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Sabbath-Blatt · 1842-09-19 · 12 (19.9.1842) · p. Seite 49

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1842
Issue
12 (19.9.1842)
Date
1842-09-19
Page
Seite 49 (sequence 3)
Language
German
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4S am meisten vernünftig entwickelten Staaten, wo die drei christlichen Confesstonen gleiche bürgerliche Rechte genießen, sind doch die Israeliten noch in Nachtheil gesetzt, und der Fall, daß ein Bürger möglicherweise auch keiner Religions- Partei angehören könne, gar nicht vorgesehen. Nur in den Freistaaten Nordamerika's ist die Scheidung von Kirche und Staat in der Art vollzogen, daß letzterer sich um die erstere weder fordernd noch abwehrend bekümmert, sondern das religiöse Gebiet als reine Privatsache den Einzelnen Md ihrem Associationsgeiste überläßt." Ad. 2. heißt es ebendaselbst S. 619. »Wenn sich der Pietismus jetzt in manchen Ländern als die beste Schule gehorsamer Unterthanen den Regierungen zu empfehlen weiß, so ist zu bedauern, daß allerdings noch manchen Regierungen gehorsame Unterthanen lieber als gute Bürger sind. Denn nur etwa zum leidenden Gehorsam gegen den Staat, nicht zum lebendigen Antheil an den Interessen desselben, vermag der Pietismus, d. h. das piquirtc Festhalten am kirchlichen Pcincip innerhalb des Protestantismus, die Menschen heranzubilden. Diejenigen Angelegenheiten, deren Betrieb der Staat zu seiner ersten Aufgabe und zur Bedingung seiner höhern Wirksamkeit macht, die sogenannten materiellen Interessen, sind dem Pietisten etwas Niedriges und Verächtliches; in der Bezwingung der Natur, welcher der Staat Vorschub leistet, in Eisenbahnen, Dampfwagen und dergl., sieht der Pietist nur die Bereitung der Wege für die Ankunft des Antichrist; und wo auf den vom Staate gegründeten Bildungsanstalten die Wissenschaft in freiem Geiste betrieben wird, da ist ihm der Teufel schon leibhaft tig gegenwärtig. Was will es bei dieser Kälte, Verachrung. ja Erbitterung gegen die wesentlichen Bemühungen des Staates heißen, daß der Pietist das Bibelwort r Seid unterthan der Obrigkeit u. s. f. im Munde führt? Er wird es nur so lange auch in der That bewahren, als der Staat ihm in denjenigen Gebieten, die ihm zunächst am Herzen liegen, in Kirche und Schule, so furchtsam wie bis jetzt meistens nachgiebt: wo der Stäat dieß einmal außer Acht laßt, da erinnert sich dann der Pietismus alsbald, daß in der Bibel auch steht, man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen, und es kommt ihm nicht darauf an, eine Regierung über den Haufen zu werfen, wenn sich diese nicht vorher durch Großziehung des vernünftigen Denkens unter ihren Bürgern gehörig stark gemacht hat. Darum gewöhne sich endlich der Staat, auf eigenen Füßen zu siehen, und stütze sich immer weniger auf eine Krücke, die chm leicht unter der Hand zerbrechen, und ihn noch oben, ein durch ihre Splitter verwunden kann. Nachdem man in der protestantischen Welt seit dreihundert Jahren den Kirchenstaat als ein Unding abgeschafft, dagegen aber Staatskirchen eingeführt hat, wäre es nun doch wohl nicht mehr zu frühe, wenn man zur Einsicht käme, daß, mit dem Reiseschatten zu reden, Pferde mit Fischschwänzen und Fische mit Pferdsköpfen gleicherweise monstra sind. Diesen Begriff einer Staatskirche oder eines christlichen Staates glaubte daher eine liberale Regierung vor Allem umsioßen zu müssen, um einem billigen Judengesetze Raum zu machen. Man sehe den Vortrag des Würtembergischen Ministeriums des Innern in den Verhandlungen der Kammer der Abgeordneten des Kgr. W. in den JI. 1823 und 24, 4. außerord. Bcilagenheft, wo es unter Anderem S. 107 f. heißt: Mag man unserem Staate den Charakter eines chrifflichen beilegen, weil seine Genossen sich zum Christenthum bekennen: die innere Einrichtung desselben, die Thätigkeit der Staatsgewalt, isl durch dieses Bekenntniß keineswegs bedingt. Es giebt keine christliche Rechtspflege, keine christliche Polizeiverwaltung, keine christliche Staatswirthschaft; sondern alle diese Gegenstände sind dieselben, es mag sich dabei von Christen oder von Juden handeln. — Und vorher: Der Staat will zwar wahre Religiosität seiner Bürger, insofern sie ihm ein treffliches Hülfsmittel für die Bsförderung der Sittlichkeit ist, aber die Form, in der sie bewirkt wird, kann ihm gleichgültig sein, wenn sie nur ächtmoralischer Natur ist." Professor Rosenkranz hat in seinen mit so vieler Wahrheit und Anmuth entworfenen ,, Königsberger Skizzen" auch der kirchlichen Zustande bei den Israeliten Erwähnung gethan. Nach einem treu ausgeführten Gemälde, welches Königsberg speciell angeht, nimmt dev humane Versasser Gelegenheit, im Allgemeinen die Bildungsstufe und Sinnesart der Israeliten näher zu bezeichnen. Einige Satze theilen wir unfern Lesern mit: »Man hat sich mehrfach gewundert, wie Juden, Jüdft sche Aerzte zu einer solchen Theilnahme an der Politik, zu solcher Kenntniß und durchdringenden Einsicht kommen. In der That, diese Verwunderung beweist, daß man sich wenig um die Zeit gekümmert haben muß. Ein Volk, das nach politischer Gleichstellung mit den andern Staatsbürgern ringt, ohne die Religion seiner Väter desavouiren zu wollen, ein Volk, das seinen Messias noch erwartet, ein Volk, das durch den Handel mit den materiellen Thatsachen auf das Genaueste bekannt ist, ein Volk endlich, dem es niemals an verstandeskräftigen unb resignirten Menschen gefehlt hat, wahrhaftig, dies Volk oder keines muß zu einem politischen Interesse getrieben werden. Da es durch die bisherige Geschichte oft zurückgedrängt, oft gewaltsam in den Schmutz und die Verachtung hinabgestoßen war? so hat sich seit der Französischen Revolution, seit der Erklärung der Rechte der Menschheit, das Selbstgefühl der Juden ungleich energischer gehoben. Wo eine Schranke fällt, fallt sie auch für den Juden. Die Emancipation jeder Art arbeitet auch an der seinigen. Die Freilassung der

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