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Sabbath-Blatt · 1843-06-24 · 25 (24.6.1843) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1843
Issue
25 (24.6.1843)
Date
1843-06-24
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 und Kummcr, so lange wir unter Menschen wohnen, die da weinen, füllet sich auch unser Auge oft mit Thränen, und unser ganzes Leben gleichet einer Leidensnacht. David spricht: »Am Abend stellt sich das Weineu ein, am Morgen herrschet Freude."*) Weinend ׳begrüßt der Mensch die Welt; wann er geboren wird dann ist es Abend; freudig scheidet er von hinnen, wann er stirbt — dann ist es Morgen. Zwischen Abend und Morgen liegt die Nacht. Das ist die Nacht, die der Mensch durchweint. Ist die Nacht vergangen, dann folgt der Morgen, der ewige Freuden bringt. Der Mensch ist zum Leiden geboren. 2) Des Menschen Tage sind wie des Söldners Tage, und die Kämpfe ruhen nimmer. Ist der Traum der Kindheit vergangen, dann stellt sich der Ernst des Lebens ein, und schon im frohen Iugendlau.de lernen wir rauhe Pfade kennen. Je länger wir in der Wüste des Lebens bleiben, je unfreundlicher berührt uns die Welt. Wir arbeiten, aber sehen wenig Erfolg; wir mühen uns, aber die Armuth bleibt unser Thcil. Wir furchten Mangel und wissen nicht, woher Brot nehmen für uns und für die Häupter, die in unsrer Hütte leben. Darum weinen wir, und hoffen auf den Morgen, wo uns Gott mit seiner Gnade sättigen wird. Zu der Lebcnsbürde, die auf uns lastet, gesellt sich oft auch Krankheit und Schwäche, daß unser Arm sinket bei der Arbeit, und unsere Hand schwach wird bei dem Tagewerke.— Auch der Gedanke an die Gräber, darin unsere Lieben und Theuern ruhen, erfüllt uns mit Wehmnth und Trauer; und das Bewußtsein, allein und verlassen dazustehen, trübt das Gefühl unfers Daseins, Wolken des Kummers lagern sich über uns, und weinend verbringen wir unsere Leidensnacht. Aber, so wie David, wollen auch wir sprechen: 4אזכרה נגינתי בלילה An mein Lied will ich gedenken in der Nacht der Leiden. Das Lied aber ist: das Wort Gottes, die Verheißung des ewigen, freudigen Morgens. So wie der Pilger im nächtlichen Dunkel seinen Blick gen Himmel richtet, um den Morgenstern zu בערב ילין בני ולבוקר רנה. « .5,7 «»׳<- ,ארם לעמל יולד מ erspähen, so wenden auch wir den Blick zu Gott empor, und gedenken seiner Verheißung, daß die Nacht vergehen und die Morgenröthe der Freude uns begrüßen werde. Dieser Gedanke tröstet uns, und bewirket, daß unsere Thränen sanfter streßen, und unser Schmerz gelinder werde. Wir ahnen, daß wir nicht dazu geboren, stets in der Wüste zu bleiben, sondern daß wir, gleich wie unsere Väter, eingchen werden in das Land der Ewigkeit. Diese Überzeugung, daß ans Kampf — Sieg, ans Nacht — Morgen folgen werde, stärkt uns in unseren Lebensmühen, und finden wir in denselben Gottes weise Absicht, Gottes heiligen Plan. Ja, wir werden Gott selbst danken für die Leiden in dieser Lebensnacht, weil diese uns geschickt und reif machen für die Freuden des ewigen Morgens. Denn wäre keine Nacht, so hatten wir keine Sehnsucht nach dem Lichte; gäbe es keine Wüste, so harten wir kein Verlangen nach dem gelobten Lande; müßten wir hier nicht mit Thränen säen, Härten wir keine Hoffnung in Freuden zu ernten. Darum sagt der Talmud: »Der Mensch müsse eben so gut Gott danken für das, was ihn hier betrübt, als auch für das, was ihn hier erfreut." 3) Das Volk weinte, so lange es in der Wüste war, doch dieses Leiden dauerte nur kurze Zeit; aber viele, viele Jahre lebten sie froh in Canaan, im Lande der Verheißung. Müssen auch wir die Lebenszeit hindurch mit dem Geschicke kämpfen — das Leiden ist von kurzer Dauer; bald werden wir abgernfcn, und der Engel des Friedens bringt uns in das Land der Ver-- heißung, wo die Freude ewig währt. Darum wollen wir mit Geduld und Ergebung in den nächtlichen Stunden unseres Daseins ertragen, was Gott zu tragen giebt, und gern erdulden, was er uns auferlegt, wollen in kindlichem Sinne überzeugt sein, daß der Vater im Himmel uns züchtiget, weil er uns liebet, uns prüfet, weil er uns zur Vollkommenheit tüchtig machen will. Wir wollen Gott bitten, daß er unser Auge erleuchte, daß wir selbst in der dunkelsten Erdennacht den Hellen Stern der göttlichen Liebe gewahren. Möge Gott חייב ארם לירך על הרעה כשם שהוא (3 מברך על הטובה.

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