Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 7 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8620046-8635248-8635264--042-8620178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
27 Werden die Israeliten und wurden tie bisher durch ihre Religion von dem Getriebe landwirthschaülicher und Handwerkerarbeiten abgehalten, und liegt hierin ein wirkliches Hindernils ihrer bürgerlichen Gleichstellung 2 (V0N Dr. 8 — 2.) Die Frage, warum die Israeliten, auch nachdem eine mildere Denkweise es nicht mehr zu dulden scheint, daß man den Andern um seines verschiedenen Glaubens willen hasse und verfolge, warum die Israeliten gleichwohl noch immer zurückgestellt werden, warum ihnen noch immer die meisten Wege verschlossen bleiden, dem Lande, in dem sie wohnen, durch ihre Kräfte zu nützen, diese Frage drängt sich denkenden Männern immer mehr, immer ernster auf. Zeder möchte sich das scheinbar Unerklärliche auf irgend eine Weise erklären. Denn offenbar könnte doch der Staat Lurch Zulassung einer neuen, geistig kräftigen Menschenmasse für seine Wirksamkeiten, durch die Möglichkeit, seine Beamten unter einer größer» Anzahl Bewerber auszusuchen, (durch eine Coneurrenz des Genie's) nur gewinnen, da man doch wahrlich nicht sagen kann, daß Menschen, die sich durch glückliche Anlagen, reiches Wissen, begeisterte Pflichttreue auszeichnen, wenn sich etwa Erscheinungen dieser Art auch unter Israeliten vorfänden, daß sie weiter gar keine Beachtung verdienten, daß der Staat hieran schon jetzt, für seine verschiedenen Dienstzweige, genug ״habe, daß jetzt das wahre Talent, bet dem großen Überflüsse dieses Gegenftandes, gewissermaßen im Preise gesunken sey. Warum bleiben also Israeliten noch immer von Civil- und Militair-Ämtern ausgeschlossen? — Männer, die über religiöse Befangenheit, über eigennützige Selbstsucht erhaben sind, oder doch erhaben zu seyn glauben, möchten hierzu gern den philosophisch und staatsrechc- Lich gültigen, schwer zu ersinnenden, Grund aufsinden, und so sucht sich hier denn Jeder durch eine eigene Ansicht zu helfen und zu beruhigen. Eine Zeit lang half man sich mit der Idee, die Israeliten wären Fremdlinge, die hätten also kein Recht auf einheimische Anstellungen. Jndeß dieser Gedanke mußte bald in mehrfacher Hinsicht venverflich erscheinen^ Denn offenbar muß doch 1) der Staat das Recht haden, von einem solchen Grundsätze abzugehen, wenn derselbe, wie oben angedeuket worden und Zedermanne klar ist, gegen den eigenen Bortheil dieses Staates ist. Warum sollte sich der Staat eine Fessel anlegen, die ihn hindert, auch aus der Fremde das wirklich Gute sich zu nutze zu machen? Auch giebt es 2) einen solchen staatsrechtlichen Grundsatz gar nicht. Bielmehr sehen wir Len Preußischen Staat die aus Frankreich Ausgewanderten mit offenen Armen empfangen. Wir sehen außerdem viele Fremde zu akademischen Ämtern berufen und in den höchsten Kreisen des Staatsdienstes. 3) Wäre ein solcher Grundsatz vom religiös-sittlichen Standpunkte aus, den der Staat anerkennen muß, am meisten verwerflich, denn die neuere Zeit wird doch nicht hinter Len Rechtsgrundsätzender alten Israeliten Zurückbleibenwollen, in deren Gesetz es hieß: ״Gleich dem Einheimischen soll euch der Fremdling seyn, der bei euch weilet, und sollst ihn lieben wie dich selbst (denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Ägypten)." 3. Mos. 19, 34. Endlich 4) hat der Staat jenen Grundsatz in Hinsicht der Israeliten wirklich für nichtig erklärt, indem er sie als Einheimische, als Staatsbürger anerkannt hat. Daher suchten Andere wieder die angeblichen Gründe in der Israelitischen Religion selbst aufzufinden, so daß es den Israeliten zur Last gelegt wurde, wenn man ihnen keine Staatsdienste gab. Es ging hierin, wie in den alten Karten von Palästina. Eine Menge von Städten, deren Lage man nicht mehr genau kannte, und die man sonst nicht unterzubringen wußte, verlegte man an den Jordan. Die Ufer des Jordan aber sind, wie neuere Untersuchungen zeigen, die größte Strecke hindurch eine Sandwüste, und man hatte demnach eine Reihe blühender Städte auf — Sand gebaut; so wucherten und blüheten auch jene neu erfundenen Gründe auf Sand, und man ward dies al» sobald gewahr, als man die Sache näher und gründlicher erforschte, zumal, nachdem die Israeliten in mehrern Ländern wirklich Staats- und Militair-Ämter, ungeachtet ihrer Religion, mit Glück, und ohne daß man ihnen eine Nachlässigkeit vorwerfen konnte, verwalteten. Besonders unterhaltend ist es in dieser Beziehung z.V. zu lesen, wie ein äußerst gelehrter Schriftsteller (Joh. Dav. Michaelis) vor etwa vierzig Jahren sich einbildet, die Verweigerung der bürg erlichen Rechte, unter welcher die Israeliten litten,