Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 15 (8.10.1842)
- Date
- 1842-10-08
- Page
- Seite 62 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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62 gewöhnliche» Leute über Recht oder Unrecht zur Verantwormag gezogen werden könnte. Die Sache bleibt nun, wie leicht begreiflich, ohne weitern amtlichen Erfolg. Verl. Z. j^Aus dem Hannoverschen.^ Vor vierzig Jahren standen Juden und Katholiken in unserm, Lamals rein protestantischen, Lande in der Vclksmeinung auf einer und derselben Stufe. Die damaligen Sprich- Wörter, die mir aus meiner Kindheit noch so lebhaft erinnerlich sind, beweisen dies selbst. — Mehr als einmal Hab' ich Bauern, Männer und Frauen vor Gericht gesehen, welche darüber eine Jnjurienklage erhoben, daß ihr Nachbar gesagt: -׳Zch glaube, Lu bist katholisch!" — Selbst unter den gebildeten Ständen vermied man den Umgang, die Nähe eines Katholiken. Damals — es ist wahrhaft so — machte man zwischen Katholiken und Inden überall keinen Unterschied. — Dies Vorurtheil, es war nichts als Vorurtheil — ist ganz verschwunden. Man kennt auch nicht mehr die Spur davon. So würde es heute auch vollständig mit den Juden sein, wenn sie auf dem Kongreß zu Wien wie Katholiken und Evangelische gleichgesetzt worden wären. Um so dreister kann ich dies behaupten, weil bei uns zu Lande auch im Mittelstände (Bürger und Bauern) die alten Vorurtheile durch die westphalischs Zeit, welche sieben Jahre Lang die Juden den Christen gleich setzte, zerstört sind, und nur noch in ihren Ruinen konservirt werden. Man würde, könnte man sonst, auch Len Mittelstand gern in die mittelaltrigs Zeit zurückdrücken, wie man es glaubt mit den Juden versuchen zu dürfen. Beachte man wohl das Prinzip dieser Politik! — Mit den Juden fängt man an und mit den Bauern folgt man nach! Zum bloßen Vorwände bedient mau sich der christlichen Religion. Einmal gehört ja die Religion nicht in die Staatspolitik, dann aber ist der Druck auf die Juden selbst wider das Princip der Christuslehre: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! — So lehrte Christus, unser Meister, der Jude, von jüdischen Eltern, aus dem Stamme David! Er hat ja die Juden, seine Vlutsver? wandten, von der Nächstenliebe nicht ausgenommen! Schämt Ihr Euch nicht, die Christuslehre so zu entwürdigen? Wollt Ihr das Christenthum dadurch verherrlichen, daß Ihr deutsche Mitbürger von Euch, aus dem Staat heraussioßt und rechtlos macht? Man beachte aber nur das Prinzip einer Politik, die mit den Juden an fängt und mit dem Bauer und Bürger endet! — Nicht Worte, Thatsachen sind es, dis laut dafür sprechen. Die Adelskette zu Wien auf dem Kongresse, das Wiederaufwecken der Jesuiten; die allmälige Entfernung aller Bürgerlichen aus der Diplomatie, vom Bundestage, vom Ministertische; die sanfte Retirade aus dem Militairdienst; die Besetzung der Offizierstellen mit Adligen; das Wiedererwachen verrosteter Adelstitel; die Sonderung des Adels von dem Bürgerthum im gesellschaftlichen Leben, z. B. in Hannover, wo die Gemahlin des Herrn v. Br., des Herrn v. Str., des Herrn v. D., weil sie bürgerlicher Herkunft waren, keine adlige Gesellschaft besuchen dursten; Las Aufleben der adligen Stifter, sogar der Fräuleinstifter, in welche nur die von 8 und 16 Ahnen eintreten dürfen; die Ritterakademie zu Lüneburg, Liegnitz, Brandenburg, die Adelslexika; die aufgeftischten Adelsftatuten, der 14. Artikel der Bundesakte, gleichsam als hättr der Adel 1813 und 1814 die Fremden über die Gränze getrieben und müsse als Sieger und Erretter des deutschen Vaterlandes belohnt werden; die ALelszeiwng und die Allg. Augsburger, das echte wahre Adelsblatt im Hintergründe; und nun zuletzt, die Adelspflanzen im Rheinlande, das Statut und in dessen Folge die Anstalt zu Bedburg! Ich könnte noch eine Reihe von Thatsachen rescriren, bemerke aber nur, Laß die Judenftage eine der sprechendsten ist. Man will die jüdischen von den christlichen Staatsbürgern trennen. Gelingt Lies, dann trennt man die Städter von den Landleuten; gelingt auch solches, die Beamten von den Bürgern. So geht's fort nach der Adelspolitik, deren Prinzip ist: divide et impera! Larum rathe ich meinen deutschen Mitbürgern: Seid weise aber auch klug! Brecht darum keine Lanze mit Lern Hermes, denn er ist nur ein Borenläufer. Erzeigt dem Mann in Lohn und Kost unserer Feinde nicht dis Ehre, mit ihm in die Schranken zu treten, mit ihm zu kämpfen, denn er glaubt ja selbst nicht an das, was sein Mund für fremde Rechnung spricht. Es ist nicht der Sprecher, sondern nur Las Sprachrohr. Rh. Z. Anzeigen. Zn diese Zeitschrift werden Annoncen gegen 1 Sgr. Gebühren für dir scspadtene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. Dießfällige Briefe bittet man portofrei durch Herrn E. F. Sleinacker in Leipzig oder direct an die Buchyandluug von Reumann -Hartmann in Elbing eivjusenden. Bestellungen aus das ״Sabbat!)-Blatt" werden van allen Post-Anstalten, Zeitungs-Expeditionen und Buchhandlungen des In- und Auslandes fortwährend angenommen und die bereits erschienenen Nummern nachgeliefert. Literarische Werke, die entweder dem vr. Saalschütz in Königsberg, oder dem Herausgeber in Elbing portofrei zugesendet werden-, sollen in diesen Blättern bald zur Anzeige kommen. Kurze Berichte über wichtige Ereignisse und Anstalten in Israelitischen Gemeinden, namentlich auch in unserer Provinz, werden, wenn sie sich alles verletzenden Persönlichkeiten enthalten, willkommen sein. Elbing. Die RedacLion. Druck und Verlag von Neumann-Hartmaan m Elbing.