Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 10 (5.9.1842)
- Date
- 1842-09-05
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Äeilage?um ^Sabbctth-Matt" *M 10. Zum 5. September 1842 heit unv Verstimmung der Israeliten rechnen, die daher kommt, daß sie in der Wahl der Berufsarten so sehr beschränkt sind, und welche auch hemmend selbst auf diejenigen Berufskreise zurückwirken muß, die ihneu offen stehen. Man will oft dasjenige nicht, worauf man durch Zwang allein angewiesen ist, es gehört freudige Freiheit dazu, um mir Liebe zu wählen. Würde dem Israeliten das Bürgerthum wahrhaft geöffnet seyn, würde er als Soldat, Gelehrter, Künstler, Berücksichtigung nur verdienen dürfen, um sie und Anstellung zu erhalten, würde nur jene Anzahl von untergeordneten Ämtern sich ihm öffnen, es würde in das Volk eine Freudigkeit, eine gewisse geistige Federkraft kommen, die der Staat wahrhaft nicht zu beklagen hatte, es würde dies namentlich auf die attgemei» nere Erziehung vieler Kinder für jene untergeordneten bürgerlichen Stellungen, einen wohlthätigen Einsiuß üben. Der Knabe z. B., der keine gelehrte Erziehung genossen hat, und den der Vater dem Kaufman'nsftande nicht widmen möchte, könnte dann, wenn er zum Hand- Werker aber keine Lust hat, noch Schreiber bei irgend einem Gerichte, Zollbeamter, Gerichtsbote, Soldat, Musiker, Schauspieler (welchen letztem bis jetzt jede Anstellung an einer bedeutendem (Hof-) Bühne verschlossen ist), und Vieles Andere der Art werden, überall mit der Hoffnung, nach etw'anigem Verdienst zu steigen. Seine Erziehung, für solche Lebenskreise wäre also nicht, was sie jetzt ist, verfehlt, wenn der Heranwachsende Knabe für den einen Stand des Handwerkers auch keine Neigung hätte; während jetzt, um solcher Gefahr auszuweichen, viele Väter ihre Kinder gleich in die Gymnasien schicken, aus denen sie nachher allenfalls in die Handlung übergehen, aber der Wahl eines Handwerkes schon durch die höhere Geiftesrichtung entfremdet sind. Der Hr. Verf. wird sich also überzeugen, daß das, was die Israeliten seit 30 Jahren noch nicht in derselben Zahl, wie die Christen, den Handwerken zuströmen, oder in denselben verharren ließ, nicht eben im Zudenthum selbst, und noch weniger in der Religion, sondern in ganz andern, äußerlichen Ursachen zu suchen ist. Um so mehr muß er es würdigen, daß dennoch schon seit diesem, in solchen Verhältnissen, äußerst kurzen Zeiträume, so viele Jüdische Handwerker sich gebildet haben. Denn seine Angabe, daß sich in dieser Beziehung, seit 1812, wenig in den Beschäftigungen der Israeliten geändert habe, ist wohl, er vergebe uns, etwas übertrieben. Er bemerkt selbst, daß unter den Stempelschneidern u. s. w. verhältnißmäßig viel Juden sind, er glaubt einen besondern Grund angeben zu müssen, aus welchem Israeliten selten Gold - Silber - Arbeiter und Uhrmacher sind, aber dennoch giebt es schon äußerst geschickte Uhrmacher (wie z. B. hier in Königsberg einen) und Goldarbeiter.*) Und liegt es z. B. nicht in der Natur der Sache, daß es wenigstens dreißig Mal so viel Schuhmacher und Schneider geben müsse? Doch auch allen andern Handwerken haben sich bereits Juden zugewendet und Referent erinnert sich namentlich, in Wien, wo es eine Sonntagsschule für Jüdische Handwerker giebt, unter 28 jüdischen Lehrlingen 18 verschiedene Gewerke von den gröbsten, als Grobschmied, bis zu den feinsten, als Perlmutterdrechsler, Goldschmied u. s. w., gefunden zu haben. In Berlin wurde dem Ref. vor einigen Iahren versichert, daß es daselbst 118 jüdische Meister gebe. Wir können natürlich für die Richtigkeit dieser Zahl nicht stehen. Aber gewiß ist es, daß es jetzt schon an jedem nur irgend erheblichen Orte einen oder mehrere Jüdische Handwerker giebt. Ist dies, als Wirkung von dreißig Jahren, unter solchen noch fort- Lauernd schwierigen Verhältnissen, nicht beachtungs- ' Werth und für die Zukunft nicht viel versprechend? Auch ein eigentlicher Bauernstand wird sich attmählig unter Israeliten bilden, wie es in Rußland in der That eine Reihe von Dörfern giebt, die nur von Jüdischen Bauern bewohnt werden und deren Landwirthschaft sehr gerühmt wird. Natürlich müssen solche Verhaltnisse erst näher herankommen und sie können am wenigsten, nach 18hundertjahriger Entwöhnung, sich sogleich wieder Herstellen. Doch giebt es auch schon *) Wie B. hier in Elbing einen. Anm. Red.