Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 15 (8.10.1842)
- Date
- 1842-10-08
- Page
- Seite 61 (sequence 3)
- Language
- German
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61 Wir haben tausend Entschuldigungen vorgebracht, tausend Ausflüchte gefunden. Wir haben uns lediglich eingeb ild et, wir hätten den besten Willen. Wir haben ihn im Allgemeinen noch nicht. Wir wurzeln noch in entsetzlichen Nebenrücksichten, in Ungeheuern Vorurtheilen. Es ist schwer, einfach und klar den Menschen aus seiner Idee zu erkennen, und ihn somit in seine Unendlichkeit vor Gott, ohne dumme Privilegien u. dergl. anzuerkennen. Aus solcher Erkenntniß und Anerkenntniß, aus solcher Zersprengung alles bloß Temporären, aus der Entfernung alles bloß historischen Wustes folgt: die unbedingte Eman-- cipation der Juden. K. L.-B. t [U)a0 doch der unschuldigen Religion alles ausgebürdet rvirdl^ Im »Hamb. Correspondenken" Jlß 194 dieses Jahrganges liefet man in einem Bericht über die Göttinger Universität Folgendes: -- Ewald lehrte die morgenländische Literatur in Göttingen mit dem ungetheiltesten Beifall re. Um so empfindlicher wußte sein Verlust sein re. »-Schade", fährt der Berichterstatter fort, »Schade, daß die Religion es verbietet, , einen jungen Israeliten zum Professor zu ernennen, der als gelehrter Kenner des Sanscrit wie als Sprachforscher überhaupt schon mehrfach bekannt geworden ist." n Was soll man zu dieser mehr als naiven Äußerung sagen? soll man darüber lachen oder weinen, oder beides? »Die Religion", nicht die religiöse »Verfassung", nicht Die »Kirche" nein, die Religion »verbietet" einen gelehrten Sprachforscher an der Universität Göttrngen in Len Fächern, deren er kundig ist, dociren zu lassen, weil er Israelit ist! Welche Religion verbiftet das? die natürliche Religion? die geoffenbarte? die christliche Religion? die jüdische? die muhammedanische? Das muß doch eine mriose Religion sein, die so etwas Vernünftiges, Zweckmäßiges, Heilsames, für Stadt und Land so Nützliches verbieten kann. Und wo und wie verbietet sie es denn? Wo im alten oder neuen Testamente steht denn geschrieben zu lesen, daß ein Mann, der das Sanscrit vortrefflich versteht, an einer christlichen Universität dasselbe nicht als Professor lehren darf, weil er kein Christ ist? Moses weiß Nichts davon; Jesus auch nicht; die Apostel eben so wenig; Nabbinen und. Mufti's schweigen darüber, ich glaube kaum, daß selbst die Kirchenväter etwas dawider haben! »Die Religion verbietet es!" Und das schreibt der Referent so hin, mir nichts, dir nichts, als wäre es ein Axiom, eine ewige, eine mathematische Wahrheit. O 4 Deutschland! o Deutschlands Hochschulen! — Wenn jene Zeilen ein Holländer, ein Engländer, ein Franzose — ein Hurone lesen möchte, was würde er dazu sagen? Er würde diese Äußerung eben so wenig verstehen, wie er die Thatsache begreifen würde, daß auf anderen deutschen Uni* serßtäten selbst der ausgezeichnetste Mathematiker die Lehre vom Triangel oder dem Quadrat nicht vortragen darf, weil er — ein Jude ist. Hamb. N. Z> Ws ProMors v. Rosas ungerechter Ausfall gegen die jüdischen Aersie in Oesterreichs Im diesjährigen Julihefte Der medicinischen Jahrbücher des österreichischen Kaissrstaats wurde von dem Prosessor Edlen von Rosas als eine der Quellen 'des Mißbe- Hägens der heutigen Medicin (so lautet die Überschrift wörtlich und von medicinischsr Wissenschaft oder Heilkunst wird nicht gesprochen) die zu große Anzahl von Israeliten bezeichnet, welche sich derselben widmen. Die erhöbet« Klage des zu vielen Vorhandenseins israelitischer Ärzte zeigt sich schon an und für sich als unwahr bei Berücksichtigung des llmstandes, daß unter mehr als 330 Ärzten und gewiß weit über 150 Wundärzten, die z. V. Wien zählt, nur acht Facultätsmitglieder israelitischen Glaubens sich befinden. Obwohl es nun Anfangs schien, Laß die, besonders den toleranten Gesinnungen des hiesigen Publikums so sehr widerstrebenden Darlegungen des Professors v. Rosas bloß vor dem Forum der öffentlichen Meinung gerichtet werden sollten, so kam diese für Len Freund der wahren Wissenschaft wie der Menschheit gleich sehr betrü-- bende Angelegenheit doch auch zur amtlichen Verhandlung. Da Prof. v. Rosas nämlich gegen die israelitischen Militairärzte auch nicht Len Schein eines Unrechts aufzubringen wußte, so begnügte er sich, dieselben durch folgenden Satz zu verdächtigen: ״Irr der österreichischen Armee sind bereits dermalen mehrere jüdische Ärzte angestellr; doch Die Zeit hat über den Erfolg dieser Maaßregsl noch weiter Zu entscheiden, sie ist noch zu kurz, Las Institut Zu neu, der Israelit als geborner Handelsmann zu vorsichtig!" Zwei hier garnisonirende israelitische Militairarzte beschwerten sich daher über eine so harte wie ׳ unverdiente Vernngümpfung unmittelbar bei dem Präsidenten des Cenftrrwssens und baten um dis Bewilligung, in eben so unbeschränkter Weise, wie sie vom Professor von Rosas angegriffen worden, denselben auch mit der nöthigen Freiheit der Debatte widerlegen zu dürfen. Dem Vernehmen nach soll der betreffende hohe Staatsmann, in seiner bekannten humanen Weise dies zugestanden haben, mit dem Vorbshalte, Zuvor Len rücksichtslosen Censor jenes Artikels zur Verantwortung zu ziehen. Indessen zeigte es sich bei Abforderung des Manuscripts, Laß der Censor, weit entfernt, die maßlosen und ungerechten Ausfälle Les Prof. v. Rosas zu mäßigen, selbe vielmehr, trotz des Abgangs faktischer Beweisgründe, durch Beifügung harter Ausdrücke noch gesteigert Habs; dessenungeachtet aber war es unmöglich, den Petenten weder die nachgesuchte Freiheit der Widerlegung noch die von dem Censurchef beabsichtigte Genugthuung zu gewahren, weil es sich zeigte, daß der Censor, als Erbe der Stelle und der Maximen des Frhrn. v, Stift, einen viel zu einflußreichen Posten habe, als Laß'er wie andere