Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 10 (5.9.1842)
- Date
- 1842-09-05
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 als Ärzte, deren, wie der Verf. bemerkt, verhältnißmäßig große Anzahl, bei Eröffnung anderer wissenschastlicherBerufsarten, sich unter diese vertheilen würde (anstatt daß, wie der Verf. befürchtet, überall eine gleich große, unverhältnißmäßige Anzahl, sich einfinden sollte). Aber die unendlich größere untere Klasse, die bei ihrem Kleinhandel verschmachtet und der es eben die größte Wohlrhat wäre, ihn mit andern noch so untergeordneten Beschäftigungen zu vertauschen, ja, gegen die der Handwerker unendlich glücklich ist, Liese Klasse kann von ihrem Kleinhandel unter Anderm nicht sogleich wegkommen aus Noth. Setzen wir uns an die Stelle eines jener Bejammernswürdigen, armen, jden Hausirhandel treibenden Juden (jener, von denen der hochherzige Cotta einmal in der Stände-Versammlung sagte: »derSchacherjude ist mir der Interessante, — weil er der unglücklichste ist". Er hat unter seiner zahlreichen Familie vielleicht drei Knaben. Diese ordentlich zu kleiden und unterrichten zu lassen, hat er keine Mittel. Sie an dem kleinen Orte, in welchem er wohnt, zu einem Handwerker in die Lehre zu geben, bietet sich ihm keine Gelegenheit dar. Nach einem andern Orte sie zu diesem Zwecke hinzubringen, erfordert auch manche Auslage, die er nicht machen kann. Auch ist es an größern Orten nicht so gar leicht, einen Lehrling unterzubringen; es muß die rechte Gelegenheit abgewartet werden. Dies zu thun hat der Arme nicht Zeit. Zudem hat der Knabe auch nicht genug gelernt, es müssen sich seiner in der großen Stadt Menschenfreunde annehmen, die zuerst ihn in Kost geben, ihn in einer Schule unterbringen und dann einen Meister aufsuchen, der ihn in die Lehre nimmt. Man sieht, daß dies Alles für seine Kinder zu erlangen, dem armen Handelsjuden nicht sofort und im glücklichsten Falle nur etwa bei einem derselben gelingen wird, wenn er sich die unsägliche Mühe giebt, die dies meist erfordert. Aber kaum kommt hierzu der von bittern Nahrungssorgen gedrückte, der die Woche hindurch mit seinem schweren Waarenpack auf den Dörfern umherwandeln muß; es fehlt ihm an dem Mmhe, an dem freudigen Unternehmungsgeiste, der Zu allen Dingen nöthig ist. So macht es sich denn von selbst, daß der Knabe, wenn er etwas herangewachsen, dem Vater hilft, an seinen Packen zu tragen, und es ist dem Unglücklichen eine erwünschte Erleichterung, wenn diejenigen ihm doch wenigstens einigermaßen behilflich zu seyn anfangen, die zu ernähren ihm so sauer wird. Es giebt aber noch andere Hindernisse, die nur allmählich überwunden werden können. Es ist oben angedeutet worden, Laß es mitunter schwierig ist, einen Lehrling unterzubringen, diese Schwierigkeiten häufen sich bei einem jüdischen Lehrlinge, wegen des noch immer bestehenden Judenhasses unter Meistern und Gesellen, den im Volke zu beseitigen das einzige, sichere Mittel wäre, wenn die obersten Staatsbehörden aufhörten, einen Unterschied zwischen den Bekennern verschiedener Religionen zu machen und so mit dem Beispiele gleichstellender Liebe vorangingen. Viele Meister haben noch eine unüberwindliche Abneigung gegen jüdische Lehrlinge. Unter christlichen Gesellen haben diese oft einen sehr schwierigen Stand. Und es sind die Beispiele nicht selten, daß entweder die christlichen Gesellen sich geweigert haben, mit dem Jüdischen gemeinschaftlich zu arbeiten und ihren Meister deßhalb zu verlassen droheten, oder auch, daß die Meister einer Zunft sich gegen denjenigen verbanden, der einen Jsraeliren in die Lehre nehmen wollte. Der Hr. Verf. selbst scheint dies von den Gold- und Silber-Arbeirern und Uhrmachern einigermaßen anzudeuten. Hat sich nun gleichwohl der jüdische Bursche und Geselle durch dies alles hindurch gearbeitet, so bleibt ihm ferner doch als Meister gar Vieles zu bekämpfen. Er muß schon die außerordentlichste Geschicklichkeit besitzen, um bei der christlichen Bevölkerung Arbeit zu finden und sie das mehrhundertjährige Vorurthcil vergessen zu lassen, und, der Verf. wird es kaum glauben, es gehört für ihn fast noch mehr dazu, um sich den Israeliten zu empfehlen, denen es gar sehr an jeuem Corporationsgeiste fehlt, den man ihnen so oft har andichten wollen. Dies ist ein Theil der Schwierigkeiten, mit denen der israelitische Handwerker zu ringen hat, und sie sind nicht eben geeignet, einem Vater Lust zu machen, namentlich den Armen, zu den vorhin geschilderten großen Anstrengungen zu ermuthigen, um seinen Sohn diese langwierige und doch so schwer zum Ziele führende Laufbahn einschlagen zu lassen. Hierzu muß aber der Verf. noch die allgemeine Niedergeschlagen- Beilage.