Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 11 (14.9.1842)
- Date
- 1842-09-14
- Page
- Seite 46 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Öffentlichkeit übergeben, worin er jene Beschuldigung des Hrn. Ti kt in und anderer 11 Rabbinen, auf deren Eingäbe *und Gutachten sich Hr. Tiktin bezieht, zurückweiset. Schließlich ist ein zweiter Bericht des Ober-Vorsteher- Collegii erschienen, worin derselbe die gegen Hrn. Tiktin erhobene Klage wiederholentlich und noch bestimmter zu begründen sucht. Auf die Meinungsverschiedenheit über Talmud und Tradition, wie sie zwischen Hrn. Tiktin und den andern schlesischen Rabbinen einerseits und Hrn. Geiger anderseits etwa Statt», findet, näher einzugehen, ist hier natürlich nicht der Ort. Was aber das sonstige Sachverhältniß betrifft, so sey es uns gestattet, hier unsere durchaus unpartheiische und unbefangene Ansicht über dasselbe kurz darzulegen. Betrachten wir die dem Hrn. T i ktin gemachten Beschuldigungen näher, so ist wohl nur die erste, und auch diese nur, in sofern sie sich auf Hrn. SR. Geiger bezieht, eigentlich ernst gemeint. Denn die allmonatlichen Vorträge und all das Übrige wird man ihm gern erlassen und würde es wohl nie eine Veranlass sung zur Suspension des Rabbiners geworden seyn. Es bleibt also nur Las Eine: Hr. R. Tiktin weigert sich, mit Hrn. R. Geiger in den ad 1. angegebenen Fällen und außerdem auch namentlich bei Trauungen, gemeinschaftlich zu fungiren. Hierdurch wird der Zwiespalt, die Verstimmung in der Gemeinde genährt, das Gute kann ohne den Frieden in derselben nicht eigentlich gedeihen und dieselbe ist auf diese Weise vor der Wiederholung ärgerlicher und schmerzlicher Vorfälle, wie neulich auf dem Begräbnißplatze, niemals gesichert. Allen Liesen Übelftänden soll durch die Suspension des Hrn. R. Tiktin gründlich abgeholfen werdest. Ob dies wirklich der Fall wäre, ist, bei der in der Gemeinde herrschenden Stimmung, nicht mit Sicherheit abzusehen. Um so mehr scheint es uns eine heilige Pflicht Dessen, den Frieden wieder herbeizuführen, in dessen Macht dies noch liegt und dies ist Hr. Rabb. Tiktin. Derselbe gestatte dem Referenten, der, nach seinen bekannten religiösen Ansichten, wohl auf einiges Vertrauen von Seiten des Hrn. R. Tiktin Anspruch machen darf, seine Meinung frei und in Liebe und im innigen Wunsche, Etwas auch seiner Seits zum Frieden beizutragen, hier auszusprechen. Hr. R. Tiktin mag auf seinem Standpunkte vollkommen berechtiget seyn, manche Ansicht des R. Geiger nicht zu theilen. Hielt er demnach dessen Eintritt in das Amt für gefährlich in Bezug auf das religiöse Wohl der Gemeinde, so konnte er, bevor dieser Eintritt erfolgte, jedes offene und ehrenwerthe Mittel anwenden, um denselben zu verhindern. Führte dies aber nicht zum Ziele, war Hr. R. Geiger wirklich einmal angestellt, so blieb Hrn. Tiktin nur Eines übrig, nämlich sich einen möglichst großen Einfluß auf die Personen und auf die Verhältnisse zu verschaffen und zu bewahren, um auf diese Weise das Mittel in Händen zu haben, jede wirklich irreligiöse Neuerung und jede falsche Richtung, die die Gemeinde nehmen, konnte, zu verhüten. Daß dieser Zweck durch freundliches, artiges Entgegenkommen, durch friedliche Gestattung des Erlaubten Druck und Verlag von N e e am sichersten zu erreichen war, ist wohl klar. Und Ref. ist fest überzeugt, daß sowohl der Vorstand als Hr. Geiger, Len gerechten Forderungen des Hrn. Tiktin gewiß stets gewillfahrt hätten, so bald sie sich nur überzeugt sahen, Laß derselbe nicht eben von dem Grundsatz» ausgehe, sich Allem zu widersetzen. Statt dessen wies Hr. R. Tiktin die persönlichen Besuche des Hrn. R. Geiger auf eine sehr unfreundliche Weise zurück, und hiemit jede Möglichkeit einer friedlichen Verständigung. Er wollte bei Trauungen nicht gemeinschaftlich mit ihm fungiren, er schloß denselben von den Funktionen bei der Chaliza und bei Ehescheidungen aus, obwohl er Lurch Zuziehung noch anderer Assessoren, wie Hr. R. Geiger in seiner »Ansprache" selbst andeutet, jede» seiner Gewissensscrupel vollkommen beseitigen konnte, zu Lenen wohl auch sonst keine Veranlassung da war, da Hr. R. G. eben durch seine Anwesenheit selbst, gezeigt haben würde, daß ihm die ungefährdete Rabbinische Form dieser Functionen, wichtig genug sey, überdies auch Hr. Tiktin für Len ordentlichen Verlauf der ganzen Handlung genugsam Sorge tragen konnte. Hr. Tiktin hatte um so mehr Ursache zu einem friedlichen Vernehmen, da er es selbst verschuldet hat, wenn endlich ein Mann, der nicht ganz nach seinem Sinne ist, angestellt wurde, da er sich früher der Anstellung eines jeden Predigers, bei dessen Wahl man sich nach seinen Ansichten richten wollte, entgegengesetzt hatte. Noch jetzt also muß, unserer Ansicht nach, Hr. R. Tiktin zum Frieden einlenken, und wir beschwören ihn, bei Annäherung des יום כפור, im Namen der Religion selbst, die durch Streit nimmer gefor- Lert wird, so wie des wahren Wohles seiner Gemeinde, und der Israeliten überhaupt, die nur in Eintracht hoffen können, in der umgebenden Welt, jene Achtung und Rücksicht zu finden, von der das wahre Gedeihen ihrer Bestrebungen abhängt, ja, wir beschwören ihn, als einen würdigen Gottesgelehrten, noch jetzt jede Gelegenheit zur friedlichen Ausgleichung zu ergreifen. Er weife vor dem hohen Tage der Versöhnung einen erneuerten Besuch des R. G eig er (mögen diese Zeilen eines wahrhaft Theilnehmenden hierzu die bescheidene Veranlassung seyn!) nicht zurück, dessen liebenswürdige Persönlichkeit gewiß jenes feindliche Mißtrauen besänftigen wird, er gestatte fortan dessen Gegenwart bei der Chaliza und bei Ehescheidungen, er widersetze sich der gewiß harmlosen Mitwirkung desselben bei Trauungen nicht, und sorge nur dafür, Laß hier wie beim Gottesdienste nichts wirklich Ungesetzliches geschehe, was, soviel aus Len Verhandlungen hzrvorgehet, auch Niemand beabsichtiget. Allerseits aber vergesse man jedes bittere gesprochene oder geschriebene Wort, man ziehe den Schleier der Liebe über alle diese schmerzlichen Vorgänge, על כל פשעים תכסה אהכה! und man wird einen wahrhaft gottgefälligen Versöhnungstag gefeiert haben, allmählig werden sich die aufgeregten Gemüther schwichtigen, und der Friede, den gewiß Alle wünschen, wird unter Gottes Schutz gewonnen seyn!_ S—z. lano-HartDano in Elbing. ~