hort. Vor Allen glanzte Salomorr, Gabirols edler Sprosse, In Granada als Jünglings schon Und dann in Saragosse,