Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 18 (29.10.1842)
- Date
- 1842-10-29
- Page
- Seite 72 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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72 kommen, dann erweiset dem Todten seine letzte Ehre mir andächtigem Gemüthe, und sprechet das Gebet für ihn aus der Fülle des gerührten Herzens. Wenn ihr auch an dem Orte, wo die Gräber euch entgegen winken, nicht zur Ruhe und Andacht gestimmt werdet, wo sonst? — Wollt ihr auch an den Ort, der das Eitle und Vergängliche alles Irdischen predigt, eure Eitelkeit,. eure Streitsucht und euren Leichtsinn bringen? בית הקברות אין לנהוג בו קלות ראש. Mit der Erde, mit welcher ihr den Todten zuge^ deckt, sei aber nicht auch zugleich die Liebe und die Anhänglichkeit für ihn begraben und verschüttet! Und. könnt ihr ihm nicht mehr eure Liebe beweisen, denn er braucht eurer nicht mehr, so bewahret euer Wohl-- wollen den Hinterlassenen, gehet in das Trauerhaus und tröstet die von Schmerz Gebeugten, bringet Hilfe, wo Wittwen um ihren Versorger, und Waisen um ih-- ren Vater klagen. Ehret die Todten, indem ihr euch erbarmet über die Verlassenen. Ihr aber, Niedergebeugte, Verlassene! die ihr den harten Schlag des Geschickes erfahren habt, und einen Todten aus eurem Hause habt tragen sehen, ehret Len Todten durch ein frommes Angedenken mit gottergebenem Gemüthe. Weinet und klaget um euren Todten, wie Abraham, aber blicket auch mit demselben Gottvertrauen zu dem Herrn empor, wie Abraham, der bei allen herben Prüfungen, die er erlitt, dennoch fromm und gottesfürchtig blieb. Vergesset nicht an die Dahingeschiedenen, aber in euren Schmerz mische sich nicht Murren und Verzweiflung. Durch wilde Klagen und schrankenloses Toben ehret ihr die Todten nicht! Zn euren Thränen spiegele sich vielmehr das Licht der Religion; die Lehre unseres heiligen Glaubens gebe euch Trost und Ruhe, der Gedanke an Unsterblichkeit und Wiedersehen erhebe euch und halte euch aufrecht, und ein tugendhafter Wandel nach dem Beispiele der Ln Frommigkeit Dahingeschiedenen möge ein Zeugniß geben, wie ihr^ die Todten ehret! Amen.. CS-f-O D er Eabbt. Von Henriette Otteiheime r. (Schluß.) SRI Der Morgen küßt durch's Fenster Unzähl'ger Schläfer Blick, Küßt todt viel Nachtgespenster, Manch trübes Lraumgeschick. Auch küßt er mild den Kummer, Den Traum dem Greis gereicht, Hinweg, Laß mit dem Schlummer Er ihm vom Auge weicht. Und dieses Auge blicket Dankbar zu Denr hinan, Der mehr des Leids nicht schicket, Als man ertragen kann. Dann still zur Schule geht er, Dem Bethaus Israels, Stets werth zu sein, Ließ steht er, Des göttlichen Befehls. Ob Dulden oder Freuen Darin geboten auch, Nur dankbar sein, dem Treuen Treu, bis zum letzten Hauch. Dem frommen Fleh'n gewährt sich Erhörung, wenn sie frommt, Dankbar und treu bewährt sich Der Greis im Leid, das kommt. Und es kommt bald; — sei Leiden Sei Lust in ihrer Hand, Die Voten Gottes reiten Im Wolkenflug durch's Land. Der Gram — auch Höh'gesandter — Zog vor dem Rabbi her, Und als er heimkam, fand er Ihn wartend, trüb und schwer. In einem leichten Briefe Er seine Quelle hat, Des Kummers schwarze Tieft Umschließt das weiße Blatt. Der Traum ist wahr geworden: Da fteht's, es schreibt's der Sohn Der Wirkungskreis und Orden ' Um seine Religion, Den schnöden Preis gekauftt, Und — ein geborgner Mann — Daß jüngst er ward getaufte, Dem Vater zeiget an. Er schreibt: nicht Überzeugung Hab' ihn dazu gebracht, Nur das Gefühl der Beugung, Das Juden elend macht. Der Vater mög' bedenken, Wie viel er litt dabei, Verzeih'n und sich nicht kränken, Weil's also besser sei.