Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 21 (19.11.1842)
- Date
- 1842-11-19
- Page
- Seite 85 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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So Gräber der Vorfahren. (Fortsetzung und Schluß.) 7. (Absalons Grab.) Absalon liegt im Thal e Josaphat begraben. Dieses Thal scheint den Bewohnern Jerusalems von den frühesten Zeiten an als Begräbnißort gedient zu haben. Man findet dieses Thal mit Grabsteinen jüdischer Gräber fast ganz ausgefüllt. Noch in heutiger Zeit wandern Israeliten nach Jerusalem, um im Thale Josaphat einen Ruhe» ort für ihre irdische Hülle zu finden. Um vieles Geld müssen fie von den Fremden ein paar Fuß Erde erkaufen, um im Lande der Väter ein Grab zu finden! Wilson erzählt; »Da ich viele Juden sah, welche ich leicht an ihrem gelben Turban, ihren beweglichen dunkeln Augen, schwarzen Augenbrauen und buschigten Bärten erkannte, und die an dem Orte umhergingen oder nachdenkeud an dem Bache Kidron lagen, fiel mir die Sprache des Psalmen-Dichters ein, als er sagt: »Wir saßen an den Wasserbächen und weinten, wenn wir an Zion gedachten". Ich fragte sie häufig nach der Ursache, welche sie nach Jerusalem geführt habe und sie antworteten: » »Um in dem Lande unserer Väter zu sterben.'"'-In diesem Thale ist zuerst bemerkenswerth das Grabmal des Ab-- salon. Es ist eine viereckige Masse, auf jeder Seite 8 Schritte lang und wird gebildet von einem einzigen Felsen. Die Verzierung dieses Grabmals besteht in 24 Säulen dorischer Ordnung, sechs auf jeder Außenseite des Denkmals. Es ist mir einer zugespitzten conischen Kuppel bedeckt, die etwa die Gestalt eines Sonnenschirmes hat. Auf der Spitze befindet sich ein Zierrath, der einer Flamme gleicht. — Diese Kuppel ist zwar aus Mauerwerk, aber die untere viereckige Masse besteht aus einem festen Felsenstück. Es ist nicht auzunehmen, daß dieses merkwürdige Denkmal ur-- sprünglich diese schmuckreiche Gestalt gehabt habe, die man jetzt bewundert, vielmehr ist es wahrscheinlich, daß in verschiedenen Zeiten daran Veränderungen und Zusätze geschaffen worden. Nicht ohne Grund glaubt man, daß dieses Denkmal an derselben Stelle sich befinde, an welcher Absalon eine Denksäule aufrichtete, wie es heißt 2. Sam. 48, 18: ״Absalon hatte sich bei Lebzeiten ein Denkmal errichtet im Köntgs-Thale, denn er sprach: »ich habe keinen Sohn, warum soll hier meines Namens gedacht werden?" und er nannte das Denkmal nach seinem Namen, und sie heißet auch heute noch Absalons Raum." 8. (Grab des Zacharias.) Dieses Grabmal, auch im Thale Josaphat gelegen, besteht aus einer viereckigen Felsenmasse, welche in dieser Form aus dem lebendigen Felsen gehauen und durch einen Raum von 12 —15 Fuß auf drei Seiten von dem Felsen getrennt wird. Die 4te Seite ist frei gegen das Thal. Diese viereckige Felsen-Masse ist an jeder Seite 8 Schritte lang, vorne 20 Fuß hoch und hinten 10 Fuß, da der Hügel, auf welchem der Felsenstein steht, steil emporgeht. Auf jeder Seite befinden sich 4, halb aus dem Felsen hervortretende, Säulen in gemischter jonischer Ordnung und geschmacklos verziert. Der weit überhängende Sims ist in ägyptischem Geschmacks. Über dem Ganzen stehet eine Pyramide, welche aus Mauerwerk zu bestehen scheint. — Höchst interessant ist dieses Denkmal deshalb, weil sich nirgend eine Spur von einem Eingänge findet, so daß es so fest verschlossen zu sein scheint, als die ägyptischen Pyramiden, und wohl aus derselben Achtung gegen die Iln- Verletzbarkeit der Todten. Buckingham meint, Styl und Plan des Gebäudes hätten die Juden nach ägyptischem Geschmacke eingerichtet, die ionischen Säulen aber seien in späterer Zeit als Zierrath hinzugesetzt. Jetzt findet man dieses Denkmal von jüdischen Gräbern umgeben, und mir hebräisch geschriebenen Namen völlig bedeckt. 9. (Grab des Josaphat.) Dieses Grabmal hat dem Thale den Namen verliehen. Es ist eine Höhle, an deren Vorderseite zwei kleine dorische Pfeiler stehen. In dem Innern befinden sich drei unregelmäßige Gemächer, und in einem derselben sieht man verschiedene Grabsteine. Sie bestehen, wie alle diese Grabsteine, aus flachen langen Steinblöcken, 3 — 6 Zoll dick und aus dem Felsen gehauen, also aus gelblichem Kalkstein, der an einigen Stellen einem groben Marmor gleicht. — Die Grabmaler im Thale Josaphat, bemerkt Chateaubriand, zeigen offenbar die Vermischung des ägyptischen und griechischen Geschmackes. Es entsprang aus dieser Vermischung eine Art von Monumenten, woran sich ein düsterer, kühner, gigantischer Genius und eine Heitere, sich selbst beherrschende Einbildungskraft erkennen läßt.