Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 22 (26.11.1842)
- Date
- 1842-11-26
- Page
- Seite 88 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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88 du nun solche Rücksicht verlangst, daß du kein todtes Räderwerk zu seinen Diensten bist, sondern in dir ein freier, göttlicher Lebenshauch waltet, das ist, weit entfernt, dich in Leinen Augen werther zu machen, ihm nur unbequem und ärgerlich. Die biblische Geschichte, unnachahmlich und über Alles lehrreich in ihren Erzählungen und Charakter- Bezeichnungen, veranlaßt uns, in Bezug auf Joseph zu solchen Betrachtungen. Joseph kam in die Dienste eines ägyptischen Manues. Gott, heißt es, war mit Joseph, er war ein Mann, dem Alles, was er unternahm, gelang, denn ״Gott ließ es ihm gelingen". Solches merkte sein ägyptischer Herr. Joseph fand Gurrst in seinen Augen, TW וישרת , und jener benutzte ihn als seinen Diemr. Er übergab ihm sein ganzes Hauswesen, in welches durch Joseph der Segen Gottes kam. — Gott war mit Joseph, dieses hatte er bis dahin, in einer glücklichen Wendung seines eigenen Geschickes noch wenig erfahren. Aber diese Nähe Gottes, diese unerschütterliche Zuversicht zu dem Ewigen, gab ihm eine Freudigkeit, daß er der Schmerzen seiues Lebens vergessen konnte und all der Unbill, die!hm von seinen Brüdern widerfahren, und daß er, wo er auch stand, seinen Beruf ganz erfüllen konnte, und statt sich für denselben herabzuftimmen, ihn vielmehr zu sich emporhob. Dies war nun ein Segen, der zunächst seinem ägygtischen Herrn zu Gute kam, und wie würdigte er denselben? וישרת אתל Joseph war und blieb ihm bloßer Diener, denn wenn er im Stande gewesen wäre, die Gnade Gottes zu begreifen, die in Joseph siegend waltete, würde er sich dann, auf bloße Verläumdung hin, sogleich haben entschließen können, den Mann, der ihm so viel Segen gebracht, in Len Kerker zu werfen, ohne sich je mehr um ihn zu kümmern? ohne sich auch Ln der Folge jedes Unglücklichen Jünglinges mehr zu erinnern, der durch jahrelanges Gefängniß so streng gebüßt hatte? Nicht besser benahm. sich der königliche Oberschenke, dessen Gefangenschaft Joseph durch seine treuen Dienste erleichtert. Joseph sieht ihn eines Morgens betrübt, er fragt nach der Ursache seines Schmerzes, tröstet ihn, indem er ihm mit gottverliehener Weisheit seinen Traum deutet, daß er die Gnade des Königes wieder erlangen werde. So gedenke meiner, bittet er ihn dann, wenn es dir wohlergehet, und derwende dich für mich bei Pharao, daß ich, der ich UNschuldig in dieses Gefängniß kam, aus demselben entlassen werden möge. ולא זכר שר המשקים את יוסף וישכחהו. Aber der Oberschenke gedachte des Joseph nicht weiter, und er kam ihm ganz aus dem Sinne. Er war ihm nur ein gewöhnlicher Traumdeuter gewesen, der ihn, da er ihn nicht weiter braucht-, auch nichts mehr anging. Jahre vergingen, und Joseph schmachtete noch immer im Gefängnisse. Aber es erschien der Augenblick seiner Erlösung, der König selbst träumte, und nun kam es dem Oberschenken zu Statten, sich jenes Jünglinges zu erinnern. Doch wie? auch nur als erner ganz untergeordneten Persönlichkeit, als eines Dieners, der zufällig die Kunst, Träume zu deuten, besaß. Dies spiegelt sich noch in dem ersten Empfange Pharao's: Ich höre von dir, redet der König ihn an, daß du einen Traum zu deuten verstehest. Doch jener Pharao hatte ein königliches Herz, denn kaum hatte Joseph geantwortet und zu ihm gesprochen, so erkannte er sein wahres Wesen, er stellte ihn auf die Höhe, deren er ihn würdig fand und sorgte königlich für ihn und die Seinigen. Und nun lasset uns noch einen Blick auf Joseph selbst werfen. Gott war mit ihm, heißt es, und zu diesem göttlichen Worte, zu der Fülle des Segens, der in demselben liegt, ist Josephs Benehmen selbst der schönste Commentar, die belehrendste Erläuterung. Gott war mit ihm! Wie viel liegt in diesen wenigen Worten! Denn wenn dann ferner gesagt ist: Gott ließ Alles gelingen, was er unternahm, so ist dies mit Jenem nicht gleichbedeutend, sondern nur eine seiner Folgen. Gott ist wohl mit uns Allen, denn wo wir auch seyn mögen, ist der Allgegenwärtige uns nahe. Aber dennoch kann jenes: »Gott ist mit ihm" nur an dem sich ganz erfüllen, der das Bewußtseyn Gottes in Wahrheit in sich ausgenommen, der auch von seiner Seite mit Gott ist, von dem Gedanken seiner Nähe erfüllt, beseliget, emporgehoben ist, daß kein Schmerz an ihm haften, keine Widerwärtigkeit ihn nie- Verdrücken, keine Anfeindung ihn erbittern kann. Geh mit Gott! sagt auch jetzt wohl noch der Hartherzige, der den Muth hat, den armen Mann vor seiner Thür, ohne die kleine Gabe, um die er bittet, fortzuweisen,