Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 22 (26.11.1842)
- Date
- 1842-11-26
- Page
- Seite 89 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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89 geh mit Gott! Wenn dieser Wunsch, den du ihm für den Heller mitgiebst, Den du sparen willst, wenn er an ihm in Erfüllung ginge, wenn er also mit dem Gedanken an Gott zu Einem werden könnte, dann bedurfte er wahrlich deiner Gabe nicht und wäre reicher als du. Mit dieser Seligkeit, mir diesem unversiegbaren Quell des innern Reichrhums und Vertrauens hättest Lu ihm ein schöneres Geschenk gemacht, als mit all deinem Neichthum und deiner Habe. Mit dieser Demuth der Gesinnung, die im Gedanken liegt, in dem heiligen Geleite Gottes zu seyn, und zugleich mit diesem Stolze, mit dieser Zuversicht der Thatkraft in seinem Herzen, könnte er beginnen, was er wollte und es würde ihm gelingen, und, sey es noch so schwer, er würde es vollenden. Und so war Joseph! Die Erniedrigung erniedrigte ihn nicht und die Erhebung machte nicht, daß er sich überhob. Gott war mit ihm, so war selbst in des Kerkers Nacht sein lichter Geist nicht getrübt. Gott war mit ihm und seine Liebe, darum klagte er seine Verläumderinn nicht an, darum wußte er denen zu verzeihen, die ihn in den Kerker gebracht, und seiner so mitleidslos vergessen, Gott war mit ihm, darum empfing er die Brüder, die ihn morden wollten, mit Thränen der Bruderliebe, mit den offenen Armen der Versöhnung. Möge Gott also auch mir uns seyn! möge die Kraft seines Wortes, solchen Neichthum der Liebe, solche Freudigkeit des Wirkens, solche Fülle und Uncrschütterlichkeit des Mnthes und des Trostes auch unfern Herzen einfiößen! Dann würde die Zeitlichkeit nimmer über Len Gedanken der Ewigkeit Ln uns sie» gen können, und was vermöchte dann die Welt mit all dem Wechsel ihres Geschickes, mit all dem Glanze ihrer Verführung, mit all den Schrecken ihres Hasses, über Las Herz, das von Gott wahrhaft erfüllt wäre. Dann würden wir wahrhaft fühlen, was die Menschenliebe fordert, und was die Gottesliebe darreicht; ungetrübt und unversiegbar, würden wir, wie jener Joseph, dann in uns tragen den Quell eines heiligen Vertrauens, den Trost einer höher» Zuversicht. Amen. 8—2. Literatur. [3 oft, legislative Fragen.^ Wir kommen noch einmal auf diese werthvolle Schrift zurück, die in einer lichten, würdevollen Sprache, die Verhältnisse und Wünsche der Israeliten Preußens durchgehet und in Jedermanns Händen zu sein verdiente. Die Fragen, mit denen dieselbe sich beschäftiget, sind folgende: 1. Sind Gründe vorhanden, welche eine Abänderung der bestehenden Basis für eine die Juden im Preußischen Staate betreffende Gesetzgebung erheischen? 2. Haben die Juden in ihrer Zerstreuung eine Nationalität? 3. Kann es dem Interesse eines Staates Zusagen, die Juden als Nation zu behandeln, liegt es in der Macht der Gesetzgebung, sie zu einer Nation zu machen? 4. Wie fern bilden die Juden im Preuß. Staate eine Corporation? 5. Sind die Juden durch ihr Religions - Bekmntniß gehindert, Militairdienste zu leisten? 6. Wie ist der geschichtliche Boden beschaffen, auf welchem die Preußischen Juden stehen? 7. Wie fern ließ sich bei den herrschenden Ansichten eine Ausgleichung der obwaltenden Schwierigkeiten denken? 8. Wie fern hat die Gesetzgebung die Gewissensfrei« heit der Juden zu beachten? Die jetzt erschienenen ,,Nachträge" zu obiger Schrift suchen besonders darzuthun, wie diejenigen, welche sich mit den, die Juden betreffenden, gesetzlichen Fragen beschästigen, größtentheils diese Juden nach ihrem Wesen und ihren wirklichen Verhältnissen zu wenig kennen, als daß sie sich im Stande befänden, ihnen wirklich gerecht zu werden. Sehr beherzigungswerthe Wahrheiten enthält in dieser Beziehung folgende Stelle: ״Durch die angeordnete Untersuchung der faktischen Zustände wird die Gesetzgebung aus dem Gebiete der bloßen Speculation in das der Wirklichkeit gerückt, und zu gleicher Zeit gewinnt die Betrachtung Zeit und Stoff, um die Richtigkeit mancher herrschenden Ansicht zu erproben. Denn was die Gesetzgebung in Betreff der Juden nicht bloß der Preußischen Länder, sondern aller, in welchen eine gerechte Reform erstrebt ward, von jeher erschwerte, ist die völlige Un künde der Stimmgeber mit dem Gegenstände und dem Einflüsse der Gesetze. Selbst diejenigen, welche es sich zum Zwecke gesetzt haben, die jüdischen Verhältnisse näher zu kennen, oder deren Amtsthätigkeit eine nähere Einsicht erheischt und hervorbringt, pflegen nur eigentlich immer eine einzelne Seite vor Augen zu haben, dis sie für die wesentliche halten, und alle übrigen bleiben ihnen verborgen. Daher finden sich Staatsmänner, welche als Gelehrte einen großen Umfang von jüdischen Traditionen überblicken, und dieselben entweder als religiöse Symbole für ehrwürdig halten, oder als Verirrungen des menschlichen Verstandes ver-