Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 20 (20.5.1843)
- Date
- 1843-05-20
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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79 Seelen erwartet, die aus des Lebens Angst und Mühe, die aus dem schmerzensvollen Kampfe der letzten, siebenren Trübsal auf einmal eintreten dürfen in den seligen Frieden des Paradieses. Der Frühling ergoß so eben über dieses hochgelegene Thal die ganze Fülle seiner Kräfte. Die Pfirsichbäume und Mandeln halten den Boden mit den schon abfallenden Blättern ihrer Blüthen bedeckt und jeder Windhauch schüttelte einen neuen Blüthenregen aus ihren Zweigen herab, während die Aprikosenbäume noch mir dem jugendlichen Roth fest umgürtet stunden, die Blüthen der Kirschen so eben sich öffneten, die Birnen aber und Äpfel noch schlummernd in der Wiege der großen, weißen Knospen lagen. Dazwischen erhüben Die Cypressen ihre dunkelgrünen Wipfel und im untren Theile des Gartens duftete der kleine Wald der Orangenbäume und ein erfrischender Hauch stieg herauf aus den reichiich mit Wasser gefüllten Cisternen. Ausruhend saßen wir einige Zeit in diesem kleinen, friedlich stillen Paradiese, dann brachte uns der gute, alte Prior durch den langen, mit eisernen Thoren und Fallthüren wohlverwahrten, unterirdischen Gang, der treppab und treppauf aus dem Garten zuerst in einen äußren, von den hohen Ringmauern umschlossenen Vorhof, dann durch ein mächtig befestigtes Thor zu einem der mitten Höfe führt, hinein ins Kloster. Hier fanden wir eine Reihe von reinlichen kleinen Zimmern, Dank den Briefen aus Kairo, die uns angekündigt hatten, schon zu unsrer Aufnähme bereit und mit allem versehen was zur Bequemlichkeit eines aus der Wüste kommenden Reisenden dient. Wie wohl thaten dem Körper hier die lang entbehrten Segnungen — ja wahrlich das sind sie — der Reinlichkeit. Ich brauche wohl nicht zu sagen, was hier im Kloster, da ich jetzt aus dem Zimmer wieder hervortrat, mein erster Gang, meine erste Bitte an den alten Prior war. Der durch den Geist der Liebe, die in ihm waltet, wahrhaft ehrwürdige Greis führte mich hinab zu jener Stätte, da Moses, so spricht die Sage, welche das Andenken weckt an Thaten, die in dieser Gebirgsgegend geschahen, den Busch in einem Feuer stammen sähe, Las nicht zerstört noch verzehrt.-Es war ja dasselbe Feuer, Las nachmals in der Gestalt der schirmenden Säule und Wolke wie ein Adler seine Jungen die Heere Israels führte und über sie seine Fittiche dreilete; dasselbe, das über die Verschmachtenden die Ströme des Manna herniederregnete. — — Da wir uns der Stätte naheten, zog der Greis seine Schuhe aus, und es hätte seines bittend an mich gerichteten Blickes nicht bedurft, Denn ich hatte schon von selber der Worte gedacht, die Der im flammenden Busch zu Mose sprach; «ziehe deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, darauf du stehest, ist ein heiliges Land." Wie kurz oder wie lange ich hier knieend am Halbdunkel der Ka pelle verweilte, ich weiß Las nicht. Es war ja ein Aus ruhen, auch der Seele, die vom Wandern in der Wüste seit Jahren so oft und viel müde und matt geworden; und es giebt Thränen unter dem Monde, die nicht von innrem Leid, sondern von Freuden des Himmels reden. Das Alte, das Gefühl des Schmerzes und der Mattigkeit des schwerfälligen Leibes war vergangen; siehe es war Alles neu worden; wir stiegen jetzt, geführt von unsrem guten Prior, noch hinan zu den Zinnen und Thürmlein des ganz zur Festung eingerichteten Klosters. Da stehen sogar einige kleine Kanonen und Alles, was man sieht, erinnert an die Bedrängnisse und an die feindseligen Angriffe der Beduinen, denen die armen Mönche, bis Mehemed Alis Macht Einhalt that, ohne Aufhören ausgesetzt waren. Stiegen Loch diese Raben, wenn die Zeit Des Reifens der Früchte kam, selbst noch zu Vurkhardts Zeiten in den Garten und raubten Alles, außer dem Gemüse, so daß dis armen Mönche, wenn sie einige Früchte ihres Fleißes genießen wollten, sie von den Räubern wieder erkaufen oder andre der Art von Kairo kommen lassen mußten. Deshalb war die vorsichtige und wohlbefestigte Anlage des unterirdischen Ganges, der aus dem Garten in das Kloster führte, gar nöthig, und als Burk- Hardt hier war, kamen außer den Laienbrüdern, die den Garten bebauten, nur selten andre Mönche in diesen hinaus. Mußten doch auch außer jenen Räubereien Die armen Einsamen fast täglich von ihrem bescheidnen Theil der Nahrungsmittel etwas an ihre Dränger abgeben; denn alle vorüberziehende Beduinen begehrten mit Ungestüm wenigstens Brod, wenn ihnen auch nicht immer große Schüsseln mit gekochten Speisen gereicht wurden. Und die Raben, je weniger dis menschliche Nachgiebigkeit sie von hinnen scheuchte , wurden immer zudringlicher, so daß man Loch zuweilen einen Schreckschuß aus den alten Kanonen oder verrosteten Büchsen unter ihre Schaaren loslassen mußte. Heute Abend genossen wir freilich ein Fürstenmahl. Schon am Nachmittag hatte der Prior uns ein Geschenk von Granatäpfeln gebracht, die uns sehr gelabt hatten. Jetzt aber wurde das Fleisch einer wilden Ziege, die man bereits gestern für uns geschossen hatte, von Abder-Wacheds (des Knechtes des Herrn v. Krohn) Meisterhand gesotten und gebraten, mit einer Sauce von gekochten Mischmisch*) für uns aufgetragen; dazu ein süßer Wein, welchen die Mönchs in ihrem Garten gebaut und selbst gekeltert hatten. Der gute Prior durfte zwar, nach der Strenge feines Ordens, kein Fleisch genießen, aber er saß doch bei uns und erfreute uns durch seine freundlichen Mienen und Worte. Auch die Ruhder Nacht, auf breiten Teppichen, that unbeschreiblich wohl; der erste März war schon mehr als zum vierten Theil vorüber, da wir seine liebe, klare Frühlingssonne begrüßten, 1) Getrockneten Aprikosen.