Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 11 (14.9.1842)
- Date
- 1842-09-14
- Page
- Seite 45 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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45 % und Verzagtheit und Leere und Hoffnungslosigkeit! Denn Lu hast wohl das, was Mittel des Glückes seyn könnte, aber nicht das Glück selbst. Denn das Glück kommt nicht von außen, sondern aus deinem Herzen! Ja, es ist jener heilige Sinn und Geist *הלן NN, den du in dir trägst, die Ahnung, daß du mehr bist, als du scheinst, die Ahnung deiner ewigen Verbindungen und Hoffnungen. Wie der, dem etwas Freudiges verkündiget ward, leuchtenden Blickes zum Kreise der Freunde tritt, und Alles, was er thut, und Alles, was er spricht, ist gleichsam ein freudiger Wiederhall des glücklichen Gedankens, der in ihm lebet und waltet — also der, der die göttliche Verkündigung in sich trägt, den Gedanken, daß Gott ihm nahe ist, mit sei-- nem Schutze, seiner Liebe, der Gedanke, daß er zu ihm beten, ihm vertrauen, auf ihn hoffen kann. Und wenn dein Leben also im Lichte göttlicher Gnade hinfließen soll, dann muß vor Allem jede Sünde aus deinem Herzen weichen, die Sünde nicht bloß der That, sondern auch der Unterlassung, und das ist, was der Prophet dir, in Len angeführten Worten vorhält: »Unterlaß nicht sagt er dir, der Noth zu wehren, die Ungerechtigkeit zu verhindern, und feiere den Sabbath und halte heilig den Willen Gottes?' Gern möchten wir freilich über das Letztere hin- Weggehen, wir möchten nicht gern, daß der Sabbath und die äußernreligiösen Satzungen so nahe zu unserm Glücke gehören sollen. Aber ein Leben ohne heilige Feste ist ohne Weihe und Erhebung, ein Leben ohne sinnbildliche Mahnungen an Gott verliert ihn bald aus den Augen, finket bald arm und dürftig zur Zeitlichkeit herab und höret auf, ein wahrhaft und innig glückliches zu seyn. ״Glaubst du an Gott? glaubst Lu an eine Ewigkeit?" Auf diese Fragen mußt du bei jedem Einzelnen, was dir in religiöser Beziehung zweifelhaft und undeutlich ist, znrückkommen. Glaubst du an Gott? Du sprichst wohl von ihm, nennest seinen Namen, aber glaubst du an ihn mir der Kraft des lebendigen Glaubens? Glaubst du an eine Ewigkeit? Du sprichst wohl von ihr, du erinnerst dich wohl ihrer, und wie solltest du nicht, da dir so Viele, die du so innig lieblest, dahin vorangegangen sind, da sich ihr Gedanke bereits in so vielen deiner Lhränen spiegelte! Ja, du standest an ihren Pforten, da die Gräber sich vor dir öffneten, du vernähmest die mahnende Stimme des Ewigen, da die Erdscholle schwer auf den Sarg fiel. Aber dennoch, glaubst du an eine Ewigkeit? Lebt, woran der Tod dich wohl mahnen mag, wenn du nicht gedankenlos an diesem ernsten, geheimnißvollen Ereigniß vorübergehest, lebt ihr Gedanke, in all seiner Seligkeit, in deinem Herzen? Glaubst du dich wahrhaft zur Ewigkeit bestimmt? Wie magst du dann verwundert von dir hinwegweisen, was nicht unmittelbar mit dem flüchtigen Verlangen deiner Zeitlichkeit Lu Verbindung steht? was nicht unmittelbar geeignet ist, deinen Erdentag zu füllen, das zeitliche Brod, die zeitliche Luft zu schaffen? Wenn Gott dich für die Ewigkeit geschaffen, wenn, wie du es weißt, die Zeitlichkeit dich Lhxer so oft, so leicht vergessen lasset, wie sollte dann Gott nicht, der die Schwache deines Herzens kennet, wie sollte er nicht dargeboten haben, was vermittelnd stehet zwischen der Zeitlichkeit und deiner Ewigkeit? Und das ist die Religion, mit allen ihren Geboten, Satzungen und Sinnbildern, das Reich Gottes auf Erben, als Denkzeichen, als Mahnung an Lein ewiges Reich. Wie flüchtig, wie unhaltbar ist dein^Glück. Willst du es festhalten, laß ja keinen seiner Faden los, keinen jener geistigen Faden, die deine Hoffnung an eine höhere Ordnung der Dinge, deinen Frieden an eine höhere Zuversicht, deine Schmerzen an einen heiligen Trost knüpfen, und die dein Erdenglück, es verklärend, zu einem Theil Leincs ewigen Glückes machen. Versuch es, es ist des Versuches werkh! versenke dich in die Weihe eines religiösen Lebens, gestalte dein Haus zu einem Tempel deines Gottes und entzückt, wie der nicht sehen konnte und plötzlich das goldene Licht erblickt, wie der nicht hören konnte und plötzlich das Rauschen heiliger Gesänge vernimmt, entzückt wirst du sehen , daß es Freuden giebt, die du nicht ahntest, ein Glück für dich und die Deinen, das du nicht begriffest. Ja, *אל תתענג על ה du wirst dein Glück finden in dem Ewigen, ein Glück, das dein ganzes Herz erfüllet, ein Gluck, das deine Zeitlichkeit verklären und deiner Ewigkeit dich würdig machen wird. Amen. 8—2. Der Sreslaucr Streit hat seit unserm letzten Berichte in M 6, anstatt znm Frieden zu führen, sich nur noch mehr verwickelt. Als Gründe der Suspension des Herrn Rabbiner Tiktin hatte das Ober-Vorsteher-Collegium in seinem ersten Berichte angegeben, daß Hr. Tiktin 1) die Functionen der Ehescheidung und Chaliza niemals durch das Rabbinats-Collegium, son- Lern stets mit Umgehung der andern beiden Mitglieder desselben, jetzt namentlich des Hrn. Rabbiners G e i g e r, vollzogen habe, daß er 2) die allmonatlichen Synagogal-Vorträge nicht gehalten, 3) in Len zwei alljährlichen Vorträgen die moralische Belehrung der Gemeinde nicht zum Inhalte genommen, 4) die Schulen nicht pflichtmäßig revidirt und 5) den Besuch der Kranken und Sterbenden vernachlässiget. Diese Anschuldigungen sucht Hr. R. Tiktin in seiner »Darstellung des Sachverhältuisses” zu widerlegen, bis auf die erste, indem er hier allerdings zugiebt, Laß er Hrn. R. Geiger nicht, zugezogM, aber nur, weil ein Mann, der »die Tradition läugne, die Principien des Talmud öffentlich verspotte, Funktionen nicht wohl ausüben könne, deren richtige Ausübung lediglich auf traditionellen Bestimmungen beruhe. (S. 16.) Auch R. Geiger hat eine »Ansprache an seine Gemeinde" der