Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 13 (26.9.1842)
- Date
- 1842-09-26
- Page
- Seite 52 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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52 auszurufen: ״Bei vieler Weisheit ist viel Betrübuiß, und je mehr Wissen, je mehr Plage." (i, 18.) Wie viel angenehmer scheint es doch, atten diesen Geistesquaalen zu entsagen, und anstatt sich mit Erforschung desUnerforschlichen zu quälen, sich lieber dem frischen Genüsse des leicht begreiflichen, äußern Lebens zuzuwenden. Wie Vielen ist es aus der Seele gesprochen, wenn Kohcleth von einem, bei ihm nur vorübergehenden, Versuche spricht: «ich Lachte in meinem Herzen: laß mich hingehen und schwelgen in Freude und spähen nach Genuß!" (2, 1.) wenn er erzählt, wie er sich Nichts versagt habe und Werke aufgeführt, sich, mit Hülfe feiner Weisheit, Festlichkeiten und Genüsse geschaffen habe, wie sie sein Herz nur wünschte. Aber nein! dies kann nicht die allgemeine Regel für die Be- Nutzung des Lebens seyn, denn das äußere Geschick des Lebens hängt nicht von uns ab. Nicht Jeder vermag, was Salomon vermochte, nicht einem Jeden geschiehr, wie er es zu verdienen glaubte: לא לקלים המרוץ »nicht den Leichten gelingt der Lauf, nicht den Starken der Kampf, nicht die Weisen haben Brod, nicht die Einsichtsvollen Neichthum, nicht dem Verstän- Ligen wird Gunst." »Es gehet Unergründliches auf Erden vor, es giebt Gerechte, denen geschieht, was Frevlern ziemte, und Frevler giebt es, denen geschieht, was Gerechten ziemte," יש צדיק אבר כצהקו »mancher Redliche kommt um in Rechtlichkeit und mancher Frevler währt in seiner Bosheit." (9, 11. 8, 14. 7, 15.) Solche Betrachtungen sind geeignet, auch selbst dem äußerlich Glücklichen, wenn er nicht gefühllos in Mitten der ihn umgebenden Ungerechtigkeiten und Leiden dasteht, sein Glück zu trüben, und dies läßt selbst den weisen Salomon einen Augenblick an der Erträglichkeit des Lebens verzweifeln: ״Da sah ich denn wieder, sagt er, alle die Bedrückungen, die Vorgehen unter der Sonne, und siehe da! die Thränen der Gedrückten — und haben Keinen, der sie tröste! Sie dulden unter ihrer Dränger mächt'ger Hand — und Keiner, der sie tröste! Darum lob' ich die bereits Gestorbenen, vor denen, die noch leben; und besser noch, wer gar uichr geboren wäre, auf daß man das Schlimme nicht sähe, das unter der Sonne vorgeht." (4, 1—3.) Dies macht, daß der Forscher so oft auf die Klage zurückkommt, daß הכל הבל, daß Alles umsonst und eitel sey, ein Ansdruck, der im Koheleth im Verhältniß zu verschiedenen Gedanken etwas Verschiedenes bedeutet. Bald ist es die wirkliche Flüchtigkeit der irdischen Dinge, bald nur die Uuerforschlichkeit der Erscheinungen, die sich wie ein הכל, wie ein Hauch unserer Betrachtung entziehen, wie zuin Beispiele das Unglückliche Geschick des Gerechten; denn was Gott thut, bleibt untadelhaft: »Alles machte er schön für seine Zeit; auch das Ewige gab er in der Menschen Herz; nur daß sie Gottes Werk vom Anfänge bis zum Ende nicht begreifen." (3, 11.) Auch giebt es etwas Gutes und Haltbares im Leben, es ist und bleibt Erkenntniß und Weisheit, sey es auch, daß sie der Erforschung der göttlichen Rathfchlüsse nicht immer gewachsen sey. Denn »ich sah, daß Vorzug hat die Weisheit vor der Thorheit, gleich wie das Licht vor der Finsterniß." (2,13.) Und wenn gleich hienicden der Weise so wie der Thor und Sünder sterben muß, so führt eben dieses und die Ungerechtigkeiten des Lebensgeschickes auf einen Ausweg aus diesen Näthseln: ״Ich sah, sagt Salomo, unter der Sonne, am Orte des Urtheils waltet der Frevel und am Orte der Gerechtigkeit waltet der Frevel! Da dachte ich bei mir: den Gerechten und Len Frevler richtet Gott, denn Die Zeit (die Zeit des Gerichts) für jedes Begehr und für jede That ist dort." (3,16.17.) — Und dies ist dem Weisen der leuchtende Gedanke in der Nacht seines räthselhaften Geschickes: Es giebt eine höhere Leitung der Dinge, es giebt ein Gottesgericht, es giebt eine jenseitige Ausgleichung der Würdigkeit und Glückseligkeit. Zwar werden hiergegen, vom gewöhnlichen, sinnlichen Standpunkte aus, gar mancherlei Zweifel crhoben, die auch der ״Prediger" nicht übergehet, der äußerliche Verlauf des Lebens bietet überall, obersiächlich betrachtet, bei Len Menschen, wie bei den übrigen Geschöpfen, denselben Anblick dar. הכל הולל אל מכ!1ם אהה " Alles gehet nach einem Ort; Alles ward vom Staube und Alles kehrt zum Staube. Wer kennt genau den Lebensgeift im Menschen, der nach oben gehet und den Lebensgeist des Thieres, der hinab zur Erde sinkt?" (3, 20.) Aber gewiß, die sonst überall wahrnehmbare Vollendung und Harmonie des göttlichen Wirkens, wie die Gerechtigkeit und Güte des höchsten Wesens, darf sich in dem Lebens-