Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 15 (8.10.1842)
- Date
- 1842-10-08
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Erndte schn soll, um uns die täglichen Mittel dev Lebensechaltung darzureichen. Darum spiegelt sich, bei der Bildung jenes Bogens, die Sonne, von der die Reihenfolge derZahres- und Tageszeiten abhängt, in dem nicderströmenden Regen, welcher, mit der Warme und dem Lichre, das Wachsthum ׳befördert und aus den spärlichen Körnern der Saat die goldenen Wogen der Erndte erblühen laßt. Die Sonne ist es ferner, die den Regen selbst erzeugt, indem sie die Wasser in Dunst und Wolken wandelt. Und wenn sie nun hervortritt und wenn sich in jedem Tropfen ihre leuchtende Strahlenkrone spiegelt und zauberisch das vielfarbige Bild jenes Bogens vor uns hinwirft, so sollen wir bei seinem Anblick dankbar des wunderbaren Zneinandergreifens all jener Kräfte uns erinnern, durch welches Gott das Leben und die Ordnung der Natur erhalt. Gott hat mit Len Menschen den Bund des liebenden Schutzes und der Vorsehung geschlossen. — Aus den fallenden, einzelnen, immerdar wechselnden Regentropfen, bildet sich dort das ruhende, feste Himmelsthor des Bogens. Der Tropfen, der, jetzt noch den Strahl der Sonne theilend, uns das farbenreiche Bild geboten, perlt im nächsten Moment schon in dem Kelch der erwachenden Blume. Aber fort und fort wird der sinkende Tropfe durch den neuen ersetze, und wir sehen den Wechsel nicht, wenn wir uns der glänzenden Erscheinung freuen. Auch dein Glück, das Glück deines Herzens ist von Vielem bedingt, was an Festigkeit nnd Dauer nur jenem fallenden-Tropfen gleicht. Auch deines innern Freudenhimmels leuchtendes Thor bauet sich auf aus einer Menge von w e ch s e l n den Ereignissen, deren Flüchtigkeit und Wechsel du aber kaum merkest, so lange das liebliche Farbenbild deines Glückes dir noch nicht erloschen ist. So gedenke dessen, wenn du das magische Bild des Vogens sichest: du erfreuest dich deiner Freuden nur unter dem Schutze Gottes, seine Vorsehung ist es, der du, unter der Flucht und dem Wechselder Erscheinungen, das dauernde Wunder deines Glückes verdankst. Gott hat mituns den Bund des Friedens geschlossen, und in dem Bogen ihm ein bleibendes Denkmal errichtet Eine furchtbare Zeit war an den bangen Schiffer« aufdem wogenden Meere der Fluth vorübergegangen. Alle die Schleusen des Himmels hatten sich ergossen, alle die schlummernden Wasser der weiten Gebirge waren wach geworden, alle rau- - schenden Schrecken der Meere umtobten das einsame Schiff der Menschheit in schwellender Brandung. Düsier - gethürmte Wolken umlagerten den Horizont. Da trat auf einmal die lang erharrte Sonne wieder hervor, ihr siegendes Licht theilte den Wolken-Vor- Hang nnd sie zeichnete ihr strahlendes Bild in den miL- Len Strom eines fruchtbaren Regens. Gott hatte der Schöpfung den Frieden wieder gegeben, und den Mcrrscheu, die noch immer bange zu den Wolken emporschauten, ward der erste Trost, die erste Freude in jenem Bogen, der sich plötzlich vor ihren Augen hinbreitete, und Gott gab ihn ihnen zum Zeichen,, daß Er die Elemente beherrsche, sie furchtbar zu wecken, j aber auch zu schwichtigen. Und wenn wir nun zu jenem Vogen empvrblicken, sollen wir uns nicht stets getröstet des göttlichen Schutzes, der uns verkündiget und dargebotcn ward,! erinnern?!' Za, Kinder Gottes! der Ewige hat einen Bund 1 mit uns geschlossen, Len Bund der Versöhnung und der Gnade, den Bund des Friedens und des Schutzes, den Bund der Erhaltung und des Lebens. Aber auch wir müssen diesem Bunde treu bleiben,! der Versöhnung und der Gnade uns Werth machen,; den Frieden des Herzens auch uns selbst Zu erhalten! suchen, und das beben, das Gott uns schützet, ihm j weihen. Amen. S—2*. '1 --—... ״ Lesefrüchte. sDie unbedingte Ernancipatwn der Iuden.l Man darf nur auf Die Idee der Religion eingeheu, wie solche nicht diesen oder jenen Einzelnen, nicht eru oder anderes Volk, sondern die Menschheit vor Gott repräsentirt, um sogleich einzusehen, Laß in der heutige« Intelligenz, weder in der Kirche noch rm Staate, auszukommen ist mit den engen, vagen Kategorieen von Befeh-; lenden und Dienenden, von Herrschenden und Gehorchenden, Gemeinde und Volk sind allein zu fassen aus der Idee gegenseitiger Freiheit. Wir haben bisher wirklich noch l nicht Len Muth gehabt, die so viel besprochene Emancipation der Juden ans jener Zdes aller Religion zu fassen.