Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 8 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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niedriger Gedanke, daß du etwa denken mochtest, nahe ist das siebente Jahr, das Erlaßjahr und daß du darum mißtrauisch auf deinen Bruder blickest und ihm Nichts gebest, sondern öffnen sollst du deine Hand Leinem Bruder, dem Armen in deinem Lande." Bei al-- len diesen Geboten aber, bei allen Gesetzen der Wohlthätigkeit soll kein Unterschied gemacht werden zwischen den Israeliten und Nichtisraelikcn. Und wollen wir mit einem Worte vernehmen, was wir uns aneignen müssen, um alle jene Forderungen der heiligen Schrift im rechten Geiste zu erfüllen — der Abschnitt von den ״Sprüchen der Vater" (פ/ אבות), welcher an diesem Sabbath gelesen wird, nennet es uns; denn bei allen Vorwürfen und Vcrlämudungen, mit denen man gegen die Lehrer des Talmuds, aus Umrissen-- Heit und träger Nachfprechcrei,'so freigebig ist, wird man doch Zugeben müssen, daß sie jenen göttlichen Geist unbeschrankter, uneigennütziger Liebe wohl .auf-- gefaßt haben, und in ihren Lehren und Mahnungen gar oft wiederhrllen lassen. In dem bezeichneten Abschnitte ans den » Sprüchen der Väter" (ll, 10) wird über die fünf Schüler eines weisen Lehrers ein vergleichendes Urtheil gefällt, wobei es heißt: »Wären alle Weisen Israels in einer Schaale und Elieser, Sohn des Horkanos, in der andern, er würde sie Alle überwiegcn." Ein anderer Weiser aber urtheilt: ״Wären alle Weisen Israels in einer Schaale und Elieser, Sohn des Horkanos, mit ihnen, aber Eleasar, Sohn des Ar ach, in der andern, er würde allein sie alle überwicgen." Und nun lasset uns die sittliche Ansicht des so Gefeierten, neben den Ansichten seiner Mitschüler kennen lernen. WaS kann uns, so wird gefragt, in nnserm Leben besonders wünschenswerth erscheinen? Rabbi Ellefer sagt: עי| סובה »ein gutes Auge," das dem Andern sein Glück gönne und sein eigenes sich nicht trübe, durch neidisches Gelüsten nach dem fremden. N. Zosna sagt: יי חבר טלב ein guter Freund," ein Freund, der im Glück und im Schmerze mit uns fühle, uns theitnchmend und tröstend zur Seite stehe. N. Jose: שלן טוב »cf« guter Nachbar", der uns nicht durch Unruhe und Streitsucht den Genuß unseres Besitzes verkümmere: R. S i m e o n:הרואה את הנולד ״wenn man das Kommende vorhersiehct", wenn man, durch weise Berechnungen der Folgen, im Stande ist, seine Maßregeln richtig zu treffen und Unfällen auözuweichen. N. Eleasar aber, dem der Lehrer vor all den Andern den Preis zuerkennt, sagt: לב טוב ß »ein gutes Herz!" ׳ Und in der That, cs liegt unendlich viel und das j» Veste von all dem Andern in diesem einen Worte. D Ein gutes Herz trägt alle Gesetze der Liebe in sich und sie dürfen ihm nicht erst viel erklärt undcmpfoh» || len werden. Von ihm gilt wahrhaft, was geschrieben stehet: ״Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir , nicht wunderfremd und nicht fern, *) es liegt dir nicht himmelshoch und nicht in Meeresweiten, sondern es ist > dir nahe, csl ist בפיך in deinem Munde", das Gebot der Offenbarung, das Gesetz der Liebe wird dir gar leicht geläufig, du trägst es auf deinen Lippen, was j du sprichst, ist der Wiederhall desselben; בלבבך)! denn du hast es auch schon im Herzen לעשחו, es ist dir innigstes Bedürfniß darnach zu handeln. (5. B. ' Mos. Kap. 30. V. 11—11.) Ein gutes Herz wird gewiß nie gegen jener' göttlichen Gesetze sündigen, die jede eigennützige Rück» I sicht und Besorgniß so streng verbieten, denn in ihn 1, wohnt die wahre Liebe. 1 Ein gutes Herz ist also wohl Werth, daß , wir cS uns wünschen, in ihm liegt eine reiche Bürg» schaft wahrer Tugend und Frömmigkeit, ein reicher Schatz des Glückes, eines Glückes, das nur der kennen und empfinden kann, der die Empfang- £ lichkeit für dasselbe in sich trägt. Denn wie die ' reinen Freuden der Tonkunst, der hohe Wohllaut der f Gesänge, in denen wir unser Herz zu Gott erheben, s wie sie dem fremd und unerquicklich bleiben, der nicht s das Ohr hat, sie zu hören und die Seele, sie zu em»! pfirrden, also bleibt der Frieden, Las Glück uneigen׳ j nütziger Liebe dem fremd, der den Sinn für sie und f ihre Quelle nicht in sich trägt, der — kein gutes ״ H erz hat. Ja, wie die kühlende Quelle, die den er- ׳ müdcten Wanderer im Gebirg erquicket, ohne von ihrn belohnt zu werden: wie die Sonnenstrahlen, die uns wärmen und uns Licht spenden, ohne zurückzuem» pfangen, also ist ein gutes Herz, also ist der Sinn de- 1 rer, welche die Liebe Gottes in sich ausgenommen haben, in seinen Wegen wandeln und welche die Schrift , - j לא נפלאה הוא ממך ולא רחקה הוא ס L