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Sabbath-Blatt · 1842-09-14 · 11 (14.9.1842) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1842
Issue
11 (14.9.1842)
Date
1842-09-14
Page
Seite 44 (sequence 2)
Language
German
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44 gehet es ihnen, daß wir Alle glücklich werden können, in so fern wir sehend und am rechten Orte darnach suchen. Denn das Glück ist nicht der Fürsten Vorrecht, die Freude wohnt nicht nur in den Palästen- Rein, wie die Luft, die Zedern einzuathmen vergönnt ist, wie das Licht, nach dem jeder Blick sich sehnet, wie sie sich leuchtend und erquickend herabsenken auf die weit verbreiteten Geschlechter der Menschen — also läßt der allgütige Gott Freude und Glück, wie einen geistigen Hauch, alle Verhältnisse dnrchdringcn, in die Hütte des Bettlers einziehen, mit der geringen Gabe, die die Wohlthat ihm zu einem festlichen Tag gespendct, auf das Lager des Leidenden sich im Traume der Hoffnung herabsenken und in dem brechenden Auge des Sterbenden wiederlenchtcn, wenn er, an der Grenze des Reiches der Zeitlichkeit, von der Verfolgung seiner Quaalen sich befreiet fühlt. Za, wehe uns! wenn das Glück nur an Kronen und an Schätzen haftete, wenn Gold und edle Steine der Stein der Weisen wären, wenn wir in die Ferne und über die Meere ziehen müßten, um es uns mühsam zu suchen! Aber nein, לא מעבר לים הלא es ist nicht jenseits der Meere, nicht in unerreichbarer Ferne! Wir tragen es in unserm Herzen, es ist uns nahe und liegt vor unfern Schritten, wenn wir nicht stolzen, irren Blickes an ihm Vorbeigehen. Wie es die eine Sonne ist, die aus der Nacht die verschiedenen Farben wecket und in ihrer wechselnden Pracht sie leuchten und erglühen lasset, also ist es auch das eiuige innere Gefühl des Herzens, das mit seiner verklärenden Kraft, das was sich uns darbietet zum Glück zu schaffen vermag, so verschieden auch sein Wesen, so wechselnd auch seine Färbung seyn möge. Aus sei-- nem Herzen muß der Fürst die Mittel nehmen, um sich der Krone, die ihm verliehen, als eines wahren Glücks zu freuen; aus seinem Herzen nimmt der Edle das lohnende Glück seiner edlen That. Ein ruhiges Herz, ohne Vorwurf und Gewissensangst macht den Armen, in seiner dürftigen Hütte, oft so glücklich, daß er mit dem Reichsten nicht tauschen möchte, mit dem Reichsten, der oft bei allem seinem Reichthum wahr-!ich nicht glücklich ist. Und wollet ihr, gerührten Blickes, wahre Lust, wahre Freudigkeit sehen, so blikket das Kind an, das an einem einfachen Spiele sich ergötzt. Es trägt in seinem unschuldsvollen, sorgenlosen Herzen noch ungetrübt die Quelle seines Glückes. Es nimmt aus ihm jenen Reichthum der Phantasie, jene nie verlegene Erfindungskraft, die Dinge, die es um sich her sieht, gleichsam kindlich zu verklären und aus den einfachsten Mitteln sich Stunden der Freude zu schaffen. Aus seinem schuldlosen Herzen, da nimmt er den verklärenden Strahl seines Glückes, aus seinem schuldlosen und sorgenlosen Herzen! Darum ist seine Freudigkeit uns so rührend, darum ist der Anblick seines Glückes uns so ergreifend. Wir fühlen, ihm gegenüber, nicht nur die Schwere unserer Sorgen, sondern auch, wie sehr jene; reine und, wir dürfen es wohl so nennen, kindliche Schuldlosigkeit aus unserm Herzen entflohen sey. Denn auch von uns heißet cs: ״ ינים אתם לה' אלחינםKinder seyd ihr dem Ewigen, eurem Gotte!" Auch wir können kein Glück und keine wahre Freudigkeit des Lobens finden, wenn wir es nicht mit und in einem schuldlosen, Gott noch nicht entfremdeten Herzen suchen. Dies ist das Geheimniß, das denen verhüllet, das Rathsel, das ihnen ungelöset blieb, die das Glück in der Fülle der äußern Lebensgaben suchen können und es doch nicht fanden, die den tiefen, innigen Zusammenhang nicht be-- griffen haben zwischen dem Glück, der wahren Freudigkeit, und der Reinheit des kindlich-gottergebenen Herzens, eincs^Herzens, das nicht nur frei ist von der Sünde Der That, sondern auch von Sünden der Unterlassung. Wenn wir in den סליחלת, in den Gebeten, da wir Len Erbarmungsvollen um Vergebung unserer Sünden bitten, eine Zeit lang ununterbrochen die inbrünstigen Wünsche unsers reuevollen Herzens von unfern Lippen strömen ließen, da halten wir plötzlich inne, wir sammeln uns zu einem höchsten Wunsche, und die Gemeinde der Gläubigen vereiniget sich in folgendem Gebete, das wir, tief ergriffen, und unserer Ohnmacht und Schuld uns bewußt, vor Gott aussprechen: »שמע קולבל höre unsere Stimme, Ewi-- ger׳, unser Gott! schone, erbarme dich unsrer und nimm unser Gebet an in Erbarmen und in Gnade." »Verwirf uns nicht vor dir לרלח ל!דשך אל תל!ח ממנל und deinen heiligen Geist nimm nicht von uns." »אל תשליכנו. Verwirf uns nicht zur Zeit des Alters, wann unsere Kräfte schwinden, verlaß uns nicht." Und nicht umsonst sammelt sich unsre Seele zu diesem Gebete, nicht umsonst werden wir von demselben so lief, ja bis zu Lhränen ergriffen; denn es bezeichnet die wahre Grundlage unseres inner» Glückes, und ohne welches es auch kein äußeres geben kann. Wie wolltest Lu glücklich seyn, wenn du nicht hoffen kannst, von Gott im Gebet erhört zu werden? Wie wolltest du glücklich seyn, wenn du fürchtest, daß dein Alter von Gott verlassen seyn wird? Wie wolltest du glücklich seyn, wenn du dich von deinem Gott verworfen fühlest und der Geist der Heiligkeit, jener göttliche, jener heilige Sinn, der dich eben zum Menschen, zum Kinde Gottes machet, aus deinem Herzcn gewichen ist? Und wenn Kronen und Schätze sich dir darböten, du bleibst arm! und wenn Niesenstärke in deinen Armen läge, du bist kraftlos! und wenn aller Ruhm und Glanz der Zeitlichkeit dich umleuchtete, du bleibst elend! Zn deinem Herzen ist Nacht! Nacht

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