Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1842
- Issue
- 7 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 dich, Unglücklicher! indem du eine Last von Sünden auf deinem Herzen trägst, du bemühest dich, dein Gewissen verstummen zu machen, du bemühest dich, Gottes zu vergessen und jeden Glauben an seine Allgegenwart, an seine Gerechtigkeit, an Lohn und Strafe in dir zu tödten. Aber vergebens! Gott waltet dennoch, und er schauet deine Sünden! und in dir lebt die tiefe Ahnung, daß dem also sey, die düstere Angst vor seiner richtenden Nähe. Und wenn die Donner über deinem Haupte dahinrollen und jeder Blitz »ein Bote Gottes" 2) dein Todes-Urtheil bringen kann, oder wenn Krankheit dich auf dein Lager niederwarf und du die letzte Stunde deines sündenvollen Lebens kommen stehest, oder wenn Nacht um dich ist, den Einsamen, und wenn ihre schauerliche Stille dich vernehmen läßt, wie deine gottgegebene Seele, dein besseres Selbst, leise über deinen Sündentaumel urtheilt, ihn schmerzensvoll verdammt — dann richtet deine Angst sich in dir auf und alle Schrecken deiner Seele werden wach, ein rauschendes Blatt macht dich erzit- Lern, ein Lichtstrahl, der durch die schwarzen Schatten hinstrcift, läßt dich richtende Geister sehen, daß kalte Schauer dein Angesicht umweben! — Was strebtest tu nicht ungetheilt mit Gott zu seyn? Dann bist du nimmer einsam; du weilest »in seinem Schutze" 2 3 4), die düstere Nacht kann dich nicht schrecken, die schweigend kunst zu erschauen glaubten, aber du bist doch nicht ganz sicher, ob nicht aus den Linien deiner Hand, oder aus anderm Spiel und sündig-abergläub'schem Treiben, die ernste Wendung Leines Geschickes zu ersehen wäre, das geheimnißvoll in Gottes Händen ruhet. Und wenn du eS nun also erschauen konntest, wärest du glücklicher und ruhiger? Würde nicht ein heiß ersehnres, glückliches Ereigniß deines Lebens, wenn du es Zahre lang vorher wüßtest, würde es dir nicht deine Gegenwart schaal und ungenießbar machen, dich jeden Tag ungeduldig hinwegwünschen lassen, daß dem jugendlich froher Sinn sich fieberisch verzehrte und der begeisternde Morgentraum deines Lebens Zur sengenden Schwüle des Mittags würde —? Oder, wenn du eine freudlose Zukunft vorhersähest, würde dir dies nicht jede freudige Stunde, die dir noch beschieden war, verbittern, daß du, früh hinwelkend, wiedurch ein schleichendes Übel vernichtet, nimmer die Kraft gewinnen konntest, dein Unglück ergeben, vor Gottes Angesicht zu tragen und in dem Gedanken an eine Ewigkeit, Len du einst mit jugendlichem Feuer ergrif» fest und deinem Herzen früh, für alle Zeiten, ringe-״ prägt, deine Zeitlichkeit gläubig hinzunehmen, wie sie ׳.. .Gottes Weisheit über dich beschlossen —? Oder errd» ie /lieh, würdest du deine Todesstunde bestimmt berechnen )/ können, dein ganzes Leben würde dir zum Grabe, und Einsamkeit wird dir zur Friedensstille, Blitze und Krankheit sind Boten, die dem Befehle deines liebenden Vaters, gehorchen und was seine Weisheit und Güte dir nicht zugedacht, »dich trifft es nicht, ob auch Tausende zu deiner Seite fallen, ,כי מלאכיו יצוה לך, denn seine Engel sendet er dir zu, daß sie dich schirmen auf allen deinen Wegen, sie leiten und heben dich über Gefahren hin"^) und selbst der Tod wird dir zu einem Engel des Lebens. Oder, wenn du deren Einer bist, deren es Gottlob! nicht Viele in Israel giebt, welche die Zukunft ihres Lebens gern schauen möchten, durch Mittel, die der Aberglaube fand — du spottest zwar darüber, daß die Heiden aus dem Zuge der Wolken, aus dem Fluge der Vögel, aus den Eingeweide» der Opferthiere die Zu- 2) »Er machet Winde zu seinen Boten,משרתיו אש להט zu seinen Dienern fiammende Blitze," Ps. 104. V. 4« 3) בסתר עליון Ps. 91,1, 4) Ps. 91, 7 —12. jede Höhe deines Geschickes zu einem Todtenhügel. Darum ergieb dich ungetheilt in Gott, vertraue feinem sehenden Auge und danke ihm für den Schleier, mit dem er deine Zukunft dir verhüllet. Du hast keine Zaubermittel, dein Leben dir willkührlich zu gestalten, und wenn du sie hättest — du wüßtest nicht, was dich zum Glücke führen könnte. Suche dein Heil im wahren Glauben, in lichter Erkenntniß und nicht im Aberglauben. Ehrfürchte Gott und du darfst sonst Nichts fürchten. Laß ihm die Sorge Leines Lebens und du darfst ruhig und freudig seyn! Wohl ihm, Allgütiger! der in Deinem Schatten, ver» trauend, weilet, und sich berget unter Len Flügeln Deiner Gnade. Sein Heller Blick schauet empor zur lichte» Sonne und keine düstre Angst umnachtet ihm sein Herz. Er weiß, daß Du, daß Du allein ihn schirmest, ״und wandelte er auch im Todesschattenthale — er fürchtet Du bist mit ihm!" Amen. 8—-L»