Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 22 (4.6.1843)
- Date
- 1843-06-04
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Liebe!" Und cs wird Wirklichkeit der süße Trost in unserer Seele, und wenn die Fluren wieder grünen, und wenn die Blumen wieder knospen, und wenn die spiegelnden Gewässer wieder leuchten und wenn das Hallelujah der geschaffenen Wesen durch die Welten jauchzet und Gottes Herrlichkeit in allen Himmeln glänzet, dann lasset cs uns des Todes, muthig, nicht achten und ruft es uns laut und lauter zu: stark wie der Tod ist Liebe! Es giebt einen Zauber, ihn zn bannen, es giebt eine Macht der des Todes gleich und mit welcher er es nichr aufnimmr, es ist Liebe, deren Quelle Gott ist, es ist die Liebe, die Lurch die Welten leuchtet, es ist die Liebe, die im Frühling wachet und die der starreste Winter nicht ertödten kann. Gott ist der Urquell der Liebe wie des Lebens! Das war schon vor Jahrtausenden das große Geheimniß der Schöpfung, das Losungswort der Welten, יום ליום יביע אמר, das der Tag dem Tage überliefert, die Nacht der Nacht vertrauete und dies ward der ewige Text der Offenbarung, als Gott, חבב עמים der die Völker lieber, ihre Heiligen an seine Hand nahm und ihnen das Gesetz der Liebe hingab, zu ihnen sprach: liebet Gott mit eurem Leben und eure Mitmenschen wie euch selbst! Und darum tragen wir, durch sie geschaffene, Len göttlichen Wiedcrhall dieser Liebe irr unsrer Brust, und sic Walter in uns eine Macht, die stark und machtig ist, wie der Tod: עזה כמות אר!בח! Die ganze Starke und Znnigkeit, die ganze Herrlichkeit und hinreißende Gewalt der Liebe bezeichnet dieses Wort aus Salomons hohem Liede der Liebe, es führrt ein in ihr innerstes Heiligthum, in all' den Reichthum ihres Trostes, in die ganze Unendlichkeit ihres Entzückens. Wie rührend drückt sich dies Alles in den Worten aus, die Ruth zu Naemi spricht: » wohin du ge- Heft, da gehe ich mit, und wo Lu übernachtest, da nachte ich auch, wo du stirbst, da will ich sterben!" Za, Liebe ist stark wie der Tod! Gleichwie in der Natur des menschlichen Leibes der Keim LeS To- LeS ist, dessen Gewalt sich Keiner auf Erden entziehen kann, so tief ist es Bedürfniß, ist es unabweisbares Verlangen unseres Lebens, zu lieben und der Liebe theilhaft zu seyn. Am heiligsten, am überschwenglichsten äußert sich dies Bedürfniß in der Liebe zu Gott, in dem tiefen Wohlgefallen, uns ihm ganz hmzugcben, ihm, der uns nie entrissen werden kann, der dauernd und treu uns immerdar bleibet, in dem seligen Gefühle, uns seiner Güte, seiner Gnade theil- Haft zu wissen und so nimmer einsam dazustchen, son- Lern in dem göttlichsten Bunde und Verhältnisse rinsere reichste Befriedigung zu finden. Und was spricht die Schrift Anderes aus, als Lies Verlangen unseres innigsten Wesens, wenn sie sagt: »liebe Gott mit ganzem Herzen, mir ganzem Leben!" was bedeuten Liese Worte Ln ihrer Erfüllung, als: stark wie der Tod ist Liebe, das Verlangen, uns ganz hinzugeben und mit ganzer Seele in dem heiligsten Verhältnisse aufzugehen! Und der Wiederhall dieser höchsten Liebe, die tiefe Folge dieser edelsten Verwandschaft des Menschen, des gottgeschaffenen, zu dem Menschen, ist sein heiliges Verlangen, Las Gefühl des Daseyns zu theilen, Liebe zu geben und zu empfangen. Wie edel spricht sich Lies Verlangen in Ruth aus! Sie will die nicht verlassen, die sie lieber, sie Witt liebend und geliebt bei ihr bleiben, obschon sie bei ihr Nichts zu erwarten hat, als Armurh und Kummer. Und ihre Liebe ist stark wie der Tod, darum spricht sie von ihm mit sanfter Ruhe, ja sein Bild muß noch dazu dienen, ihr die Liebe werther zu machen, sie ihr höher zu verklären: »Dein Gort ist mein Gott, wo du stirbst, da will ich sterben." Der Gedanke durch den Glauben und so auch durch Tod und gemeinschaftliche Ruhestätte im Grabe verbunden zu seyn, hat für sie etwas Tröstendes, etwas Freudiges, ihre Liebe ist mächtig und unabweisbav wie der Tod. Und darum behält und behauptet Liebe ihr Recht, wie der Tod das seine: er trennet und Liebe hält verbunden. Empfinden wir nicht auch die tiefe Znnigkeit dieses Gedankens, wenn wir uns derer erinnern, die wir liebten? der Tod nahm sie uns, aber Liebe läßt ihr Bild in unferm Herzen forkleben, und wenn wir an dem Grabe stehen, Las die einst geliebte Hülle birgt, dann sprechen wir wohl auch getröstet mit der edlen Ruth: »dein Gott ist mein Gott, und eine Ruhestätte wird uns einst vereinen." Und wenn wir unsere Wallfahrtsfeste zugleich zu ErinnervngSfesten der ewigen Wallfahrt machen und vor Gott