Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 21 (19.11.1842)
- Date
- 1842-11-19
- Page
- Seite 84 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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84 war es dcZ Bruders Glück, das in dir den Neid erregte, bald hatte eine innere Verstimmung oder eine geringfügige, äußere Veranlassung den bösen Geist des Hasses hervorgcrufen und den Samen der Zwiekracht und der Feindschaft ausgesäet auf Monate und Jahre. So verbittern sich die Menschen die wenigen Lebensjahre, so durch eigne Verschuldung können sie des Lebens nicht froh werden, weil, statt festzuhalter Len Faden der Freundschaft und der Liebe und denselben durch geistigen Umgang und edle Sitte imvier fester und fester zu weben, sie denselben muthwillig und unbesonnen zerreißen, und in einer Stunde der Aufwallung ein Gewebe zerstören, das sie für die Le» beuszcir mit seinen süßen Banden hätte umschlingen sollen. Wo nun ein solcher Faden gerissen, wo nun eine Saite gesprungen und dadurch Verstimmung hervorgebracht im Herzen zweier Menschen, die entweder durch die Bande des Bluts oder der Freundschaft einander in Liebe nahe standen, da sollen nicht Wochen und Monate hingchen, ehe an eine Versöhnung gedacht wird, denn die Zeit macht die Kluft immer weiter, die den Freund vom Freunde trennet, und ist die Feindschaft erst eingewurzelt, dann wird es doppelr schwer, den Faden der Liebe wieder aufzunehmen. Weil du deinem Bruder nicht entgegen kommen willst, weil du zu stolz bist, dich für den schuldigen Theil zu erklären, oder fürchtest für schuldig gehalten zu wer- Len, wenn du zuerst die Hand zur Versöhnung reichest, weil du es nicht über dich gewinnen kannst, allen Groll aus dem Herzen zu bannen, darum kann es zu keinem Frieden, zu keinem Ausgleich kommen. Die Schrift sagtr ״Hasse deinen Bruder nicht im Herzen, zur Rede stellen kannst du deinen Mitmenschen, aber trage ihm fein Vergehen nicht nach."*) So gehe hin, wenn du beleidigt worden, stelle deinem Nächsten in mildem, ruhigem Tone sein Vergehen vor, komm ihm entgegen mit freundlichem Blicke, mit versöhnlichem Gemüthe, reich' ihm die Hand und sprich: Ach vergebe und verzeihe dir gern, wie ich wünsche, Laß לא תשנא את אחיך בלבבך הוכח (1 תוכיח את עמיתך ולא תשא עליו חטא. S. Mos. 19, 17. ich vor Gottes Thron einst Vergebung finden möge. Oder kannst du einst Vergebung deiner Sünden Hoffeu, wenn du dich zum letzten Schlummer mit Groll im Herzen niedergelegt, wenn Lu ins Grab gestiegen, ehe Lu mit deinem Bruder dich ausgesöhnt? Darum sagt der weise Sirach:^) ״Denk an den Tod und laß ab von Feindschaft!" Du weißt die Stunde nicht, die dich ins Jenseits ruft, jede Stunde kann die letzte sein; wie willst du Muth und Kraft gewinnen, dem Todesboten zu folgen, wenn dich das Bewußtsein quält, du lässest auf Erden einen Feind zurück? Oder wie möchtest du leben können, in Ruhe und Freudigkeit leben, wenn du weißt, daß vor dem Throne Gottes dein, Bruder stehe, der dich der Härte und der Un- Versöhnlichkeit anklagt? Der du dich mit Unmuth von deinem Nächsten wendest, der du jede Gelegenheit meidest, das freundschaftliche Verhalrniß wieder anzvknüpfen, bedenke wie bald die Hand in Staub zerfällt, die du noch heute fassen kannst, bedenke, wie bald das Herz gebrochen ist, an welches du noch heute mit versöhnlicher Liebe sinken kannst — oder willst du dich erst versöhnen, wenn der Todte auf der Bahre liegt, willst Ln, wie es Viele thun, die kalte Todeshaud fassen und sprechen: Du Todter vergieb! — Nun schreist du ins Grab hinein und bittest den T o d t e n um Verzeihung, warum suchtest du nicht lieber früher das Herz des Lebenden durch Worte der Liebe zu erfreuen? Nun willst du dich mit dem Staube versöhnen, warum wolltest du nicht lieber früher die Stunde der Versöhnung feiern, als noch Leben in dem Staube war? So gewinn' es über dich, verbanne die unheilige Flamme der Zwietracht aus deinem Herzen, laß die Liebe Raum gewinnen in deiner Brust, werde mild und weich gestimmt, tritt mit Sanftmuth deinem Bruder entgegen, sei ein guter Engel, der da Frieden und Versöhnung bringt, und du wirst einst, versöhnt mit deinem Gotte, cheilhaftig werden des ewigen Frie- Lens und dev Seligkeit! Amen. 2) Sir. 28.